Tenbagger oder Rohrkrepierer? Wie eine Wachstumsaktie endet, ist oft leichter zu erkennen, als man denkt!

Wachstumsaktien, d.h. Aktien von Unternehmen, die ein überdurchschnittliches Wachstum aufweisen, stehen bei immer mehr Anlegern im Mittelpunkt des Anlageportfolios. Sie versprechen hohe Renditen, da sie in schnell wachsenden Branchen tätig sind und ihre Umsätze und Gewinne enorm steigen lassen können – vom Grundsatz her eine gute Idee, auf solche Unternehmen zu setzen. Denn: Die langfristige Performance von Unternehmen wie Microsoft (WKN: 870747), Amazon (WKN: 906866) oder Nvidia (WKN: 918422) ist unschlagbar.
Doch trotz der Attraktivität von Wachstumsaktien gibt es mehrere Gründe, sie mit Vorsicht zu genießen. Einige der Hauptgründe, warum eine Wachstumsaktie zum Rohrkrepierer werden kann, möchte ich heute näher beleuchten.
Hohe Bewertungen lassen das Risiko ansteigen
Wachstumsaktien werden oft zu sehr hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) oder auch Umsatzmultiplikatoren gehandelt. Anleger sind trotzdem bereit, diesen hohen Preis für das zukünftige Wachstumspotenzial zu bezahlen. Die Hoffnung auf explodierende Gewinne in der Zukunft ist groß.
Aus heutiger Sicht kann es sich dabei jedoch häufig um überhöhte Bewertungen handeln, die nicht immer durch die tatsächliche oder mögliche Unternehmensperformance gerechtfertigt sind. Werden beispielsweise die erwarteten Wachstumsziele nicht erreicht, kann es zu einer deutlichen Korrektur mit entsprechenden Kursverlusten kommen.
Aber auch das wirtschaftliche Umfeld spielt eine wichtige Rolle. Historisch gesehen haben viele Wachstumsaktien in Marktabschwungphasen (Bärenmärkten) oder in Zeiten erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheit besonders stark an Wert verloren. Hohe Zinsen oder steigende Risikoprämien sind Gift für die Bewertung von Wachstumsaktien.
Geringe Rentabilität, Verwässerung der Altaktionäre
Viele Wachstumsunternehmen weisen zudem eine geringe Profitabilität auf. Dies ist nicht verwunderlich, da sie viel Geld in den Aufbau ihres Unternehmens stecken. Die Kosten für Forschung und Entwicklung, Marketing und Expansion sind teils enorm hoch, was oft auch zu geringen oder sogar deutlich negativen Gewinnmargen führt.
Verstärkt wird dieser Effekt durch hohe Personalkosten. Auffällig ist, dass sich Management-Teams ihre Arbeit mit saftigen Aktienoptionsplänen vergüten lassen, was zu einer Verwässerung der Altaktionäre führt. Das ist das, was ich an Wachstumsaktien am meisten hasse. Dabei wird die Erreichung ehrgeiziger Wachstumsziele unter Inkaufnahme hoher Risiken in Kauf genommen.
All diese Faktoren können letztlich die finanzielle Stabilität gefährden und das Unternehmen häufig von externer Finanzierung abhängig machen – eine Unsicherheitsvariable.
Geringe Wettbewerbsvorteile der Wachstumsaktien und hohe Investitionen als Unsicherheitsfaktoren
Das Risiko wird noch dadurch erhöht, dass viele Wachstumsaktien noch nicht wirklich über einen tiefen Burggraben, d.h. über nachhaltige Wettbewerbsvorteile verfügen. Ohne starke Marken, Patente oder andere Schutzmechanismen sind sie anfälliger für Wettbewerbs- und Marktveränderungen.
Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor stellt der hohe Investitionsbedarf dar. Wachstumsunternehmen tätigen oft hohe Investitionen, um ihr zukünftiges Wachstum zu sichern. Diese sind jedoch – wie jede andere Investition auch – mit Risiken verbunden. Neue Technologien oder Produkte können sich beispielsweise als weniger erfolgreich erweisen. Markttrends können sich schneller ändern als prognostiziert.
Fazit zu den Risiken von Wachstumsaktien
Wachstumsaktien können in Boomphasen beeindruckende Renditen erzielen, sie sind aber auch mit erhöhten Risiken verbunden. Ihre hohe Bewertung, eine oft geringe Profitabilität, das Fehlen nachhaltiger Wettbewerbsvorteile und die mit hohen Investitionen verbundenen Unsicherheiten müssen kritisch geprüft werden.
Doch nicht für alle Wachstumsunternehmen gilt dies. So finden sich mit Alphabet (WKN: A14Y6F) oder Meta Platforms (WKN: A1JWVX) Beispiele, auf die viele der genannten Punkte nicht zutreffen. Ihre Risiken können dafür auf anderer Ebene liegen, etwa im Regulierungsumfeld oder in einer starken Abhängigkeit vom starken Werbegeschäft.
Nicht zittern – handeln! Der Bärenmarkt-Überlebensguide für Börsenkrisen
Der Aktienmarkt ist derzeit wieder höheren Risiken ausgesetzt. Droht vielleicht sogar ein Bärenmarkt? Vielleicht – aber steck jetzt bloß nicht den Kopf in den Sand!
Wenn die Märkte schwanken und die Nerven flattern – genau dann zählt es, wie du dich als Anleger verhältst. Unser Bärenmarkt-Überlebensguide zeigt dir in vier Schritten, wie du klug, ruhig und strategisch durch jede Korrektur kommst – und sie vielleicht sogar zu deiner größten Chance machst.
Jetzt lesen und vorbereitet sein, wenn andere in Panik verfallen!
Frank Seehawer besitzt Aktien von Amazon, Alphabet, Meta Platforms und Microsoft. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Amazon, Alphabet, Meta Platforms und Microsoft.
