Schaeffler-Aktie: Von der Dividendenfalle zu einer der coolsten Aktien aus Deutschland

Solch einen Wandel gibt es selten in Deutschland. Meistens ist doch eher davon die Rede, dass die einheimischen Unternehmen von der ausländischen Konkurrenz, insbesondere aus China und den USA, abgehängt werden. Dass wir den Anschluss verlieren. Wer sich nicht so genau mit Schaeffler (WKN: SHA010) beschäftigt hat, ist vielleicht auch dort der Meinung, dass das Unternehmen in diese Kategorie gehört.

Alte Industrie, abgehängt – und der Kursverlauf der Aktie gab ihnen recht.

Manche verbinden das Unternehmen mit dem klassischen Wälzlager, das Schaeffler groß gemacht hat. Das Vorgängerunternehmen Kugelfischer hat schließlich im 19. Jahrhundert die perfekt gerundete Gussstahlkugel erfunden. Andere sehen in Schaeffler einen der vielen schwerfälligen Autozulieferer, die derzeit in Schwierigkeiten stecken.

Dass das Unternehmen in Familienhand ist und das Shareholder‑Value‑Konzept etwas anders interpretiert, kommt noch hinzu. Jahrelang lastete das Image der Altbackenheit auf dem Aktienkurs. Doch was viele nicht realisiert haben, ist, wie stark sich der Konzern unter der Haube verändert hat. Selbst nach dem jüngsten Kursanstieg bleibt somit für die Schaeffler-Aktie noch jede Menge Aufwärtspotenzial.

Von der rückwärtsgewandten Dividendenfalle zum Gestalter der Zukunft

Über fast eine Dekade hinweg galt die Schaeffler‑Aktie als Paradebeispiel einer Dividendenfalle. Zwischen 2016 und 2025 lockte der Konzern zwar zeitweise mit zweistelligen Renditen, doch der Aktienkurs kannte nur eine Richtung: nach unten. Selbst Anleger, die ihre Dividenden konsequent reinvestierten, mussten lange Zeit zusehen, wie ihr Investment im Minus verharrte. Auch wer – wie ich – deutlich günstiger als beim Börsengang 2015 eingestiegen war, fand wenig Anlass zur Freude.

Die Börse ignorierte Schaeffler zunehmend, und im April 2025, kurz nach der vollzogenen Fusion mit der ehemaligen Continental‑Sparte Vitesco, erreichte diese Gleichgültigkeit ihren Höhepunkt (oder Tiefpunkt?). Während die Unternehmensleitung um CEO Klaus Rosenfeld und die Schaeffler-Familie von einer neuen Ära sprachen, die Aktionärsstruktur modernisierten und ein großes Innovations- und Effizienzprogramm ankündigten, wandte sich das abgestumpfte Börsenpublikum weiter von der Schaeffler-Aktie ab.

Doch die Skepsis erwies sich als Fehleinschätzung. Hinter den Kulissen hatte Schaeffler jahrelang an einem tiefgreifenden Umbau gearbeitet, der nun sichtbar wird. Die traditionellen Kernprodukte – Wälzlager, Kupplungen, mechanische Antriebstechnik – bleiben zwar Teil des Portfolios, doch sie definieren das Unternehmen nicht mehr. Stattdessen rücken Zukunftsfelder in den Mittelpunkt, die Schaeffler zu einem breit aufgestellten Technologieanbieter transformieren.

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Mit der Schaeffler-Aktie setzen Anleger auf starke Trends

Mit der Integration von Vitesco stärkt der Konzern seine Position in der Elektrifizierung, insbesondere bei Leistungselektronik, E‑Achsen und Energiemanagementsystemen, wo das Unternehmen zur globalen Spitzengruppe gehört. Parallel baut Schaeffler seine Kompetenzen in Automatisierung und Robotik massiv aus: Die Übernahme der schwedischen Ewellix‑Gruppe erweitert das Know‑how in der Lineartechnik, während Melior Motion hochpräzise Getriebelösungen für Industrieroboter beisteuert – ein Segment mit strukturellem Wachstum über viele Jahre.

Besonders interessant dabei ist, dass Schaeffler gezielt die Entwicklungspartnerschaft mit Herstellern von humanoiden Robotern und Cobots sucht und gleichzeitig ein industrielles Testumfeld bereitstellt. In den eigenen Werken soll eine schnell wachsende Zahl an mechanischen Helferlein zum Einsatz kommen. An dieser Stelle wird klar: Die Begeisterung für Elektrifizierung, Automatisierung und Roboter teilt das Unternehmen mit Elon Musk. Anders schaut es bei der nächsten Wachstumshoffnung aus.

Hinzu kommen nämlich auch ambitionierte Aktivitäten im Bereich Wasserstoff, wo Schaeffler sowohl Komponenten für Elektrolyseure als auch für Brennstoffzellen entwickelt und ein wachsendes Ökosystem aufgebaut hat. Die Wasserstoffwirtschaft war wie die Schaeffler-Aktie in den vergangenen Jahren eine große Enttäuschung. Doch nun ist absehbar, dass die Wachstumsdynamik mit langer Verzögerung doch noch einsetzt – und Schaeffler ist gut aufgestellt, um daran zu partizipieren.

Obwohl Elektrifizierung, Automatisierung und Wasserstoff bedeutende Wachstumspotenziale bieten, waren es wohl nicht diese Themen, welche das frische Interesse an der Schaeffler-Aktie geweckt haben. Nein, es war die Ankündigung des Managements, dass Schaeffler seine umfassende Industriekompetenz einsetzen wird, um die einheimische Rüstungsindustrie auf Vordermann zu bringen. Daraus könnte eine bedeutende und margenstarke Umsatzsäule werden. Zumal Schaeffler auch über einen starken Spezialmaschinenbau verfügt, der den Aufbau von Produktionskapazitäten bei Rüstungsunternehmen unterstützen kann.

So entsteht aus einem lange unterschätzten Zulieferer ein diversifizierter Innovator, der nicht mehr nur auf den klassischen Automobilzyklus angewiesen ist. Der Wandel ist real – und die Börse beginnt erst langsam zu begreifen, welches Potenzial in der neu erfundenen Schaeffler-Gruppe steckt.

Darum gibt es auch nach der Kursverdopplung noch viel Luft nach oben

Auch über 10 Jahre nach dem Börsengang notiert die Schaeffler-Aktie noch immer unterhalb des Ausgabekurses von 12,50 Euro. Dabei hat das Unternehmen zwischenzeitlich seine Schulden zurückgeführt und operativ großartige Fortschritte gemacht. Selbst die guten alten Wälzlager könnten noch zum Wachstumsmotor werden, da Schaeffler bei Großlagern für Windturbinen zu den technisch führenden Unternehmen gehört und sich zunehmend als Systempartner positioniert.

Bei der Marktkapitalisierung hat die Schaeffler-Aktie in diesen Tagen die Marke von 10 Mrd. Euro überwunden. Dem steht ein Umsatz gegenüber, der schon mittelfristig bei über 30 Mrd. Euro liegen dürfte. In einem freundlichen Marktumfeld sollte das Unternehmen – wie bereits in früheren Jahren – operative Margen von über 10 % erzielen können.

Dann sprechen wir von einem EBIT von 3 Mrd. Euro oder mehr, wovon geschätzt rund 2 Mrd. Euro als Nettogewinn verbleiben. Damit würde viel Spielraum bestehen, um die Dividende kräftig anzuheben und gleichzeitig in die Stärkung der aussichtsreichsten Geschäftsbereiche zu investieren. Aus der vermeintlichen Dividendenfalle wird auf diese Weise ein Sprungbrett, das Kurssteigerungen und attraktive Ausschüttungen kombiniert.

 

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Ralf Anders besitzt Aktien von Schaeffler. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Schaeffler.



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