KUV deutlich gefallen: Ist die STMicro-Aktie bei 45 Euro wieder ein Kauf?

STMicroelectronics (WKN: 893438) ist ein europäischer Halbleiterkonzern mit eigenen Fabriken, breit aufgestellt von Auto über Industrie bis zur KI-Infrastruktur. Den ganz großen KI-Hype hat die STMicro-Aktie zwar hinter sich gelassen, dennoch liegt sie seit Jahresbeginn mit 90 % im Plus. Zwischenzeitlich war es etwas mehr als doppelt so viel gewesen. Wie ist das ganze fundamental begründet?
STMicro-Aktie: Wachstum, aber von niedrigem Niveau aus
Im zweiten Quartal 2026 setzte STMicro 3,49 Mrd. US-Dollar um. Das war ein Plus von 26 % gegenüber dem Vorjahresquartal (2,77 Mrd.) und 12,7 % gegenüber dem Vorquartal (3,10 Mrd.). Man muss das aber einordnen: Der Vorjahreswert war ein Tiefpunkt mit operativem Verlust, das hohe Wachstum ist also zu einem guten Teil Erholung auf einer niedrigen Basis. Die Bruttomarge stieg auf 34,8 % (35,2 % bereinigt), das operative Ergebnis drehte auf 187 Mio. US-Dollar (5,4 %), unter dem Strich verdiente STMicro 222 Mio. bzw. 0,24 US-Dollar je STMicro-Aktie.
Fürs erste Halbjahr summiert sich der Umsatz auf rund 6,58 Mrd. US-Dollar (Vorjahr 5,28 Mrd.), ein Plus von etwa 24,6 %. Wichtiger sind aber diese Kennzahlen: Die Lagerreichweite fiel von 166 auf 126 Tage, und die Leerkosten für nicht ausgelastete Fabriken sanken von 103 auf 37 Mio. US-Dollar. Sinkende Lager bei steigendem Umsatz und vollere Fabriken: Das ist die Substanz hinter der Margenwende, und beides spricht dafür, dass die Erholung weitergehen wird.
Der Motor der STMicro-Aktie
Der zukunftsgerichtete Kern des letzten Analysten-Calls war die erneut angehobene Rechenzentrums-Ambition: CEO Jean-Marc Chery rechnet nun für 2026 mit einem Umsatz von über 1 Mrd. US-Dollar und für 2027 mit einem Umsatz von deutlich über 2 Mrd. US-Dollar. Dahinter steckt die Silizium-Photonik-Plattform PIC100. Dazu gehören optische Bauteile, die mit Chip-Verfahren auf Silizium gebaut werden, gemeinsam mit Amazon Web Services entwickelt und auf 300-mm-Scheiben in Crolles gefertigt. Der Markt für eine solch steckbare Optik im Rechenzentrum soll laut LightCounting bis 2030 auf über 24 Mrd. US-Dollar wachsen, der Silizium-Photonik-Anteil von 30 auf 60 % steigen.
Der strategische Clou: Bei einem einzigen optischen Modul verdient STMicro dreifach, nämlich am Mikrocontroller für die Steuerung, am BiCMOS-Elektronik-IC (eine kombinierte Technik für Hochgeschwindigkeit und Energieeffizienz) und am photonischen Chip selbst. Weil das Unternehmen nun alle drei aus eigener Fertigung liefert, steigt der Umsatz je Modul. Getrieben wird das vom Wechsel der Rechenzentren auf 800-Gigabit- und 1,6-Terabit-Verbindungen. Die Kapazität soll hier bis 2027 vervierfacht werden.
Der kleine Haken für Investoren
Bei aller Fantasie bleibt STMicro margenschwächer als die Konkurrenz. Die bereinigte Bruttomarge von 35,2 % liegt klar unter der von Infineon und NXP. Der Grund ist der laufende Fabrikumbau, explizit der Wechsel auf größere Fertigungsscheiben bei Silizium und Siliziumkarbid der noch Sonderkosten verursacht. Finanzchef Lorenzo Grandi verschob im Call das 40-%-plus-Margenmodell auf frühestens Ende 2027. Zusätzlich zieht das Leistungshalbleiter-Geschäft Power & Discrete mit einer operativen Marge von -21,4 % nach unten.
Unser Fazit ist dennoch klar: Operative Stärke gewachsen, Kapitalallokation bestätigt, Wettbewerbsposition leicht gestärkt, Managementqualität gestiegen. Unter dem Strich hat das zweite Quartal 2026 mehr Argumente für als gegen unsere Investmentthese geliefert. Daher bleiben wir bei unserer Empfehlung der STMicro-Aktie.
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