Etsy-Aktie: Kommt 2026 endlich die Trendwende – oder der Sargnagel?

Zwei Personen weben ein DIY-Projekt auf einem Mini-Webstuhl
Bild: Karolina Grabowska via Pexels

Bei Etsy (WKN: A14P98) setzen wir auf einen Marktplatz, der für Kreatives und Handwerk in Eigenleistung steht. Es geht um besondere Waren, besondere Geschenke und individuelle Erzeugnisse. Das war besonders in der Coronazeit gefragt. Wächst aber seitdem nicht mehr mit hohen Wachstumsraten. Zudem besitzt der Onlinehändler eine neue CEO mit Kruti Patel Goyal. Sie verändert bereits die Strategie und die Ausrichtung des Gesamtkonzerns. Eine echte Trendwende bei der Etsy-Aktie blieb bisher aus – aber vielleicht kommt sie nun?

Die aktuellen Entwicklungen bei Etsy

Besonders fällt auf, dass Etsy von seinem House of Brands Konzept abweicht. Mit Depop verlässt nach Elo7 nun ein weiterer Onlinehändler den Konzern. Ein Abnehmer ist mit eBay bereits gefunden. Der Kaufpreis soll bei 1,2 Mrd. US-Dollar liegen, was Etsy wieder etwas mehr finanziellen Spielraum für Investitionen und die Finanzierung für neues Wachstum liefert.

Nun zu den Zahlen: Etsy steigerte im vierten Quartal und damit dem wichtigen Weihnachtsquartal das Gross Merchandise Volume um 2,4 % auf 3,59 Mrd. US-Dollar. Der Umsatz wuchs hingegen um 6,6 % auf 881 Mio. US-Dollar. Verantwortlich für das höhere Wachstum ist erneut die gestiegene Take-Rate von 24,5 %. Wobei das Management auch das Schalten von Werbung und den Anstieg der Service-Umsätze für das Wachstum verantwortlich macht. Das Service-Segment wuchs hierbei um 9,9 % auf 269 Mio. US-Dollar und steht entsprechend für einen größeren Anteil am gesamten Wachstum.

Etsy bleibt mit einem Nettoergebnis in Höhe von 110 Mio. US-Dollar profitabel. Der Vorjahreswert lag mit 129 Mio. US-Dollar jedoch über dem Wert. Wir denken, dass der Depop-Verkauf und die entsprechenden Beraterkosten zu einem Sondereffekt führten. Der freie Cashflow liegt mit 638 Mio. US-Dollar (in den letzten zwölf Monaten) über dem Nettoergebnis von 162 Mio. US-Dollar, was zeigt, dass Etsy über gute Mittelzuflüsse verfügt.

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Mehr Verkäufer, weniger Käufer

Die Anzahl der aktiven Verkäufer wuchs im vierten Quartal wiederum um 7,7 % im Jahresvergleich auf 8,76 Mio. Dieses Wachstum führt wiederum dazu, dass das auf Etsy erhältliche Angebot sich positiv entwickelt. Klar negativ ist hingegen die Entwicklung bei den aktiven Käufern, deren Basis um 2 % auf 93,53 Mio. eingebrochen ist. Ein einzelnes Quartal mag kein Beinbruch sein. Wir benötigen aber eine Umkehr in der Entwicklung, um weiterhin von einem attraktiven Marktplatz zu sprechen, der idealerweise wächst und für Händler so attraktiv ist, damit Etsy eine höhere Take-Rate rechtfertigen kann.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Management mit einem leichten Wachstum beim Gross Merchandise Volume im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Eine Prognose, die uns, ehrlich gesagt, nicht allzu sehr vom Hocker haut. Zumal das Management von Etsy weiterhin an der Take-Rate schrauben will: Sie dürfte im Jahre 2026 durchschnittlich bei ca. 25,5 % liegen. Ein wenig stört uns, dass die aktuelle Strategie des Managements primär darauf basiert, den Händlern mehr Geld abzuknöpfen. Denn es handelt sich unserer Ansicht nach um keine nachhaltige Strategie, die langfristig zu viel Wachstum und zu einer attraktiven Plattform führt.

Unser Fazit zur Etsy-Aktie

Etsy ist daher weiterhin bei uns auf der Beobachtungsliste. Wir glauben, dass der Handelsplatz sehr viel Potenzial besitzt, müssen aber eine Rückkehr zu nachhaltigem und ausbaufähigem Wachstum finden. Das Management und die neue CEO spricht davon, dass man den Fokus auf exakt diese Ziele legen möchte. Aber die Ausführung bleibt vage: Es gehe um den Fokus auf eigene Stärken und die Frage, für wen man die Plattform betreibe und was man aktiv verkaufe. Um hier einmal bitterböse zu sein: Verkauft hat man bislang das Tafelsilber mit Depop und die bisherige Strategie sieht vor allem vor, die eigenen Händler zu schröpfen. Klarere Antworten werden in den kommenden Monaten daher wichtiger. Ansonsten verlieren wir zunehmend die Geduld mit Etsy.

Etsy selbst sagt, dass man einen adressierbaren Gesamtmarkt in Billionenhöhe adressiert. Die Self- und Handmade-Sparte im E-Commerce ist daher gigantisch. Derzeit ist Etsy dabei, sein eigenes Angebot konsequent auszubauen. Hervorhebenswert ist das Plattformgeschäftsmodell, das beispielsweise in Coronazeiten durch individuelle Händler (und Produktionen) zu rasanten Maskenproduktionen führte. Auf Etsy können Trends entsprechend schnell bedient werden.

Das größte Risiko ist die Konkurrenz. Etsy ist im E-Commerce einem enormen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Unter anderem Amazon hat ein eigenes Selfmade-Angebot. Pinterest ist ein sozialer Kreativmarktplatz, der ebenfalls seine Anknüpfungspunkte in den E-Commerce sucht. Das kann eine Bedrohung für die Growth-Story sein.

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