Fraport: Der Turnaround-Punkt ist erreicht

Frankfurt Airport (Fraport), davor steht ein Lufthansa Airbus LH A319-100 beim Pushback bei Nacht
Bild: Fraport

Seit der Corona-Krise kämpft Fraport (WKN: 577330) mit riesigen Investitionen und negativen Cashflows. Hinzu kommt die Streichung der Dividende, die seit 2020 anhält. Vom Allzeithoch nahe 100 Euro je Anteilsschein ist man, trotz zwischenzeitlicher Kurserholung, immer noch ein gutes Stück entfernt (Stand: 14.01.26, maßgeblich für alle Angaben).

Trotzdem, oder genau deswegen, denke ich, dass die Fraport-Aktie jetzt an einem wichtigen Wendepunkt angekommen ist. Operativ und auch sonst tut sich gegenwärtig viel bei den Hessen. Im folgenden Artikel möchte ich auf die jüngsten Erfolge des Unternehmens eingehen und meine persönliche Einschätzung abgeben, ob ich die Aktie von Fraport als attraktives, langfristiges Investment ansehe.

Das Geschäftsmodell von Fraport

Fraport ist im Kern ein Flughafenbetreiber – vor allem des riesigen Hubs in Frankfurt – und verdient sein Geld als globaler Infrastruktur- und Serviceanbieter. Das Geschäftsmodell basiert auf vier zentralen Segmenten:

  • Im Aviation-Bereich kassiert das Unternehmen Gebühren von Airlines für Starts, Landungen, Passagiere und Sicherheitsdienste.
  • Im Segment Retail & Real Estate erzielt Fraport hohe Margen durch die Vermietung von Shops, Restaurants, Duty-Free-Flächen, Parkplätzen und Büros – je voller der Flughafen, desto besser.
  • Das Segment Ground Handling umfasst die Abfertigung am Boden, beispielsweise die Gepäckverladung, Enteisung, Betankung und das Schleppen von Flugzeugen für die Airlines.
  • Schließlich steuert das Segment „International Activities & Services” Beteiligungen und den Betrieb an rund 30 Flughäfen weltweit bei, etwa in Lima, Antalya oder Griechenland, wo Fraport Konzessionsgebühren oder Gewinnanteile einstreicht.

Warum jetzt der Turnaround-Punkt erreicht ist

Das Unternehmen und auch der Aktienkurs standen in den letzten Jahren vornehmlich wegen hoher Investitionen unter Druck. Große Investitionen, vor allem in den Ausbau des neuen Terminals 3 in Frankfurt, standen im Fokus des Managements. Der Großteil dieser Kapitalinvestitionen sind nun abgeschlossen und das neue Terminal am Frankfurter Flughafen soll am 23. April 2026 seine Pforten für Besucher öffnen. Auch die Investitionen an den Flughäfen in Lima und Antalya sind weit vorangeschritten bzw. abgeschlossen.

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Folgerichtig ist der freie Cashflow wieder in den positiven Bereich gedreht und fiel auf Sicht der ersten neun Monate im Geschäftsjahr 2025 mit 48,2 Mio. Euro deutlich besser aus als im Vorjahr (-318,1 Mio. Euro). Durch die Wachstumsinitiativen konnten im gleichen Zeitraum an allen betriebenen Standorten Zuwächse in den Verkehrszahlen (Passagiere) verbucht werden. Dabei bleibt der Frankfurter Flughafen mit bisher ca. 47,5 Mio. Passagieren und einem 100%igen Anteil der wichtigste Standort für Fraport. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet das Management allein an Frankfurt rund 63 Mio. Passagiere, was einem Wachstum von 2,27 % gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Die anderen Standorte haben entweder bedeutend weniger Passagierzahlen oder sind nicht zu 100 % im Eigentum von Fraport.

Ich denke, dass der sukzessive Abschluss der großen Investitionen nachhaltig zu höheren Passagierzahlen führen wird. Und nicht nur das, durch die Modernisierung und effizientere Flächennutzung der Terminals (insbesondere Terminal 3 in Frankfurt), gehe ich davon aus, dass das Umsatz- und Margenpotenzial signifikant verbessert werden kann.

Bewertung der Fraport-Aktie und Dividende

Auf Basis des geschätzten Gewinns je Aktie für 2025 in Höhe von 4,74 Euro ergibt sich im Moment ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 15,2. Betrachtet man den langjährigen Durchschnitt dieser Kennzahl (20 Jahre), stellt man fest, dass man die Fraport-Aktie aktuell deutlich unter diesem Wert (22,42) erstehen kann.

Hinzu kommt, dass Fraport vor Kurzem bekanntgegeben hat, die Dividendenzahlung nach sechs Jahren Abstinenz wieder aufzunehmen. Der Vorstand wird den Aktionären auf der Hauptversammlung 2026 für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende in Höhe von 1 Euro je Aktie vorschlagen. Auf Basis des aktuellen Kurses würde dies einer Dividendenrendite in Höhe von 1,39 % entsprechen. Nicht allzu viel, aber immerhin wieder etwas.

Eine solide Bilanz rundet die Geschichte ab. Alle kurzfristigen Schulden können derzeit von den liquiden Mitteln problemlos gedeckt werden.

Was ich von der Fraport-Aktie halte

Ihren absoluten Kurs-Höhepunkt hatte die Fraport-Aktie im Jahr 2018 mit rund 95 Euro je Aktie. Das Geschäftsjahr 2017 schloss die Gesellschaft damals mit 2,93 Mrd. Euro Umsatz und 330 Mio. Euro Gewinn (3,56 Euro je Aktie) ab. Zum Vergleich: In den 9M 2025 hat Fraport bereits 3,34 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet und ein Gesamtergebnis in Höhe von 327 Mio. Euro erzielt. Die Aktie steht heute allerdings bei ca. 72 Euro je Stück.

Diese Diskrepanz in den Zahlen bedeutet für mich auf der einen Seite vornehmlich, dass der Markt streckenweise das Vertrauen zu dem Unternehmen verloren hat. Der Corona-Crash, hohe Investitionen, eine gestrichene Dividende. Anleger mussten in den letzten Jahren viel schlucken. Auf der anderen Seite sehe ich diese Verzerrung als Chance für langfristig orientierte Anleger.

Immerhin startet Fraport genau jetzt nach Abschluss der großen Investitionen durch und kündigt auch wieder eine Dividende an. Wenn das Unternehmen wieder in die Wachstumsspur von vor Corona findet (13 bis 18 % Umsatzwachstum), könnte hier eine attraktive Chance lauern. Zumindest für all diejenigen Anleger, die an die Story glauben.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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