Netflix versucht sein größtes Problem gerade mit 83 Mrd. US-Dollar zu lösen

Logo des Streaming-Anbieters Netflix auf einem Fernseher, im Vordergrund eine Tasse
Foto: John-Mark Smith via Pexels

Du hast es vermutlich mitbekommen: Netflix (WKN: 552484) plant, für rund 83 Mrd. US-Dollar Warner Bros. Discovery zu kaufen. Die beiden Unternehmen haben bereits eine konkrete Vereinbarung unterzeichnet. Jetzt geht es noch in Richtung der Kartellbehörden und dann könnte Vollzug gemeldet werden. So zumindest die Theorie.

Dass Netflix für Warner Bros. Discovery 83 Mrd. US-Dollar zahlt, ist aber so nicht ganz richtig. An reinen Mitteln fließen wohl ca. 72 Mrd. US-Dollar. Wobei es auch hier einen Mix aus Bargeld und Netflix-Aktien geben soll. Den Rest nimmt der Streaming-Pionier auf, indem er die Schulden mit übernimmt; das ist ebenfalls Teil der Vereinbarung.

Zukünftig gehören daher Hits wie Friends, Game of Thrones oder auch Harry Potter zu Netflix. Wobei es durchaus sein kann, dass der Content gar nicht so relevant gewesen ist. Denn der Plan sieht vor allem vor, die Rechte an HBO Max zu erwerben. Damit könnte der Streaming-Platzhirsch seine Wettbewerbsposition bedeutend erweitern und einen Multi-Brand-Ansatz verfolgen. Vielleicht auch bundlen. Man wird es sehen.

Es zeigt mir jedenfalls, dass Netflix eines versucht: sein größtes Problem mit 83 Mrd. US-Dollar zu lösen. Ob das gelingt, ist jedoch fraglich. Der Einsatz hingegen hoch, die Perspektive ungewiss.

Netflix: Das größte Problem

Natürlich ist Netflix in den vergangenen Quartalen weiterhin sehr erfolgreich gewesen. Und das auch allein: Der Umsatz wuchs beispielsweise im dritten Quartal um 17 % auf 11,51 Mrd. US-Dollar. Mit einem Ergebnis je Aktie in Höhe von 5,87 US-Dollar schreibt der Streaming-Konzern auch schwarze Zahlen. Aber das Wachstum hängt vor allem damit zusammen, welchen Content der US-Konzern herausbringen kann.

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Für mich persönlich ist seit geraumer Zeit das größte Problem, dass Netflix noch keine Historie hat. Keine Historie, in der eine Vielzahl beliebter Formate aufgebaut worden ist. So wie eben Warner Bros. mit Time Warner, das von Bugs Bunny bis Harry Potter oder Game of Thrones sehr viele erfolgreiche Franchises hervorgebracht hat. Auch Walt Disney besitzt diese Historie. Mit Star Wars und anderen beliebten Highlights sehe ich hier sogar einen stärkeren Markenkern.

Nun möchte Netflix dieses Thema offenbar beenden, indem man mit einer Handvoll Geld um sich wirft. Es könnte aufgehen: Denn mit 83 Mrd. US-Dollar kauft man eben nicht nur einen anderen Brand. Sondern hat zugleich auch Paramount ausgestochen und kann die eigene Content-Bibliothek aufstocken. Der Schritt erfolgt zu einem spannenden Zeitpunkt: Denn mit Squid Game und dem gerade anlaufenden Serienfinale von Stranger Things verliert der Pionier zwei seiner beliebten Formate. Beziehungsweise: wird sich überlegen müssen, wie man diese Zugpferde weiter reitet.

Der Einsatz ist sehr hoch, der Erfolg nicht garantiert!

Dennoch bin ich ein wenig skeptisch, was die Strategie von Netflix angeht. Versteh‘ mich nicht falsch. Ich glaube auch, dass Content die Währung ist, um den Streaming-Krieg zu gewinnen. Aber wenn ich überlege, was Netflix mit 83 Mrd. US-Dollar anstellen könnte, um sich im Streaming-Krieg zu behaupten, werde ich skeptisch. Zum Vergleich: Die gesamte fünfte Staffel von Stranger Things hat Netflix wohl 480 Mio. US-Dollar gekostet. Bedeutet, dass man fast 173 gleich teure Staffeln produzieren könnte. Wobei Stranger Things eine gewachsene Serie mit einem Hype, anspruchsvollem Cast und entsprechend hohen Kosten gewesen ist.

Der Einsatz ist mir an dieser Stelle einfach zu hoch. Er steht zudem in keinem Verhältnis zu den bisherigen Erfolgen: Bei einem freien Cashflow von 2,66 Mrd. US-Dollar im Q3 benötigt man zum jetzigen Stand ca. acht Jahre, um den Deal zu bezahlen. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt außerdem bei 425 Mrd. US-Dollar. Netflix müsste bei einem primären Aktiendeal daher seinen Bestand um ca. 20 % verwässern. Auch das ist alles andere als gering. Für uns als Investoren steht daher sehr viel auf dem Spiel.

Zumal der Content nicht alles ist. Netflix wird sich zukünftig als Multi-Brand-Anbieter behaupten müssen. Auch die Assets um HBO Max verdienen Pflege. Ob der Streaming-Pionier das kann? Bleibt abzuwarten. Oder zu hoffen: Denn mit 83 Mrd. US-Dollar als Einsatz steht wirklich sehr viel auf dem Spiel.

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