50 % Kursverlust und 3,8 % Dividende – ist die Action-Mutter jetzt ein Kauf?

Die britische 3i Group (WKN: A0MU9Q) ist ein Private-Equity-Unternehmen der etwas anderen Art. Seit Oktober kennt der Aktienkurs nur noch eine Richtung: abwärts. Nach den veröffentlichten Zahlen zum Geschäftsjahr 25/26 (31. März) brach die Aktie erneut ein. Inzwischen ging innerhalb von sieben Monaten die Hälfte des Kurses verloren. Ist das nur der Vorbote für weiteres Unheil oder bietet sich hier eine Kaufchance? Lass uns an dieser Stelle tiefer einsteigen.
3i Group – Private Equity etwas anders
Fangen wir mit dem Geschäftsmodell an. 3i Group ist ein Anbieter von Private Equity, unterscheidet sich jedoch von seinen Branchenkollegen wie KKR oder Blackstone erheblich. Da ist zum einen die Größe: Während Blackstone als Marktführer 1,3 Bio. US-Dollar verwaltet, sind es bei 3i gerade einmal 60 Mrd. US-Dollar.
Ferner hat 3i vergleichsweise wenig Fonds aufgelegt und damit fremde Gelder eingeworben. Der überwiegende Teil der angelegten Mittel ist eigenes Geld des Unternehmens. Die Beteiligungen werden über viele Jahre hinweg – aber nicht ewig – gehalten.
Der bedeutendste Unterschied jedoch ist die große Konzentration. 3i hat zwar in Infrastruktur wie den Fähranbieter Scandlines oder Konsumentenprodukte wie Royal Sanders, der Körperpflege- und Kosmetikprodukte für Ketten wie Aldi oder Rossmann herstellt, investiert. Der Fokus des Portfolios liegt allerdings auf dem 65,4%igen Anteil am Discounter Action, der rund 75 % aller Anlagen von 3i ausmacht.
Action als Garant für Wachstum
Diese hohe Konzentration war perfekt für 3i, denn Action zeigte über viele Jahre hinweg ein riesiges Wachstum: 2015 betrieb der Discounter europaweit rund 655 Filialen. Ende 2025 gab es 3.302 Standorte. Entsprechend stiegen auch Umsatz und Gewinn der Kette: Seit 2011 wuchs der Umsatz mit durchschnittlich 25 % pro Jahr auf 16 Mrd. Euro 2025. Beim operativen Gewinn betrug das Wachstum sogar 27 % pro Jahr auf 2,4 Mrd. Euro.
Das führte dazu, dass die Aktie von 3i über lange Zeit den Markt deutlich hinter sich ließ. Zuletzt jedoch zeigten sich Bremsspuren. In Frankreich, dem größten Markt von Action, herrscht bereits seit dem vergangenen Herbst eine zurückhaltende Konsumstimmung. Auch in Deutschland hat sich das Bild verschlechtert; dort ist die Zahl der Ladenbesuche seit der Verschärfung der Lage im Nahen Osten Ende März zurückgegangen.
Das macht sich dann auch beim organischen Wachstum bemerkbar. Das sogenannte Like-for-Like-Wachstum (LFL), also in Geschäften, die bereits länger als zwölf Monate geöffnet sind, fiel enttäuschend aus. Während im Vorjahr noch eine Zunahme von 6,8 % gemeldet wurde, beträgt der Wert für die ersten Monate des Jahres 2026 nur 2,4 %. Damit liegt das LFL-Wachstum 1,5 Prozentpunkte unter dem, was das Management für das erste Halbjahr prognostiziert hatte.
Enttäuschende Ergebnisse also, die die Aktie von 3i kräftig abstürzen ließen. Beim Höchstkurs von knapp 45 Pfund Anfang Oktober 2025 war ein hohes Wachstum von Action eingepreist. Diese Bewertung ist jetzt nicht mehr zu rechtfertigen. Entsprechend brach der Kurs ein; heute notiert die Aktie bei gut 22 Pfund.
Wie geht es mit Action weiter?
Nach einem solchen Desaster bietet es sich an, die Aktie komplett neu zu bewerten. Ohne Frage bleibt die Beteiligung an Action der bestimmende Faktor bei 3i. Somit hängt natürlich viel davon ab, wie es bei dem Discounter weitergeht.
Die schwache Wirtschaft und die geopolitische Lage werden uns wahrscheinlich noch länger erhalten bleiben. Trotzdem bleibt Action weiterhin im Wachstumsmodus, denn die Zahl der Neueröffnungen liegt mit 69 Filialen bislang auf Kurs. Im laufenden Jahr sollen etwa 400 Standorte eröffnet werden und der Großteil davon erfolgt traditionsgemäß in der zweiten Jahreshälfte. Solange diese Expansion anhält und sich die Marge im zweiten Halbjahr bei den angestrebten 15 % stabilisiert, ist ein geringeres organisches Wachstum von 3 bis 4 % in reifen Märkten akzeptabel.
Blickt man jedoch über diese zyklischen Probleme hinaus, so sehen wir ein Unternehmen, das sein Expansionsmodell erfolgreich in 15 Ländern ausrollt und 2027 den Schritt in die Vereinigten Staaten wagen will. Wenn es Action gelingt, die Margen zu stabilisieren und weiterhin neue Filialen zu eröffnen, bleibt das Fundament für langfristiges Wachstum intakt.
Ist die Aktie von 3i somit ein Kauf?
Das Management bezifferte den inneren Wert (NAV) der 3i-Aktie im Geschäftsbericht auf 30,30 Pfund. Die Aktie notiert derzeit mit einem Abschlag von etwa 27 % auf diesen Kurs. Die Dividende wurde auf 0,845 Pfund je Aktie erhöht, sodass die Dividendenrendite derzeit bei 3,8 % liegt.
Das Management hat den Kurseinbruch genutzt, um ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 750 Mio. Pfund aufzulegen. Dessen Umsetzung – gerade, wenn sie deutlich unter dem NAV erfolgt – würde den Wert der verbleibenden Aktien erhöhen. Zusätzlich haben Insider zu den aktuell niedrigen Kursen Aktien gekauft; das spricht für deren Vertrauen in das Unternehmen.
Viel wird bei 3i vom Fortgang bei Action abhängen. Wenn du davon überzeugt bist, dass die Probleme des Discounters lösbar und nur vorübergehend sind, und du Geduld mitbringst, bietet der Kursrückgang bei 3i eine ausgezeichnete Einstiegsgelegenheit.
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Offenlegung: Peter besitzt Aktien der 3i Group. Aktienwelt360 empfiehlt keine der im Text genannten Aktien.