Von Berkshire bis Honeywell: Diese Konglomerate trotzen jeder Krise
Du willst Stabilität im Depot, ohne auf Wachstum verzichten zu müssen? Dann bist du hier richtig. Während viele Anleger auf spezialisierte „Pure Plays“ setzen, geraten Konglomerate leicht aus dem Blick. Dabei steckt ihre Stärke gerade in der Vielseitigkeit: Sie vereinen mehrere Geschäftsbereiche unter einem Dach, verschieben Kapital flexibel und gleichen so zyklische Schwankungen aus. Beispiele wie Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) mit dem berühmten „Versicherungsfloat“, Honeywell (WKN: 870153) mit seinem Schwenk Richtung IoT und ITC Limited (WKN: A0HF08) mit dem Mix aus Konsumgütern, Verpackung und IT zeigen, wie unterschiedlich dieses Modell aussehen kann.
Trotzdem haftet Konglomeraten oft ein Bewertungsabschlag von 10 bis 30 % an. Die Strukturen sind komplex, Synergien nicht immer klar sichtbar und viele Anleger fürchten versteckte Risiken. Gleichzeitig entstehen aus dieser Vielfalt neue Märkte – etwa Spin-offs, die Werte freisetzen, oder Datenströme, die ganz neue Geschäftsmodelle schaffen. Auch Risiken wie steigende Zinslasten durch Übernahmen oder regulatorische Eingriffe dürfen nicht übersehen werden.
Wie gehst du mit diesem Spannungsfeld um? Wann ist ein Konglomerat ein sicherer Hafen – und wann wird die Vielfalt selbst zum Risiko?
Genau hier lohnt sich ein tieferer Blick. Denn die entscheidenden Signale liegen oft nicht in den Schlagzeilen, sondern in den Details der Cashflows, Strukturen und Strategien. Welche Punkte dabei besonders wichtig sind, schauen wir uns jetzt Schritt für Schritt an.
Diversifikation als Kernlogik
Konglomerate funktionieren wie „Unternehmen im Unternehmen“. Sie bündeln verschiedene Geschäftsmodelle – von Energie über Konsumgüter bis zu Versicherungen – und verteilen Kapital flexibel dorthin, wo die Rendite am höchsten ist. Für dich bedeutet das: Wenn eine Sparte schwächelt, fängt eine andere den Effekt ab, ohne dass das Gesamtunternehmen ins Wanken gerät. Dieses Prinzip übersetzt sich in kontinuierliches Wachstum durch Zinseszinseffekte, das sogenannte Compounding, also den Effekt, dass wiederangelegte Erträge neue Erträge erzeugen.
ITC Limited ist für mich ein Paradebeispiel, wie sich ein ehemaliger Tabak-Champion in ein vielseitiges Wachstumsbündel verwandelt. Zigaretten machen heute weniger als die Hälfte der Umsätze aus, während das Geschäft mit schnellen Konsumgütern Fahrt aufgenommen hat. Marken wie Aashirvaad, Sunfeast und Bingo sind in indischen Haushalten fest verankert, und Körperpflegeprodukte gewinnen sukzessive Marktanteile. Das Spannende: Die Agrarsparte liefert nicht nur Umsatz, sondern versorgt die eigenen Marken mit Rohstoffen, die Papier- und Verpackungssparte bedient interne und externe Kunden, und ITC Infotech bringt margenstarke IT-Dienstleistungen ein.
Diese Verzahnung ist kein Zufall, sondern Strategie. Defensive Cashflows aus Tabak finanzieren den Ausbau von Hotels, Verpackung und IT – genau jene Bereiche, in denen Indien als einer der weltweit dynamischsten Konsummärkte wächst. So spiegelt ITC die Wirtschaft des Landes: stabil, wachstumsstark, zunehmend diversifiziert. Die Folgen: weniger Abhängigkeit von einem einzigen Treiber und mehr Hebel auf verschiedene Nachfragewellen.
Die Float-Maschine als Kapitalquelle
Berkshire ist das Lehrbuchbeispiel, wie man ein Konglomerat orchestriert. Unter Warren Buffett wurde aus einer kriselnden Textilfabrik ein Netz autonomer Unternehmen mit Versicherungen (GEICO, General Re), Energie (Berkshire Hathaway Energy), Transport (BNSF Railway) und zahlreichen Industrie- und Konsumbeteiligungen. Der Clou ist die Struktur: Buffett lässt Manager eigenständig handeln, hält die Zentrale schlank und konzentriert sich auf Kapitalallokation.
Das Herzstück ist der sogenannte Float. Das ist das von Versicherungsprämien stammende Kapital, das Berkshire erhält, bevor es Schäden auszahlt. Dieser ständig verfügbare, in der Regel sehr günstige Kapitalstrom wird investiert – in operative Unternehmen und in ein beachtliches Aktienportfolio von Apple über Coca-Cola bis American Express. Du profitierst damit indirekt von einem Hebel, der in reinen Industrieunternehmen so nicht existiert.
Von der Werkbank zum Software- und IoT-Player
Honeywell zeigt, wie sich ein Industriekonzern in die Zukunft drehen kann. Die vier Segmente – Aerospace, Building Technologies, Performance Materials and Technologies sowie Safety and Productivity Solutions – bedienen Megatrends wie vernetzte Luftfahrt, smarte Gebäude und industrielle Automatisierung. Das Besondere ist die zunehmende Verlagerung hin zu Software und wiederkehrenden Erlösen, also Einnahmen, die regelmäßig anfallen, etwa über Wartung, Lizenzen oder Plattformgebühren.
Dieser Umbau ist kapitalintensiv und sichtbar in den Zahlen. 2024 schossen die Akquisitionen von 718 Mio. auf 8,88 Mrd. US-Dollar nach oben. Insgesamt wurden 14,60 Mrd. Dollar Kapital eingesetzt. Dazu zählen der Zukauf von Carrier Global Access Solutions für 4,95 Mrd. US-Dollar, CAES Systems für 1,90 Mrd., das LNG-Geschäft von Air Products für 1,81 Mrd. sowie Civitanavi Systems für 217 Mio. US-Dollar. Diese Offensive erklärt auch, warum die Amortisation von Goodwill und immateriellen Vermögenswerten von 517 Mio. US-Dollar (2023) auf 798 Mio. US-Dollar (LTM) stieg: Akquisitionen bringen „unsichtbare“ Vermögenswerte wie Kundenlisten oder Technologie, die über mehrere Jahre abgeschrieben werden.
Risiken, die du kennen solltest
Jede Transformation hat ihren Preis, und bei Honeywell zeigt er sich exemplarisch in höheren Zinszahlungen und steigender Verschuldung. Die Cash-Zinsen kletterten von 649 Mio. auf 869 Mio. US-Dollar im Jahr 2024, während die Gesamtverschuldung von 21,54 Mrd. auf 32,23 Mrd. US-Dollar anzog.
Gleichzeitig verschlechterte sich der Lagerumschlag von 4,94 (2020) auf 3,53 (2025), was bedeutet, dass die Bestände heute etwa 103 Tage im System verweilen statt 74 Tage im Jahr 2021. In der Kategorie „Other Operating Activities“ gab es wiederholt negative Cashflows, etwa -2,44 Mrd. US-Dollar im Jahr 2023, was auf Pensionszahlungen, Restrukturierungen oder Einmalposten wie den NARCO-Buyout von 1,33 Mrd. US-Dollar zurückzuführen ist. Für dich ist wichtig: Solche Posten drücken kurzfristig den Cashflow, ohne zwingend die laufende Ertragskraft zu beschädigen – aber sie sind realer Gegenwind, den du bei der Bewertung einpreisen solltest.
Wo zusätzlicher Wert entsteht
Jetzt kommt der Teil, den viele übersehen und der an der Börse oft für Kursreaktionen sorgt. Der in zahlreichen Studien dargelegte Konglomeratsabschlag beschreibt, dass Mischkonzerne am Markt mit einem Bewertungsabschlag von meist 10 bis 30 % gehandelt werden, weil ihre Komplexität Transparenz kostet.
Wenn ein Unternehmen Teile abspaltet – ein Spin-off, also die Verselbstständigung einer Sparte durch Ausgabe neuer Aktien an bestehende Aktionäre –, kann dieser Abschlag zusammenschmelzen. Das setzt Werte frei, die vorher verdeckt waren. Kurzfristig profitieren Investmentbanken, Private-Equity-Fonds und Restrukturierungsberater durch Mandate; mittelfristig können die Einheiten fokussierter arbeiten und höhere Multiples erzielen.
Ein weiterer Zweitrundeneffekt berührt die Automatisierung. Die Industrial-IoT-Offensive von Honeywell zum Beispiel treibt nicht nur neue Produkte, sondern schafft einen Sekundärmarkt für gebrauchte Robotik. Dieser Markt liegt bereits bei rund 500 Mio. Euro jährlich und eröffnet Chancen für Refurbishment-Anbieter, Logistikdienstleister sowie kleinere Fertiger, die günstiger automatisieren können.
Mein Fazit
Wenn du Stabilität und Wachstum kombinieren willst, sind Konglomerate eine ernsthafte Option. Du kaufst mit Berkshire, ITC oder Honeywell kein einzelnes Narrativ, sondern ein Portfolio im Portfolio, abgesichert durch unterschiedliche Cash-Quellen und beschleunigt durch Kapital, das dorthin wandert, wo es am meisten bewirkt.
Wenn du die Mechanik hinter Margen, Cash und Kapitalallokation verstehst und Ereignisse wie Abspaltungen aktiv begleitest, nutzt du nicht nur den Grundpuffer der Vielfalt, sondern hebelst zusätzlich die versteckten Werte. Genau dann verwandelt sich ein scheinbar träger Mischkonzern in eine echte Compounding-Maschine – und das ist die Art von Langfriststory, die Portfolios über Zyklen hinweg tragen kann.
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Henning Lindhoff besitzt Aktien von Berkshire Hathaway. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway.
