Berkshire Hathaway-Aktie: 15 % unterm Hoch ein Kauf?

Eine Statur steht auf verschiedenen Geldscheinen und einer Berkshire Hathaway Aktie. Ein Sparkassenbuch steht im Hintergrund.
Foto: Julia Roegner

Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) ist und bleibt der Fels in der Brandung. Das Unternehmen kann investieren, wenn andere aufgrund leerer Kassen oder hoher Schulden dazu nicht in der Lage sind. Das Setup ist unverwüstlich. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie geht es ohne Warren Buffett weiter? Ist die Bewertung der Berkshire Hathaway-Aktie aktuell attraktiv und kauft das Unternehmen wieder stark Anteile zurück?

Operativ läuft der Motor gut

Berkshire Hathaway blickt auf ein robustes erstes Quartal 2026 zurück. Der operative Gewinn, auch Operating Earnings genannt, stieg um 17,7 % auf beeindruckende 11,35 Mrd. US-Dollar.  Das Versicherungsgeschäft bleibt der Ertragsmotor. Auch die Sachversicherungen und die Rückversicherung haben gute Fortschritte gemacht: Sie senkten die Schaden-Kosten-Quote von 103,1 % auf 89,6 % bzw. von 98,7 % auf 87,0 % (Rückversicherungen). Dadurch konnten sie die Verlustzone verlassen und einen Gewinn vor Steuern von 476 Mio. US-Dollar bzw. 373 Mio. US-Dollar erzielen. Das war der Hauptgrund, warum die Versicherungen den Gewinn vor Steuern leicht von 5,3 Mrd. US-Dollar auf 5,6 Mrd. US-Dollar erhöhten.

Demgegenüber konnte die Eisenbahnsparte BNSF ihren Gewinn vor Steuern zwar von 1,6 Mrd. US-Dollar auf 1,82 Mrd. US-Dollar steigern, ist jedoch operativ hinter die Konkurrenz zurückgefallen. Greg Abel bezeichnete BNSF im Call offen als „Platz 5 von 6” unter den großen US-Bahnen. Die Sparte Energie (BHE) litt unter höheren Zinskosten und konnte den Gewinn vor Steuern lediglich um 2,9 % auf 744 Mio. US-Dollar steigern. Die regulatorischen Hürden im Energiesektor (Wildfire-Risiken) sind nach wie vor eines der größten Sorgenkinder. Berkshire Hathaway würde zwar viel Geld investieren, jedoch müssten die regulatorischen Rahmenbedingungen planbarer werden.

Und weiter?

Die Industriegüter-Sparte hingegen profitierte von einem Auftragsboom in der Luftfahrt. Der Gewinn vor Steuern stieg um 12,6 % auf 3,1 Mrd. US-Dollar. Bremsend wirkten die gestiegenen Zinsen auf das Baugeschäft bei Clayton Homes (Absatzrückgang von ca. 10 %).

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Bei einem Nettoergebnis von 10,1 Mrd. US-Dollar (inklusive unrealisierter Anlageverluste) lag der Gewinn je Class-B-Aktie bei 4,68 US-Dollar. Damit ist er mehr als doppelt so hoch wie letztes Jahr. Dies ist hauptsächlich auf das Investmentergebnis zurückzuführen, welches jedes Mal die Aussage vom Gewinn je Berkshire Hathaway-Aktie reduziert, da hier auch unrealisierte Kursverläufe berücksichtigt werden. Die unrealisierten Verluste des Depots verbesserten sich von 6,4 Mrd. US-Dollar auf 1,6 Mrd. US-Dollar, was einen großen Einfluss auf den berichteten Gewinn hat.

Berkshire bleibt absolut unabhängig

Das Unternehmen sitzt auf einem Cash-Berg von 373,5 Mrd. US-Dollar (netto). Hinzu kommt der Float (vorab kassierte Versicherungsprämien), der als zinsloses Kapital für Investitionen dient. Der Vorteil dieser massiven Liquidität ist die absolute Unabhängigkeit. Greg Abel betonte: „Wir beabsichtigen nicht, von jemandem abhängig zu sein.“ Mit dieser „Kriegskasse“ kann Berkshire in Krisenzeiten, wenn Kapital knapp ist, als Retter auftreten oder milliardenschwere Übernahmen („Elefanten“) ohne Bankkredite stemmen.

In Bezug auf KI verfolgt Berkshire einen pragmatischen Ansatz. Während Konkurrenten auf vollautomatisierte Lösungen setzen, nutzt Berkshire KI vorwiegend als Produktivitätstool, beispielsweise zur Effizienzsteigerung bei GEICO oder zur Code-Erstellung. Ajit Jain äußerte sich skeptisch darüber, ob KI das menschliche Urteilsvermögen bei der Risikobewertung kurzfristig ersetzen kann. Ein Warnsignal war die Demonstration eines Buffet-Deep-Fakes im Call: Berkshire sieht KI derzeit eher als Cyber-Risiko und Bedrohung für die Identitätssicherheit denn als unmittelbaren Gewinnbringer.

Langfristig steht Berkshire eine technologische Transformation bevor. Um bei BNSF und GEICO wieder Marktanteile zu gewinnen, muss massiv in Software investiert werden. Bei BNSF (Eisenbahn) wird Technologie zur Steigerung der Treibstoffeffizienz genutzt, um die Kosten trotz höherer Volumina stabil zu halten. Hinzu kommt, dass durch technologische Verbesserungen die Produktivität der Mitarbeiter gesteigert wird.

Berkshire Hathaway-Aktie: Der Ausblick bleibt jedoch positiv

Aktuell kauft das Management von Berkshire Hathaway nur sehr zaghaft eigene Berkshire Hathaway-Aktien. Im letzten Quartal wurden lediglich 235 Mio. US-Dollar (0,02 % der Marktbewertung) investiert. Wir sind der gleichen Meinung, dass die Aktie aktuell mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,4 fair bewertet ist. Das entspricht genau dem Durchschnitt seit 2006. Bei weiteren Kursrücksetzern können wir als langfristige Aktionäre zugreifen. Das gilt auch für die „kleine Schwester“ der Berkshire Hathaway-Aktie.

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