Die große Analyse zur Evotec-Aktie 2025: Aktuelle Zahlen, Just-Verkauf und 1 großes Potenzial

Rendering eines DNA-Strangs
Bild: Thomas via Pixabay

Die Evotec-Aktie (WKN: 566480) zeigt ein bekanntes Bild: Die Nachfrage in der vorklinischen Forschung bleibt weiterhin schwach und wird fast kompensiert durch die Nachfrage der Tochter Just – Evotec Biologics, die sich mit der Entwicklung und Herstellung von Biologika beschäftigt. Insgesamt ging der Umsatz im ersten Halbjahr um 5 % auf 371,2 Mio. Euro zurück.

Just – Evotec Biologics mit gutem Wachstum

Just – Evotec Biologics verzeichnet ein Umsatzwachstum von 16 %. Dieses Wachstum ist nicht auf die Großkunden Sandoz und das Department of Defense zurückzuführen: Während das Sandoz-Geschäft im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem starken Vergleichszeitraum 2024 im niedrigen einstelligen Bereich wuchs, verzeichnete die Partnerschaft mit dem Department of Defense einen leichten Umsatzrückgang. Das übrige Geschäft wuchs um 87 %.  Dazu haben drei große Pharmakonzerne beigetragen. Hierbei handelt es sich überwiegend um Entwicklungs- und Produktionsumsätze.

Das Unternehmen möchte die Zusammenarbeit mit diesen Partnern frühzeitig festigen, denn sobald diese Programme in die kommerzielle Markteinführung gehen, sind die Wechselkosten sehr hoch und es ergeben sich wiederkehrende Umsätze.  Dieses Wachstum stützt die These, dass man mit diesem Segment über Jahre hinweg zweistellig wachsen kann.

Das Forschungsgeschäft bleibt schwach

Demgegenüber steht das Segment „Shared R&D“, das kurzfristig in „Discovery & Preclinical Development“ (D&PD) umbenannt wurde. Es leidet weiterhin unter dem schwierigen Zugang zu Kapital für vorklinische Forschung, da Investoren weniger risikobereit sind.

Der Markt bleibt schwach und der Umsatz im Segment ist um 11 % auf 269 Mio. Euro zurückgegangen. Ein Grund für das große Minus war der erwartete vorübergehende Rückgang der Umsätze mit dem wichtigen Partner Bristol-Myers Squibb (BMS). Normalisiert man diesen Sondereffekt, ging der Umsatz um 6 % gegenüber dem Vorjahr zurück.

Evotec-Aktie: Was Investoren noch wissen sollten

Das Unternehmen richtet sich stark auf profitables Wachstum aus und vermeldet Fortschritte bei den Hauptkooperationen, die weniger preissensibel sind. Zudem baut es die Plattformtechnologien aus, beispielsweise die molekulare Patientendatenbank, und verbessert seine führende Position im Bereich Nierenerkrankungen mit Daten von über 27.000 Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen, immunvermittelten Entzündungskrankheiten und Stoffwechselstörungen. Aufgrund der großen Datenbasis konnten in den letzten Jahren auch sehr interessante Partnerschaften im Bereich chronischer Nierenerkrankungen mit namhaften Pharmapartnern eingegangen werden.

Das Management berichtet von einem Rückgang der Bestellungen im ersten Halbjahr, sieht aber zu Beginn des zweiten Halbjahres wieder ein normales Bestellniveau. Das Unternehmen ist nicht untätig und senkt weiterhin die Kosten. Es wurden weitere wiederkehrende Kostensenkungen mit zusätzlichen Auswirkungen von rund 10 Mio. Euro im Jahr 2025 in dem Geschäft beschlossen. Damit belaufen sich die Kostensenkungspläne für 2025 auf über 60 Mio. Euro. Zusammenfassend hat Evotec seit März 2024 einen Personalabbau von 600 Vollzeitstellen erreicht, was 200 Vollzeitstellen über dem ursprünglichen Ziel liegt. Damit haben sie bereits etwa 50 % des aktualisierten Kostensenkungsziels von 30 Mio. Euro realisiert. Wir hoffen, dass sich diese Maßnahmen nicht stark negativ auf die Kultur auswirken und das Unternehmen langfristig profitables Wachstum erreicht.

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Wie sich das auf die Profitabilität auswirkt

Die Verbesserungen durch Reorganisation und Kostensenkungen, auch bei der Forschung und Entwicklung, im letzten Jahr werden kurzfristig noch durch niedrigere Umsatzerlöse, höhere Steueraufwendungen und höhere nicht betriebliche Aufwendungen wie Währungseinflüsse gebremst. Deshalb liegt das Periodenergebnis der letzten sechs Monate mit -75,1 Mio. Euro immer noch in der Verlustzone, nach -115,6 Mio. Euro im Vorjahr.

Das Umsatzwachstum im Geschäftsbereich Just – Evotec Biologics fiel stärker aus als das Wachstum der Kosten, sodass das EBITDA des Geschäftsbereichs bei 7,5 Mio. Euro lag. Dieser starke Beitrag wurde jedoch durch einen hohen Verlust im Segment „Discovery & Preclinical Development“ ausgeglichen. Insgesamt lag das bereinigte EBITDA bei -1,9 Mio. Euro.

Der Ausblick für die Evotec-Aktie

Aufgrund der Fortschritte bei Just – Evotec Biologics, darunter der mögliche Verkauf der Fertigungseinrichtung in Toulouse an Sandoz (dazu weiter unten mehr), bestätigt das Management den Ausblick für 2025 und betont, dass sich die Sichtbarkeit der mittelfristigen Ziele erheblich verbessern wird. Daher bleibt das Ziel für 2028 ambitioniert, aber realistisch: ein annualisiertes Umsatzwachstum von 8 % bis 12 % und eine EBITDA-Marge von über 20 %.

Evotec befindet sich zwar weiterhin in der Konjunkturtalfahrt, verfügt aber über gute Vermögenswerte und kann sich dadurch womöglich mittelfristig aus der Talfahrt ziehen. Wir als langfristige Investoren beobachten das Unternehmen weiterhin sehr genau.

Was hat es mit dem Just-Verkauf auf sich?

Evotec hatte kürzlich eine nicht bindende Vereinbarung mit der Sandoz AG über den möglichen Verkauf von Just – Evotec Biologics EU unterzeichnet.

Just – Evotec Biologics EU ist Eigentümer der J.POD-Anlage für die Herstellung von kostengünstigen Biosimilars in Toulouse, Frankreich. Der Standort ist seit Juli 2024 vollständig auf Sandoz abgestimmt, sodass die Transaktion die logische Weiterentwicklung der bereits erfolgreichen Partnerschaft darstellt. Der Abschluss der Transaktion ist für das vierte Quartal vorgesehen. Sie sieht eine Gegenleistung für den Standort in Höhe von rund 300 Mio. US-Dollar in bar sowie weitere technologiebezogene Gegenleistungen, künftige Entwicklungsumsätze, Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen vor.

Dadurch soll das Geschäftsmodell von Evotec weniger kapitalintensiv werden und die Gewinnmarge sowie die Kapitaleffizienz sollen sich verbessern. Das klingt für die Evotec-Aktie zunächst positiv.

Deutlich wird, dass das Portfolio von Evotec große Werte birgt: Allein die Zahlung für den Standort von 300 Mio. US-Dollar in bar entspricht knapp 24 % der aktuellen Marktbewertung. Vielleicht beginnt jetzt eine Phase der Wertschöpfung nach den Enttäuschungen der letzten Jahre.

Der langfristige Blick auf die Evotec-Aktie

Grundsätzlich mögen wir das Unternehmen und die Evotec-Aktie. Wir sehen Chancen, die sich aus der demographischen Entwicklung und der zunehmenden Entwicklung von Medikamenten ergeben. Neue Kooperationen in der Medikamentenentwicklung aufgrund des gestiegenen Zinsumfelds und des erschwerten Zugangs zu Kapital für forschende Unternehmen sind ein weiterer Katalysator. Potenzial bieten auch neue Partnerschaftsvereinbarungen zur Stärkung biotechnologischer Innovationen in einer „Shared Economy“ für Forschung und Entwicklung.

Aktuell befindet sich die Wirkstoffentwicklung aufgrund des schwierigen Marktumfelds immer noch im Rückwärtsgang. Die Branche kämpft immer noch mit dem Zinsanstieg: Dieser spielt eine Rolle, weil eine Medikamentenentwicklung für eine seltene Krankheit lange dauert und bei einem hohen Zinssatz nur einen geringen Barwert hat. Insbesondere der wichtige Markt USA hat weiterhin hohe Zinsen.

Hinzu kommen der steigende Kostendruck in den weltweiten Gesundheitssystemen und die unsichere Wirtschaftslage, aufgrund derer die Budgets kleiner geworden sind. Einige Pharmaunternehmen befinden sich in einer temporären Umstrukturierung und nur ausgewählte Biotechunternehmen erhalten eine ausreichende Finanzierung.

Evotec geizt dennoch nicht mit den langfristigen Zielen, wie wir bereits gesehen haben. Mit einer Bewertung von knapp 1,5-fachen Umsatz ist die Evotec-Aktie deutlich attraktiver als der Durchschnitt der letzten 10 Jahre mit 6,6. Dennoch muss Evotec erst einmal liefern, was sie versprechen.

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