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Die Value-Investing-Strategie

Nahaufnahme des weltbekannten Investors Warren Buffett
Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

Value Investing ist eine Anlagestrategie, die sich auf Aktien konzentriert, die von den Anlegern und dem Markt im Allgemeinen unterschätzt werden. Value-Investoren suchen nach Aktien, deren Marktwerte im Vergleich zu den Vermögenswerten, den Umsätzen oder den Gewinnen des Unternehmens billig aussehen. Sie hoffen, dass der Aktienkurs steigen wird, wenn mehr Menschen den wahren inneren Wert des Unternehmens erkennen.

Je größer die Differenz zwischen dem inneren Wert und dem aktuellen Aktienkurs ist, desto größer ist die Sicherheitsmarge für Value-Investoren. Da nicht jedes Value-Unternehmen auch in Zukunft den gleichen Geschäftserfolg erreicht wie in der Vergangenheit, ist diese Sicherheitsmarge für Value-Investoren wichtig. Denn so können ihre Verluste minimieren, wenn sie sich in einem Unternehmen geirrt haben.

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Warum in Value-Aktien investieren?

Einfach gesagt: Weil jeder Schnäppchen mag. Da Value-Investoren Aktien suchen, die mit einem Abschlag auf ihren inneren Wert gehandelt werden, spricht die Anlagestrategie diejenigen an, die gerne günstige Deals eintüten.

Um dann mit einer Value-Investition nicht nur richtig zu liegen, sondern auch Geld zu verdienen, braucht es genügend andere Investoren, die erkennen, dass es eine Diskrepanz zwischen dem aktuellen Kurs der Aktie und dem, was sie tatsächlich wert ist, gibt. Sobald das passiert, sollte der Aktienkurs steigen, um den höheren inneren Wert widerzuspiegeln. Dann werden diejenigen, die sich mit einem Abschlag eingekauft haben, ihren Gewinn bekommen.

Ein weiterer Vorteil des Value Investings ist die oben erwähnte Sicherheitsmarge, die eine Aktie bietet, die du unter ihrem inneren Wert gekauft hast. Es gibt keine Garantie dafür, dass der Aktienkurs nicht weiter fällt. Aber wenn die Aktie ohnehin schon weit unter ihrem inneren Wert liegt, macht das zusätzliche Kursrückgänge weniger wahrscheinlich und vermutlich weniger dramatisch.

Unterm Strich können preiswerte Value-Aktien für eher defensiv ausgerichtete Investoren einen teilweisen Schutz vor Geldverlust bieten – kombiniert mit der Möglichkeit, Geld zu verdienen, sobald der Aktienmarkt den wahren Wert der Aktie erkennt.

Value-Investitionen können Geduld erfordern. Denn oft dauert es lange, bis eine Value-Aktie auf einem angemesseneren höheren Niveau neu bewertet wird. Für diejenigen, die bereit sind zu warten, können die Renditen jedoch recht beachtlich sein.

Ist Value-Investing das Richtige für dich?

Dein primäres Investitionsziel besteht darin, dein Risiko dauerhafter Verluste auf ein absolutes Minimum zu beschränken und gleichzeitig deine Chancen zu erhöhen, positive Renditen zu erzielen? Jagst du keine Verfünffacher oder Verzehnfacher, sondern bist mit 50 % oder 100 % Rendite auch zufrieden? Dann bist du wahrscheinlich ein geborener Value-Investor!

Im Gegensatz dazu finden diejenigen, die es vorziehen, den angesagtesten Unternehmen auf dem Markt zu folgen, Value-Investitionen oft geradezu langweilig. Denn die Wachstumschancen für Value-Unternehmen sind bestenfalls Mittelmaß. Wenn du dich eher als Growth-Investor siehst, dann können wir dir unseren Grundlagenartikel über das Investieren in Wachstumsaktien nahelegen.

Value-Investoren müssen auch widerstandsfähig sein. Deine Value-Aktienrecherche wird weit mehr Aktien eliminieren, als dass du großartige Gelegenheiten aufdeckt. Es kann extrem frustrierend sein, während eines Bullenmarktes auf diese Art zu investieren: Während die Kurse von Hoch zu Hoch fliegen, schmetterst du eine Aktie nach der anderen ab, weil die Sicherheitsmarge zu klein ist oder die allermeisten Aktien nicht mehr unter, sondern über ihrem inneren Wert gehandelt werden.

Und noch schlimmer: Viele Aktien, die du während deiner Suche von deiner Kaufliste streichst, werden weiter im Kurs steigen, falls sich der Bullenmarkt fortsetzt, obwohl du sie schon anfangs zu teuer gefunden hast! Damit musst du klar kommen können, wenn du ein Value-Anleger sein willst.

Umgekehrt hast du in Bärenmärkten das Lachen. Denn hier sichert dich deine Sicherheitsmarge nach unten ab, und es wimmelt nur so vor attraktiven Investitionsgelegenheiten.

Deine Aufgaben als Value-Investor

Value Investing erfordert eine Menge Recherche. Du musst deine Hausaufgaben machen. Du solltest viel recherchieren, um den inneren Wert eines Unternehmens zu bestimmen und ihn mit dem aktuellen Aktienkurs zu vergleichen. Oft musst du dir Dutzende von Unternehmen ansehen, bevor du ein einziges findest, das eine echte Value-Aktie ist.

Der Aufwand allein schreckt viele Möchtegern-Investoren ab. Doch es lohnt sich, am Ball zu bleiben! Denn es gibt einige Tricks, mit denen man Aktien mit gutem Wert identifizieren kann. Wenn du die vielen Möglichkeiten, ein Unternehmen zu bewerten und seine Geschäftsaussichten einzuschätzen, vollständig verstehst, kannst du ungeeignete Aktien schneller aussortieren, um dich auf deine besten Kandidaten zu konzentrieren.

Was macht eine gute Value-Aktie aus?

Das bestimmende Merkmal einer Value-Aktie ist, dass sie im Vergleich zu den wichtigsten Finanzkennzahlen (wie Buchwert, Gewinn oder Cashflow) eine günstige Bewertung hat. Value-Aktien haben auch noch andere Eigenschaften, die sie für Investoren attraktiv machen:

  • Sie sind gut etablierte Unternehmen mit einer langen Erfolgsgeschichte
  • Sie erwirtschaften in der Regel beständige, positive Umsatzrenditen und Gewinne
  • Sie erzielen zwar kein Wachstum, aber erleiden üblicherweise auch keine großen Umsatzeinbußen
  • Manchmal zahlen sie sogar eine gute Dividende – obwohl das keine Voraussetzung ist, um als Value-Aktie zu gelten

Eine günstige Bewertung im Verhältnis zu den wichtigsten Finanzkennzahlen – was heißt das?

Es gibt verschiedene Kennzahlen, um Aktienbewertungen zu vergleichen. Vielleicht ist dir das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV, ein Begriff. Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Unternehmensgewinn je Aktie.

Ein Unternehmen, das einen Gewinn von 100 Mio. Euro erzielt und 50 Mio. Aktien ausgegeben hat, erzielt einen Gewinn von 2 Euro je Aktie. Bei einem Aktienkurs von 20 Euro ergäbe sich ein KGV von 10. Rechnerisch würde es also zehn Jahre dauern, bis das Unternehmen deine Aktieninvestition mit seinen eigenen Gewinnen wieder amortisiert hätte. Ab dem elften Jahr würde das Unternehmen in deine Tasche wirtschaften.

Wir können dir nicht sagen, dass jede Aktie mit einem KGV unter einem gewissen Wert X eine Super-Duper-Value-Aktie ist. Denn welches KGV ein Unternehmen verdient, hängt von vielen Faktoren ab. Unter anderem von der zukünftig erwarteten Umsatz-, Gewinn- und Cashflowentwicklung, von der Stabilität der Bilanz, von der Qualität des Managements, der Mitarbeiter und der Unternehmenskultur, und und und. Das meinten wir, als wir sagten, Value-Investing erfordert eine Menge Recherche! Aber sie zahlt sich aus, denn hast du einmal eine echte Value-Aktie gefunden, kann sie dir viel Freude und gute Gewinne bescheren.

Wie du Wertfallen vermeidest

Nachdem wir über deine Möglichkeiten gesprochen haben, Value-Aktien zu identifizieren, lass uns darüber sprechen, welche Aktien du meiden solltest. Hier kommen die oben erwähnten Wertfallen ins Spiel.

Eine Wertfalle ist eine Aktie, die billig aussieht, es aber in Wirklichkeit nicht ist. In ein paar Situationen entstehen regelmäßig Wertfallen, auf die man als Anleger achten sollte:

  • Aktien aus zyklischen Industrien wie der verarbeitenden Industrie, dem Baugewerbe, der Rohstoffindustrie und der Halbleiterbranche verzeichnen in Boomzeiten oft einen beträchtlichen Gewinnanstieg. Nur, um dann einen Großteil dieser Gewinne wieder zu verlieren, wenn sich die Bedingungen in der Industrie abkühlen. Wenn Börsianer niedrigere Profite kommen sehen, wird das KGV im Vergleich zu den jüngsten Gewinnen der Vergangenheit sehr günstig aussehen – aber warte nur, bis die Gewinne in der schwächeren Phase des Konjunkturzyklus fallen! Plötzlich ist die Bewertung gar nicht mehr so günstig, und deine Sicherheitsmarge ist futsch.
  • Aktien in Bereichen, in denen geistiges Eigentum im Vordergrund steht, sind auch anfällig dafür, zu einer Wertfalle zu werden. Wenn beispielsweise ein Arzneimittelunternehmen ein umsatzstarkes Medikament hat, aber in naher Zukunft den Patentschutz dafür verliert, dann kann ein Großteil der Gewinne schnell verschwinden. Das Gleiche gilt für ein Tech-Unternehmen, das zwar der First Mover in einer neuen Branche ist, aber anschließend von der Konkurrenz mit tieferen Taschen vom Markt verdrängt wird.

Um Wertfallen zu vermeiden, denke immer daran:

Die Zukunft eines Unternehmens ist bei der Bewertung einer Aktie wichtiger als die Vergangenheit.

Wenn du dich auf die Aussichten eines Unternehmens bei der Umsatz- und Gewinnentwicklung in den kommenden Monaten und Jahren konzentrierst, wirst du mit größerer Wahrscheinlichkeit echte Value-Aktien finden und Value-Fallen meiden.

Spannendes Börsenwissen: Wer sind die bekanntesten Value-Investoren?

Benjamin Graham wird allgemein als der Vater des Value Investing angesehen. Grahams Bücher Security Analysis von 1934 Der intelligente Investor aus dem Jahr 1949 legten die Grundsätze dieser Strömung fest. Dazu zählt das Konzepts des inneren Wertes und die Festlegung einer Sicherheitsmarge.

Abgesehen von den beiden unschätzbar wichtigen Wälzern, die Graham verfasst hat, war sein nachhaltigster Beitrag zum Value Investing seine Rolle bei der Ausbildung des legendären Investors Warren Buffett. Buffett studierte unter Graham an der Columbia University und arbeitete für kurze Zeit in Grahams Unternehmen.

Als CEO von Berkshire Hathaway (WKN:854075, A0YJQ2) ist Buffett vielleicht der bekannteste Value-Investor. Buffett verdiente sich mit Value-Investitionen in seinen frühen 20ern seine Sporen und nutzte die Strategie, um in den 1960ern immense Renditen für seine Investoren zu erzielen. In den 1970ern übernahm er dann die Kontrolle über Berkshire.

Der Einfluss von Charlie Munger, Berkshires stellvertretender Vorsitzender und Buffetts Investitionspartner seit vielen Jahrzehnten, hat Buffetts Strategie jedoch verändert. Statt nur unterbewertete Vermögenswerte zu kaufen, hat Buffett sich darauf verlegt, qualitativ extrem hochwertige Unternehmen zu vernünftigen Werten zu identifizieren.

Dieses berühmte Buffett-Zitat beschreibt am besten, wie sich sein Denken über den Wert im Laufe der Jahre verändert hat:

Es ist besser, ein wunderbares Geschäft zu einem fairen Preis zu kaufen als ein durchschnittliches Geschäft zu einem wunderbaren Preis.

Lass dir von Value Investing helfen

Das Wichtigste, was man verstehen muss, ist, dass Value Investing eine langfristige Denkweise erfordert. Wie der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes sagte: „Der Markt kann länger irrational bleiben, als du solvent bleiben kannst.” Die Lektion ist, dass man zwar gelegentlich Glück hat und sich eine Investition sehr schnell auszahlt. Doch selbst eine wertorientierte Strategie garantiert keine schnellen Gewinne. Der Markt „erkennt” nicht immer sehr schnell, dass er sich bei einer Aktie geirrt hat oder dass er einen Vermögenswert unterbewertet hat. Manchmal liegst du auch selbst falsch, und es kann lange dauern und ist schmerzhaft, sich das einzugestehen.

Value-Investment-Strategien brauchen Zeit – aber die Zeit und Mühe, die du investierst, sind es wert. Das Verstehen und Anwenden der Value-Investing-Konzepte, die Benjamin Graham vor fast 90 Jahren beschrieben hat – und die Buffett und andere seither ergänzt und verbessert haben – wird dich zu einem besseren Investor machen, der bessere Chancen hat, beim Investieren erfolgreich zu sein.

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Dieser Artikel wurde von Dan Caplinger auf Englisch verfasst und am 02.06.2020 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt und editiert, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.



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