Hohe Dividende, niedriges KGV: Sind Tabakaktien die Gelegenheit des Jahrzehnts?

Eine Person im Anzug hält ein Schild mit einem Fragezeichen vor seinen Körper.
Foto: Gerd Altmann via Pixabay

In einer Welt, in der Investoren ständig auf der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten sind, können Tabakaktien aufgrund ihrer hohen Dividendenrenditen und niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) durchaus interessant sein. Besonders im Zusammenhang mit den Nikotin-Produkten der neuesten Generation bestehen in wachstumsschwachen Märkten Chancen auf eine Wiederbelebung des Geschäfts.

Doch bevor man sich auf die vermeintliche Gelegenheit des Jahrzehnts stürzt, ist es wichtig, die Probleme der Tabakkonzerne und ihre neuen Perspektiven genauer zu betrachten.

Zahlreiche Herausforderungen sind zu bewältigen

Tabakkonzerne haben in den letzten Jahrzehnten mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen gehabt. Einer der größten Kritikpunkte ist natürlich die Gesundheitsgefahr durch das Rauchen. Die Forschung hat eindeutig gezeigt, dass Rauchen zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen kann, darunter Lungenkrebs, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen.

Als Ergebnis davon sind viele Länder restriktiver geworden. Strengere Vorschriften für den Verkauf und die Vermarktung von Tabakprodukten wurden eingeführt – besonders trifft dies auf westliche Regierungen zu. Die Entwicklungen haben letztendlich zu rückläufigen Absatzzahlen und einem schrumpfenden Markt für Tabakprodukte geführt.

Wenig gesellschaftliche Akzeptanz

Ein weiteres Problem, dem Tabakkonzerne gegenüberstehen, ist der gesellschaftliche Wandel: Rauchen wird zunehmend als ungesunde Gewohnheit angesehen, und viele Menschen versuchen aktiv, mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst damit anzufangen. Die soziale Akzeptanz des Rauchens nimmt ab, was zu einem Rückgang der Kundennachfrage führt.

Auch am Kapitalmarkt kann man viel vom Pessimismus gegenüber den Tabak-Aktien erkennen. Für viele ESG-Investoren sind diese Konzerne einfach nicht mehr investierbar. Zu stark ist das Geschäftsmodell mit Kritiken behaftet.

Hohe Dividende, niedriges KGV = attraktive Investition? … eine Frage der Perspektive!

Trotz zahlreicher Herausforderungen stellen Tabakaktien immer noch eine attraktive Investitionsmöglichkeit dar. Einer der Hauptgründe dafür sind die hohen Dividendenrenditen, die von vielen Tabakkonzernen geboten werden. Da die Aktienkurse niedrig sind und die Unternehmen weiterhin stabile Cashflows bzw. Gewinne erzielen, können Investoren regelmäßig hohe Dividendenzahlungen erwarten. Für Einkommensinvestoren sind diese Dividenden eine verlockende Möglichkeit, um sich eine konstante Einnahmequelle zu sichern.

Besonders die Kombination aus schwachem Wachstum, geringen Investitionen, hohen Markteintrittsbarrieren und einer bereits konzentrierten Marktmacht könnte spannend sein. Zudem ist die Tatsache verlockend, dass eine extrem hohe Pricing-Power aufgrund der Abhängigkeit der Raucher vorhanden ist.

Neue Chancen sind bei Tabakaktien vorhanden

Es gibt auch neue Perspektiven für Tabakkonzerne, die das Potenzial haben, die Zukunftsaussichten zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist die aufstrebende E-Zigaretten-Industrie. Während herkömmliche Tabakprodukte an Popularität verlieren, gewinnen E-Zigaretten an Zugkraft.

Viele Tabakkonzerne haben erkannt, dass sie in diesem Bereich aktiv werden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie investieren in die Entwicklung und Vermarktung von E-Zigaretten und anderen alternativen Produkten, die möglicherweise weniger gesundheitsschädlich sind als herkömmliche Zigaretten. Dies könnte zu neuen Umsatzquellen und Wachstumschancen führen.

Zu den größten Vertretern in den neuen Märkten gehören Philip Morris (WKN: A0NDBJ) und Britisch American Tobacco (WKN: 916018). Aber auch der amerikanische Marktführer Altria (WKN: 200417) versucht sich kontinuierlich am Zukunftsmarkt.

Fazit

Insgesamt können Tabakaktien aufgrund ihrer hohen Dividendenrenditen und niedrigen KGVs durchaus eine interessante Investitionsmöglichkeit sein. Investoren sollten jedoch die Risiken und Herausforderungen berücksichtigen, denen die Tabakindustrie gegenübersteht, sowie die potenziellen Auswirkungen von gesetzlichen Vorschriften und gesellschaftlichen Veränderungen.

Das größte Problem der Tabak-Giganten könnte jedoch darin liegen, dass mit den neuen Produkten ältere kannibalisiert werden. Hier trifft ein mehr oder weniger dynamisch wachsendes Neugeschäft mit geringer Profitabilität auf ein etabliertes Geschäftsmodell mit hohen Margen.

Die Skepsis der Investoren scheint somit berechtigt zu sein. Allein die hohen Dividenden dürften kein Kaufargument sein, sofern das Geschäftsmodell im Grundsatz her nicht weniger kritisch belastet ist.

Ob dies jedoch irgendwann der Fall sein könnte, das steht noch in den Sternen. Ich bleibe für meinen Teil optimistisch und setze auf eine Beimischung.

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Frank Seehawer besitzt Aktien von Philip Morris, Altria und British American Tobacco. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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