Münchener Rück: Qualität statt Quantität – wenn das gelingt, sprechen wir vom „Premium-Marktführer“

Bei der Aktie der Münchener Rück (WKN: 843002) hat zuletzt der Korrektur-Modus eingesetzt. Das ist soweit bekannt und haben wir ebenfalls kommentiert. Die Möglichkeit eines sogenannten weicheren Marktes, der Druck auf die erzielbaren Prämien ausübt, führt zu Verunsicherung. Branchenvertreter äußerten sich zuletzt dahingehend, dass damit der Preiserhöhungstrend der letzten Jahre enden könnte.
Das Management-Team der Münchener Rück will von einem weicheren Markt bislang noch wenig wissen. Am letzten Wochenende hat es ein wichtiges Branchentreffen zu den Preisanpassungen im neuen Jahr gegeben. Trotz der Bedenken hinsichtlich der Preise gibt sich der DAX-Rückversicherungskonzern weiterhin optimistisch und kämpferisch.
Ich persönlich sehe die Möglichkeit, dass sich die Münchener Rück als eine Art Premium-Marktführer etabliert. Was das für die Investitionsthese der zuverlässigen Dividendenaktie bedeutet? Finden wir es heraus. Es könnte jedenfalls zu einem Paradigmenwechsel führen. Wenn es denn dazu kommt, wie die Münchener Rück es prophezeit.
Münchener Rück: gegen den Trend
Die aktuelle Berichterstattung rund um die Münchener Rück zeigt jedenfalls sehr deutlich: Die Äußerungen des Managements sind gegen den Markttrend gerichtet. Beziehungsweise gegen den Trend, den die anderen Teilnehmer beobachten. Auf dem diesjährigen Branchentreffen in Monte-Carlo sprach der Vorstand Thomas Blunck, dass die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz grundsätzlich steigen dürfte. Vorstandskollege Stefan Golling ergänzte, dass man einen jährlichen Versicherungsschutz von mehr als 100 Mrd. Euro sehe. Die Tendenz halte bereits seit Anfang der 2020er Jahre an.
Trotzdem sehen wir ebenfalls, dass die letzten zwei Preisrunden eher von leichten Rückgängen geprägt gewesen sind. Ein weicher Markt? Zumindest symptomatisch in den ersten Zügen. Die Strategie der Münchener Rück ist es aber offenbar, nicht in den Preiskampf einzusteigen, sondern auch zukünftig Risiken zu adäquaten Preisen abzusichern. Offensichtlich ist der DAX-Konzern auch einfach nicht zu Zugeständnissen bereit, was die eigenen Preise angeht. Eine mutige Entscheidung, die sich langfristig aber lohnen könnte. Zumindest, wenn die Strategie aufgeht.
In der Vergangenheit hat es für die Münchener Rück bereits funktioniert. Um das Jahr 2017 herum hat es den letzten weicheren Markt gegeben. Damals ist der DAX-Rückversicherer ebenfalls nicht in den Preistango eingestiegen, sondern hielt an seiner Geschäftsausrichtung fest. Man versicherte einfach keine Schäden zu Preisen, die man nicht für adäquat hält. Ich sehe hier mindestens eine Fortführung dieser Haltung. Aber vielleicht auch einen Indikator dafür, was das Management hinter der beliebten Dividendenaktie will.
Ein wenig mehr Zuverlässigkeit für uns Investoren
Was ich in den Äußerungen der Münchener Rück sehe, ist hoch spannend. Denn das Management setzt offenbar stärker auf Qualität, als auf Quantität. Dazu zähle ich auch, dass der DAX-Rückversicherer nicht primär an seiner Wettbewerbsposition als Branchenprimus festhält. Die Swiss Re hat inzwischen nach Volumen den DAX-Konzern überholt. Aber Quantität muss nicht zwangsläufig gleichbleibend mit Qualität sein.
Wenn es der Münchener Rück daher gelingt, das Prämienvolumen einerseits hochzuhalten und andererseits die Marge zu stabilisieren, ist das meiner Meinung nach mehr wert. Es würde bedeuten, dass wir näherungsweise mit stabilen Erträgen rechnen können. Natürlich nicht, was Großschadensereignisse angeht. Wohl aber, was die Zyklizität des eigenen Marktes angeht. Möglicherweise schafft es die Münchener Rück sogar, sich von den Branchenwellen und dem Druck der Wettbewerber zu befreien. Als Premium-Anbieter könnte das Geschäft zuverlässiger sein. Auch für die Erstversicherer als Handelspartner.
Das ist natürlich nur eine Theorie. Eine These. Es wäre wichtig, dass die Münchener Rück das bestätigt, wenn es das Ziel sein sollte. Es würde jedenfalls dazu führen, dass auch die Aktie anders bewertet werden dürfte.
Münchener Rück: Was ein „Premium-Geschäft“ für die Aktie bedeuten würde
Wie gesagt: Wenn die Münchener Rück sich durch bessere Kalkulation und einem Premium-Ansatz als der Margenprimus etablieren sollte, hätte das auch Auswirkungen auf die Aktie. In diesem Fall würde der Markt meiner Meinung nach dazu tendieren, dem DAX-Rückversicherer eine leichte Premium-Bewertung beizumessen. Ein KGV um ca. 15 könnte dann stets als fair gelten. Damit hätte die Aktie auch weiteres Kurspotenzial, vor allem, wenn der Gewinn je Aktie und das operative Geschäft langfristig leicht wachsen.
Für den Moment heißt es aber, diese These noch nicht zu antizipieren. Wir sehen lediglich, dass das Management wie im Jahre 2017 bei den Preisen nicht zu Zugeständnissen bereit ist. Bleibt die Nachfrage hoch und die Münchener Rück etabliert sich als zuverlässiger, erster Ansprechpartner, dann kann das eine neue Phase begründen. Aber die Erstversicherer müssten das dann auch schlucken. All das ist ein „falls“ und kein „wann“. Ich persönlich finde die aktuellen Entwicklungen aber überaus spannend.
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Vincent besitzt Aktien der Münchener Rück. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien der Münchener Rück.
