Der Preis des Verlierens

Der weiße König ist Schachmatt und liegt geschlagen auf einem Schachbrett
Foto: Steve Buissinne via Pixabay

Lieber Aktiensegler,

heute widmen wir uns einem Thema, das wir bei Aktien, Börse und unseren Investments lieber meiden möchten: das Verlieren. Die Wahrheit gefällt gerade neuen Investoren nicht. Aber wir alle verlieren hin und wieder. Geld. Manchmal viel Geld. Wenn wir nicht aufpassen und irrationale Entscheidungen treffen, womöglich sogar alles.

Schon Warren Buffett sagte, die erste Börsenregel laute: Verliere niemals Geld. Die zweite sei wiederum, dass man Regel eins niemals vergessen dürfe. Wenn wir verlieren, wirft uns das zurück. Es tut uns weh. Finanziell. Emotional. Und auch bei zukünftigen Investitionsentscheidungen.

Meine These ist jedoch, dass Verlieren auch ein Preis im positiven Sinne sein kann, vorausgesetzt, wir sind nicht auf den Kopf gefallen und begehen die gleichen Fehler immer wieder. Betrachten wir den Preis also in vielerlei Hinsicht.

Verlieren kostet uns Geld: Zwei Mal

Wenn wir am Aktienmarkt verlieren, kostet uns das natürlich Geld. Das haben wir bereits festgestellt. Unsere Aktien werden weniger wert. Bleiben sie tief stehen, ist der Verlust dauerhaft. Das tut nicht nur einmal weh, sondern zwei Mal oder vielleicht sogar noch ein drittes Mal.

Denn einerseits verliert das geringere Geld weiter an Wert. Die Inflation schlägt trotzdem weiter zu. Das bedeutet, dass wir nicht nur einen realen Verlust haben. Wir haben gleichsam auch den Verlust der Kaufkraft, den wir ebenfalls einkalkulieren können und müssen. Es handelt sich dabei zwar nicht um einen nominellen Verlust. Wenn wir für 1.000 Euro heute in 10 Jahren aber bloß noch Waren im Wert von 810 erwerben können, so ist auch der Verlust real.

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Außerdem verlieren wir eine Chance. Die Chance, dass dieses Geld, investiert in eine andere Aktie, eine andere Assetklasse, einen ETF oder selbst Tagesgeld, einen Mehrwert geschaffen hätte. Das ist für mich der wahre Preis des Verlierens: Dass wir in vielerlei Hinsicht etwas zu beklagen haben. Selbst die Kosten für die Opportunität tragen wir. Umso wichtiger ist es, dass wir möglichst gut unsere Möglichkeiten untereinander abwägen. Dann zahlen wir im idealen Fall gar keinen Preis.

Der „Preis“ im positiven Sinne

Aber wenn wir Geld verlieren, so können wir dem auch etwas Positives abgewinnen: Wir lernen, wenn wir den Verlust aufarbeiten. So können wir beispielsweise evaluieren, was genau an der These gescheitert ist. Waren unsere Annahmen zu hoch? Haben wir uns vom Markt blenden lassen? Sind wir gar einer Aktie hinterhergerannt, die eigentlich schon zu gut gelaufen ist?

Manchmal sind es auch Lektionen über den Wettbewerb, über eine Produktinnovation oder über Wettbewerbsvorteile und deren Nachhaltigkeit. Wir zahlen zwar den Preis, dass wir Geld verlieren. Dafür gewinnen wir eine Erkenntnis, die uns als Investoren in Zukunft weiterbringen kann. Das macht den Verlust zwar nicht wett, hilft uns aber, bei zukünftigen Aktienkäufen bessere Entscheidungen zu treffen.

Verlieren gehört leider immer mal wieder dazu. Wichtig ist, es so gut es geht zu vermeiden. Aber wenn es passiert, dass du zumindest etwas daraus gewinnst, und wenn es nur die Erkenntnis über ein gescheitertes Investment ist.

Auf deine Gewinner und lehrreiche, verschmerzbare Verluste,

Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360

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