Minus 29 % seit Jahresbeginn – diesen E-Mobilitäts-Profiteur finde ich jetzt interessant

Ein weißes Elektroauto welches gerade mit einem Ladekabel aufgeladen wird.
Foto: Rathaphon Nanthapreecha via Pexels

Der breite Aktienmarkt hat sich seit Jahresbeginn gut entwickelt. Der amerikanische S&P 500 stieg um 8 %, der DAX erklomm vor einigen Tagen sogar ein neues Allzeithoch (Stand aller Angaben: 25.05.23). Die Aktie des US-Unternehmens Wolfspeed (WKN: A3C4QG) fiel jedoch um 29 % – obwohl der Rückenwind aus dem Bereich E-Mobilität größer denn je zu sein scheint. Wir schauen uns das Unternehmen genauer an.

Wolfspeed produziert Siliziumkarbidchips für E-Autos

Wolfspeed ist ein Entwickler und Hersteller von Halbleitern und nach eigenen Angaben weltweit führend im Bereich der Siliziumkarbidchips. Diese speziellen Chips verarbeiten Strom effizienter und helfen somit unter anderem die Reichweite von Elektroautos zu verlängern und diese Autos schneller aufzuladen. Entsprechend haben Autokonzerne wie General Motors, Jaguar Land Rover und Mercedes-Benz sowie diverse Automobilzulieferer Partnerschaften mit Wolfspeed abgeschlossen.

Wolfspeed profitiert also indirekt von der stetig steigenden Anzahl neu zugelassener Elektroautos – unabhängig vom Hersteller. Diese Entwicklung schlägt sich in den Umsätzen nieder. Im Geschäftsjahr 2022 stieg der Umsatz um 42 %, im letzten Quartal um 22 %. Diese Umsätze kommen überwiegend aus der E-Mobilität, aber auch in den Bereichen erneuerbare Energien, Luftfahrt oder 5G kommen die Halbleiter aus Siliziumkarbid verstärkt zum Einsatz.

Warum fiel der Aktienkurs seit Jahresbeginn?

Das klingt doch gar nicht schlecht. Warum fiel der Aktienkurs dennoch um 29 % seit Beginn des Jahres? Ich sehe zwei Gründe. Zum einen nimmt das Unternehmen Verluste und negative Free Cashflows in Kauf, um stark wachsen können. Dies kommt in Zeiten eines gesunkenen Risikoappetits und steigender Zinsen am Aktienmarkt nicht gut an. Entsprechend sank die hohe Bewertung – während das KUV zu Jahresbeginn noch 12 betrug, liegt es nun bei 8. Verglichen mit anderen Chipherstellern wie Infineon (KUV: 3) ist dies immer noch hoch.

Darüber hinaus waren zwar die Zahlen des letzten Quartals besser als erwartet, der Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr enttäuschte jedoch. Da der Ausbau der Produktionskapazitäten insbesondere im modernen 200mm-Chipbereich langsamer als ursprünglich geplant vorankommt, soll im Geschäftsjahr 2024 „nur noch“ ein Umsatz von 1 bis 1,1 Mrd. US-Dollar generiert werden. Dies ist deutlich weniger als die bisher in Aussicht gestellten 1,6 Mrd. US-Dollar, aber immer noch rund 40 % mehr als im Geschäftsjahr 2022 erzielt wurde.

Wie sind die weiteren Aussichten für Wolfspeed?

Der Rückgang des Aktienkurses in den letzten Monaten scheint mir daher angebracht. Spannend ist aus meiner Sicht, ob das Unternehmen trotz kurzfristiger Herausforderungen seine mittelfristigen Ziele erreichen kann. Für das Geschäftsjahr 2027 wurde ein Umsatz von 4 Mrd. US-Dollar prognostiziert. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 40 %.

Treiber dieses Wachstums soll die E-Mobilität sein. Der Wert der Siliziumkarbid-Elektronik in E-Autos soll in den nächsten Jahren mit 39 % pro Jahr wachsen. Doch auch in anderen Bereichen wie 5G und Solaranlagen erwartet Wolfspeed für seine im Vergleich zu klassischen Siliziumchips effizienteren und kompakteren Siliziumkarbidchips weiteren Auftrieb.

Um diese steigende Nachfrage bedienen zu können, erweitert Wolfspeed seine Produktionskapazitäten im großen Stil. Neue Fabriken in den USA sind im Bau und auch in Deutschland soll – gemeinsam mit dem Automobilzulieferer ZF – eine große Produktionsanlage für Siliziumkarbid-Elektronik gebaut werden. Meiner Einschätzung nach wird es entscheidend sein, ob diese Kapazitätserweiterungen nach Plan verlaufen.

Sollte dies der Fall sein, ist die Aktie von Wolfspeed heute günstig bewertet. Im Geschäftsjahr 2027 soll bei einem Umsatz von 4 Mrd. US-Dollar eine Bruttomarge von 50 % sowie eine Free-Cashflow-Marge von mehr als 20 % erzielt werden. Gemessen daran scheint mir die heutige Marktkapitalisierung von knapp 6 Mrd. US-Dollar gering. Nach der Reduzierung des Ausblicks für 2024 bin ich jedoch skeptisch, ob diese Ziele erreicht werden können. Ich beobachte die Wolfspeed-Aktie daher vorerst weiter.

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Hendrik Vanheiden besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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