Novo Nordisk: Wunderpille vs. Umsatzrückgang

Ein Thermometer liegt auf einem Berg an Medikamenten, Arzneien und Pillen.
Foto: Pixabay via Pexels

Die Aktie von Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) hat zuletzt stark am Turnaround gearbeitet. Seit Jahresstart notiert die Aktie bereits 20 % im Plus. Das hat wiederum einen konkreten Hintergrund: Mit Wegovy in Tablettenform gibt es einen neuen Hoffnungsträger, der die Aktie zum Turnaround führen soll.

Trotzdem bleibt die Ausgangslage verhalten. Denn der Aktienkurs von etwa 53 Euro liegt weit weg vom Rekordhoch. Als die Aktie von Novo Nordisk über 130 Euro notierte, war zugegebenermaßen das Wachstum etwas intakter. Auch das bleibt heute jedoch eine große Sorge. Vielleicht gerade jetzt. Denn die Wunderpille könnte womöglich keinen Umsatzrückgang abwenden.

Ordnen wir daher die neuesten Schlagzeilen in eine etwas größere Perspektive ein. Es sind bewegende Zeiten für den dänischen Pharma- und Diabeteskonzern.

Novo Nordisk: Die Wunderpille kommt gut an!

Es ist natürlich noch bedeutend zu früh, um ein Fazit zu Novo Nordisk und dessen Abnehmpille Wegovy zu ziehen. Aber die erste Indikation zeigt, dass es sich hierbei um ein Mittel handelt, das überaus beliebt ist. Zur Erinnerung: Der Verkaufsstart erfolgte vor wenigen Tagen. Der Gewichtsverlust lag bei rund 16,6 % in der höchsten Dosis. Im Vergleich zu Eli Lilly kann Novo Nordisk mit einer frühen Markteinführung punkten und sich erst einmal Marktanteile sichern.

Nun zu den Daten: Novo Nordisk konnte zuletzt bereits zeigen, dass etwa 1,3 % aller neuen Rezepte die Abnehmtablette betreffen. Das ist für eine gute Handvoll Tage ein besonderer Erfolg. Denn es zeigt, dass viele Patienten lieber nicht spritzen wollen. Rund 70.000 Rezepte seien dabei ausgestellt worden. In der Einstiegsvariante mit 1,5 Milligramm (mg) kostet das Produkt 149 US-Dollar für Selbstzahler. Bis zum April kosten auch höhere Dosierungen 149 US-Dollar. Der Preis für die Nicht-Einsteigervarianten steigt danach auf bis zu 499 US-Dollar pro Monat. Die Preise steigen, wenn jemand mehr Semaglutid pro Tablette einnehmen möchte.

Wichtig ist für den Moment: Novo Nordisk erzielt gegenwärtig einen First-Mover-Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz. Entscheidend wird es sein, dass das Unternehmen diesen Vorteil gerade jetzt ausspielt und sich Marktanteile von Wettbewerbern wie Eli Lilly sichert. Der Konkurrent dürfte sein Produkt erst in einigen Monaten auf den Markt bringen. Wenn man durch die frühe „Therapie-Revolution“ daher jetzt den Markt stärker auf sich konzentriert, könnte das das zukünftige Wachstum auslösen. Bedenke: Adipositas dürfte kein Markt sein, bei dem es Patienten primär auf 1 oder 2 % Gewichtsreduktion ankommt. Da es eher ein ästhetisches Gesundheitsziel anspricht, dürfte die Verabreichungsform alles andere als unwesentlich sein.

Aktienwelt360 Aktienkompass

+99,47%

Benchmark

+76,76%

Aktienwelt360 Aktienkompass

+99,47%

Benchmark

+76,76%

Ein Umsatzrückgang?!

Die zweite spannende Nachricht ist hingegen deutlich negativer. Novo Nordisk könnte demnach vor einem Umsatzrückgang stehen. Das erwarten zumindest Analysten der Bank JPMorgan. Laut deren Annahmen führen die niedrigeren Preise  im US-Markt zu weniger Erlösen. Die Erfolge rund um Wegovy und Ozempic und auch ein höherer Absatz durch niedrigere Preise würden nicht zur Kompensation führen. Das mag sein. Aber wir sollten etwas differenzierter denken.

Novo Nordisk kannibalisiert in Teilen sein eigenes Geschäft selbst. Wegovy in der oralen Variante wird mit Sicherheit dazu führen, dass Wegovy in der Spritzenform von einigen Verbrauchern fallen gelassen wird. Das ist bei Produktinnovationen immer so. Genauso, wie Novo Nordisk stets eher rückläufige Umsätze sieht, wenn ein älteres Medikament eine neuere Version bekommt. Als Ozempic kam, erreichten die Umsätze von Victoza ebenfalls ihren Peak und gingen danach leicht zurück. Das gehört zum Pharma-Geschäft einfach dazu und wird auch bei zukünftigen Produktneuerungen stets der Fall sein.

Wichtig ist jetzt, dass wir bei Novo Nordisk aber den längerfristigen Fokus wahren. Es gilt, nicht maximal über den Preis ein Wachstum zu erreichen. Selbst wenn die Umsätze jetzt zurückgehen sollten: Es bleibt wichtiger, dass man möglichst viele Patienten von dem eigenen Abnehmprodukt überzeugt. Mit einem hohen Marktanteil und einem voraussichtlichen Marktvolumen von über 100 Mrd. US-Dollar im Diabetes-Markt haben die Dänen jetzt als einzige früh die Chance, sich breit zu positionieren. Diese Karten gilt es richtig auszuspielen.

Novo Nordisk: Kurzfristig ist viel möglich!

Um daher zu einem Fazit zu kommen: Bei Novo Nordisk ist eine Menge los. Es ist viel möglich. Ein leichter Umsatzrückgang erscheint zumindest nicht ausgeschlossen. Die niedrigeren Preise sind kurzfristig ein Belastungsfaktor, den man kaum kompensieren kann. Aber im Hintergrund arbeitet das Management daran, ein neues Produkt sehr breit in einem Multi-Milliarden-Dollar-Markt zu etablieren. Das ist die eigentliche positive Nachricht.

Ich persönlich konzentriere mich daher auf die Chance durch Wegovy als Abnehmpille. Denn ich glaube, dass mit dieser Verabreichungsform sehr viel Wachstum möglich ist. Bei einem Aktienkurs von rund 390 Dänischen Kronen ist die fundamentale Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 und 3 % Dividendenrendite jedenfalls weiterhin moderat. Auch das gehört zum Gesamtpaket aktuell dazu.

Der einzige Börsenausblick, den du für 2026 lesen musst

2025 war ein verrücktes Börsenjahr. Viel wurde vom nächsten Crash gesprochen, doch passiert ist letztlich wenig.

In unserem kostenlosen Sonderbericht blicken unsere Analysten hinter die Kulissen, ordnen die großen Trends ein und zeigen dir, mit welchem eindeutigem Kriterium du auch 2026 die besten Aktien erkennen wirst.

Gratis-Report kostenlos anfordern

Vincent besitzt Aktien von Novo Nordisk. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Novo Nordisk.



Das könnte dich auch interessieren ...