Conti-Abspaltung Aumovio-Aktie: Mehr als eine Resterampe

Ein autonomes Auto navigiert ohne Fahrer durch den Großstadtverker
Bild: Aktienwelt360, KI-generiert via Flux

Welches Schicksal steht der Aumovio-Aktie (WKN: AUM0V1) bevor? Die erste große Abspaltung von Continental namens Vitesco hatte nur ein kurzes Leben. Ohne das Cashflow-starke Reifengeschäft an seiner Seite muss für Aumovio auf die Tube drücken, um sich im Wettbewerb zu behaupten und nicht selbst geschluckt zu werden.

Lasst uns daher im Folgenden einmal genauer ansehen, welche Stärken und Potenziale in Auomovio stecken. Und ob es sich lohnen könnte, bei diesem noch ungewohnten Namen beteiligt zu sein. Was aus meiner Sicht dafür spricht und was dagegen, erfahrt ihr hier.

Aumovio im Überblick

Im Kern geht Aumovio auf die 1929 gegründete Vereinigte DEUTA-OTA (VDO) zurück, einem Zusammenschluss zweier Hersteller von Tachometern. VDO kam im Mannesmann-Konzern unter, der später spektakulär zerschlagen wurde. Siemens sah eine Gelegenheit, eine Automobilzulieferer-Sparte aufzubauen. Doch schon wenige Jahre später verlor das Management die Lust daran, weil es nicht zum restlichen Industriegeschäft passte. Continental wiederum hatte große Lust darauf. Die VDO-Übernahme war der Startschuss einer Reihe von Akquisitionen, welche den Reifenkonzern zu einem Technologieführer machten, der zeitweise als Branchenprimus galt.

Jetzt steht Conti wieder wie vor 150 Jahren für Reifen und Gummitechnik. Die Antriebstechnik kam zu Schaeffler, während viele Sachen, die auf VDO und weitere Übernahmen wie der schwedische Automobilsoftware-Spezialist Elektrobit oder die Automobilelektroniksparte von Motorola zurückgehen, nun eigenständig unter dem Dach von Aumovio laufen. Dazu gehören insbesondere:

  • Innenraumtechnik wie Displays, Bedienelemente und Audio
  • Komponenten und Lösungen für Assistenzsysteme und Autonomie, darunter Sensorik, Steuergeräte, Kameras, Vernetzung und Software

Mit rund 86.000 Mitarbeitern an über 100 Standorten und einem Umsatz im Bereich von 20 Mrd. Euro gehört Aumovio noch immer zu den 20 größten unter den Automobilzulieferern weltweit.

Was für die Aumovio-Aktie spricht

Die Positionierung als „Adaptive Powerhouse for Future Mobility“ klingt attraktiv. Aumovio ist ein frischer Name, der altbackene Traditionen abschütteln will. Stattdessen will man mit Innovationen und Kundenorientierung glänzen und ein Gestalter der Mobilitätsbranche sein. Dieser Anspruch wird auch schön durch einige spannenden Innovationen, Initiativen und Geschäftsbereiche untermauert.

Besonders gut finde ich, wie Aumovio seine Kompetenz in Sachen Vernetzung, Hard- und Software ausspielt. Das kommt bei der kürzlich vorgestellten „Road to Cloud“-Plattform für softwaredefinierte Fahrzeuge schön heraus. Automobilhersteller erhalten damit vieles aus einer Hand, was viel Entwicklungszeit einsparen kann. Die Plattform umfasst standardisierte Betriebssysteme, Middleware, Over-the-Air-Updates und Cybersecurity.

Überhaupt scheinen Plattform-orientierte Geschäftsmodelle mehr Gewicht zu bekommen. So findet sich zum Beispiel auch ein Reiseassistent, der ein Partner-Ökosystem integriert und den Insassen jede Menge Mehrwert bieten soll. Auch das skalierbare, modulare System Xelve, das Hardware und Software für automatisiertes Fahren umfasst, geht in diese Richtung.

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Die Fähigkeit, unterschiedliche Technologien zu leistungsfähigen Lösungen zu verknüpfen, zeigt sich auch bei der KI-gestützten Nachtsichtkamera. Und um nicht völlig vom Automobilmarkt abhängig zu sein, gibt es wegweisende Lösungen für Zweiräder und autonome mobile Roboter für den Einsatz in der Intralogistik.

All das scheint gute Potenziale zu bergen. Aumovio kann damit voraussichtlich den Wertanteil je Auto steigern, wodurch Wachstum selbst dann möglich ist, wenn der Autoabsatz stagniert. Zudem hat Continental dem Unternehmen eine gut gefüllte Auftragsbuch und eine starke Bilanz mitgegeben. Mit 1,5 Mrd. Euro Nettoliquidität verfügt die schuldenfreie Aumovio über viel Optionalität, um Chancen wahrzunehmen.

Warum ich noch zögere, Aumovio-Aktien zu kaufen

Ich sehe mehrere Gründe, um hier vielleicht besser erst einmal abzuwarten, angefangen bei der Strategie. Dort sagt das Management zwar, dass man im Hinblick auf die Verselbständigung ein umfangreiches Strategieprogramm ausgearbeitet habe. Aber die Kernpunkte davon lesen sich für mich wie Plattitüden:

  • Verstärkter Fokus auf Geschäftsbereiche, wo man zu den Top 3 gehört,
  • mehr Innovation,
  • mehr operative Exzellenz und
  • langfristige Werte für die Aktionäre schaffen.

Ich erkenne dort nichts Neues oder Differenziertes. Es ist das, was alle Automobilzulieferer wollen.

Das Geschäftsfeld User Experience (UX) gehört zwar zu den führenden Anbietern für Displaylösungen und Head-up-Displays. Und es glänzt auch immer wieder mit interessanten Innovationen. Dennoch dürfte es schwierig sein, sich dauerhaft gegenüber der asiatischen Konkurrenz zu behaupten. Koreanische und chinesische Anbieter beherrschen das globale Display-Geschäft und üben auch im Automobilbereich großen Preisdruck aus. Continental wird versuchen, seine Integrationskompetenz auszuspielen und maßgeschneiderte Lösungen zu bieten. Aber so richtig große Potenziale sehe ich dort nicht für Aumovio.

Insgesamt gefällt mir die Aufteilung der Geschäftsbereiche nicht. Jedes Segment hat offenbar Anteile an Assistenzsystemen (ADAS). Bei UX sind es die Displays, bei Safety and Motion (SAM) die Bremssysteme, bei Architecture and Network Solutions (ANS) die Vernetzung und bei Autonomous Mobility (AM) eben die Lösungen für die Fahrzeugautonomie. Folglich haben wir vier Silos und keinen klarer „Owner“ für ADAS. Es ist absehbar, dass es mit dieser Struktur zu Redundanzen oder inkonsistenter Entwicklung kommt. Besser fände ich einen klaren Technologie-Stack, wie man es im Softwarebereich kennt. Aumovio versucht es mit einer bereichsübergreifenden Einheit namens Operations and Technology. Ob das so funktioniert, muss man sehen.

Als letzten Punkt will ich noch darauf verweisen, dass Aumovio im Juni primär normalisierte Profitkennzahlen nannte. Ein bereinigtes EBIT von 0,5 Mrd. Euro klingt nett – aber was bedeutet das unter dem Strich? Ich vermute, nichts Gutes. Denn neben ordentlichen Abschreibungen und dem einmaligen Aufwand für die Abspaltung belasten dort auch Restrukturierungsaufwendungen. Und letztere dürften sich noch einige Jahre hinziehen. Langfristig soll dann eine bereinigte EBIT-Marge von 6 bis 8 % herausspringen, was dann vielleicht 1,5 bis 2,0 Mrd. Euro entspricht.

Mein Fazit

Aumovio versammelt einige spannende Technologien unter einem Dach und kann damit viel aus einer Hand liefern – und das weltweit. Während auf Basis von einzelnen Komponenten enorm hoher Konkurrenzdruck herrscht, könnte diese Integrationskompetenz und die zunehmende Bedeutung von Plattformen den Unterschied machen. Fahrzeugautonomie und das softwaredefinierte Auto, das sind zwei aussichtsreiche Themen, wo diese Fähigkeiten gefragt sind.

Zwar gibt es einiges, was mich zögern lässt, hier sofort zuzugreifen. Aber ein Jahresumsatz von künftig über 20 Mrd. Euro und die Chance auf profitables Wachstum sind verlockend, wenn man die Marktkapitalisierung von unter 4 Mrd. Euro betrachtet. Entscheidend für mich ist, dass das Zusammenspiel der Segmente reibungslos funktioniert und die angestrebte dynamische Unternehmenskultur sichtbar wird. Wenn das gegeben ist, könnte daraus eine richtig interessante Tech-Aktie werden.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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