Greg Abels 15-Millionen-Wette: Weiß er mehr als der Markt?

Seit fast 59 Jahren hat Berkshire Hathaway WKN: 854075) keinen einzigen Cent Dividende gezahlt. Den letzten Scheck über magere 10 Cent gab es 1967 – und Warren Buffett behauptet bis heute, er müsse wohl gerade auf der Toilette gewesen sein, als der Vorstand diesen „schrecklichen Fehler“ beging. Seither ist klar: Bei Berkshire bleibt das Geld im Haus, damit es sich dort schneller vermehren kann als auf deinem Konto.
Der 78-Milliarden-Dollar-Staubsauger
In den vergangenen sieben Jahren hat das Management fast 78 Mrd. US-Dollar in eigene Aktien investiert. Das hat über 10 % aller ausstehenden Anteile schlicht vom Markt gefegt. Für mich ist das die ehrlichere Form der Gewinnbeteiligung, da mein Stück vom Kuchen automatisch wächst.
Besonders das Jahr 2021 sticht mit einem Rekord-Rückkauf von 27 Mrd. Dollar hervor. Damals lag die rechnerische Buyback-Rendite bei stolzen 4,4 %. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 bremste das Unternehmen auf 0,3 % ab, weil die Kurse davoneilten. Jetzt, im Frühjahr 2026, nimmt Greg Abel den Fuß von der Bremse und kauft wieder zu.
Die Mathematik der „selbstgemachten Dividende“
Buffett erklärte bereits 2012 in seinem legendären Aktionärsbrief, warum er klassische Ausschüttungen für Zeitverschwendung hält. Er schlug stattdessen vor: Wer Bargeld benötigt, verkauft einfach jährlich 3,2 % seiner Anteile. In seinem Rechenbeispiel bleibt der Investor bei einem Kurs von 125 % des Buchwertes am Ende reicher als mit einer Dividende. Der Grund ist simpel: Wer Anteile verkauft, zahlt nur Steuern auf den Gewinnanteil, während Dividenden sofort und in voller Höhe vom Fiskus rasiert werden.
Für uns Anleger bedeutet das eine massive Steuerstundung. Während deutsche Sparer bei jeder Quartalsdividende 25 % plus Solidaritätszuschlag abgeben, arbeitet das Kapital bei Berkshire ungestört weiter. Ich bestimme selbst den Zeitpunkt meiner „Ausschüttung“, indem ich auf den Verkaufsknopf drücke. Dieser stille Renditehebel hat Berkshire seit Buffetts Übernahme eine Durchschnittsrendite von 20 % pro Jahr beschert – doppelt so viel wie dem S&P 500.
Aktuell notiert die Aktie bei rund 498 Dollar, was optisch teuer wirkt, aber täuscht. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) ist zuletzt von 1,6 auf unter 1,5 gesunken. Während der Kurs seit einem Jahr stagniert, wächst das operative Fleisch am Knochen stetig weiter. Die Eisenbahnsparte BNSF steigerte ihre operativen Ergebnisse um 9 %, während der Energieriese BHE um 7 % zulegte. Das Unternehmen wird also wertvoller, während die Börse den Preis nicht nachzieht.
Greg Abels 15-Millionen-Wette
Greg Abel tritt in riesige Fußstapfen, aber er fängt bereits an, das riesige Cash-Problem zu lösen. Mit rund 373 Mrd. Dollar auf dem Konto war Berkshire zuletzt fast schon gelähmt. Abel zeigt nun kulturelles Rückgrat: Er investiert sein eigenes Nettojahresgehalt von 15 Mio. Dollar direkt in die A-Aktien. Das zeigt, dass der neue Chef an die Unterbewertung glaubt.
Abel adressiert proaktiv die zwei größten Sorgen der Anleger: den riesigen Geldberg und die fehlenden Rückkäufe. Dass er die Buybacks 2026 wieder aufnimmt, ist ein Vertrauensbeweis in die eigene Strategie. Er beweist damit, dass er bereit ist, Kapital aktiv zu steuern, statt es nur auf Staatsanleihen schimmeln zu lassen. Das verringert das Risiko, dass Berkshire nach der Ära Buffett an Glanz verliert.
Dennoch bleibt ein Restrisiko
Schafft Abel es, die „Qualitätsprämie“ der Aktie zu halten? Bisher hielt ich Berkshire die Treue, weil Buffett als unfehlbares Symbol gilt. Wenn die Aktie unter Abel drei Jahre lang nur seitwärts läuft, könnte der Geduldsfaden vieler Investoren reißen. Er muss beweisen, dass er Milliarden-Zukäufe tätigen kann, die synergetisch wirken – so wie einst Geico oder BNSF.
Sollte er das Kapital in weniger rentable Projekte stecken, wird der Markt Berkshire wie einen gewöhnlichen Indexfonds bewerten. Doch die operative Stärke der Kerngeschäfte wie Versicherungen und Infrastruktur ist so massiv, dass ich dieses Risiko für beherrschbar halte. Berkshire bleibt eine Festung, die keine Dividenden braucht, um Aktionäre reich zu machen.
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Henning Lindhoff besitzt Aktien von Berkshire Hathaway. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway.
