Die antike Form der Geldanlage: Warum so beliebt?

Liebe Aktiensegler,
was steckt hinter der antiken Form der Geldanlage? Das ist bereits die erste Frage. Für mich handelt es sich dabei vor allem um Produkte, die mit wenig Rendite, wenig Flexibilität, dafür aber mit fragwürdigen Vorteilen glänzen. Das Bausparen wäre für mich eine solche Anlageform, auch wenn es gewiss vom Zweck her (Wohneigentum) das Interesse vieler Sparer bedient.
Bausparen ist meiner Meinung nach aber eher antik, weil die Konditionen nicht mehr stimmen. Meine Recherchen ergeben, dass aktuelle Verträge einen Zinssatz von 0,1 bis 1,5 % bieten, um Eigenkapital aufzubauen. Der Zinssatz, den man sich sichern kann, liegt je nach Vertrag und Modell wohl zwischen 2,5 und 3,5 %.
Bedeutet: Für einen leicht besseren Zins in zehn Jahren spart man sein Geld mit einer äußerst schlechten Rendite. Das ist antik, meiner Meinung nach. Eine antike Form der Geldanlage. Sie gilt trotzdem weiterhin als beliebt. Das ließ mich zuletzt nicht los.
Die antike Form der Geldanlage: Selbst in der jüngeren Generation gefragt
Wie ich kürzlich las, setzen selbst Heranwachsende und junge Erwachsene auf das Bausparen. Wohneigentum bleibt ein wichtiges Thema. Rund 45 % der Verträge entfallen nach Angaben einer großen Bausparkasse auf Kunden unter 28 Jahre. Das ist … bemerkenswert. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob hier vielleicht die Eltern oder die Großeltern mitwirken. Ob die absolute Risikolosigkeit eine größere Priorität gegenüber der Rendite hat. Aber das Verhalten würde ich ebenfalls als antik bezeichnen. Oder zumindest als antiquiert.
Gerade junge Erwachsene, die Eigenkapital für ein Haus bilden wollen, sollten auf Rendite setzen. Knapp 1 % Rendite pro Jahr mit einem Quäntchen Glück sind dabei nicht besonders attraktiv. Selbst Tagesgeld und Festgeld überzeugen mit deutlich über 2 % Rendite pro Jahr. Wer hingegen eine Kombination mit etwas Risiko wagt, beispielsweise einem ETF, einzelnen Aktien oder auch Aktienfonds, der kann es vielleicht sogar auf 4 oder 5 % pro Jahr schaffen. Ich wage dabei die Behauptung, dass die höhere Rendite den sich bei Bausparverträgen anschließenden Kredit günstiger gestalten kann. Mehr Eigenkapital verringert den Finanzierungsbedarf und senkt die absolute Zinslast. Ich bin gewiss kein Experte für Bausparverträge. Aber: Mein Fokus läge gewiss zunächst auf der Maximierung des Eigenkapitals. Für einen leicht geringeren Kreditzins würde ich hier nicht auf Möglichkeiten verzichten.
Trotzdem scheinen die Produkte beliebt zu bleiben. Wieso, bleibt mir ein Rätsel. Diese Wasserstandsmeldung zeigt jedoch, wie hartnäckig sich Produkte bei Menschen halten, wenn sie einmal einen beliebten Status erreicht haben.
Hinterfrage deine Ziele!
Um es mal anders zu formulieren: Selbst wenn du über 10 Jahre 250 Euro pro Monat in so einen Vertrag anlegst und einen Zins von 0,75 % pro Jahr bekommst, dann hast du nach zehn Jahren 31.159 Euro gespart. Herzlichen Glückwunsch! Davon entfallen aber 30.000 Euro auf deine eigene Leistung. Es kamen lediglich 1.159 Euro als Zinsen und Rendite dazu.
Wenn du es per Tagesgeld, Festgeld oder auch einzelnen Aktien oder Fonds auf eine Rendite von 4,5 % pro Jahr schaffst, erreichst du nach 10 Jahren rein rechnerisch 37.763 Euro. Das sind über 6.000 Euro mehr. Nicht auszudenken, was wäre, wenn man eine marktübliche Rendite von 8 % pro Jahr erreichen würde. Rein rechnerisch wären dann sogar 45.342 Euro möglich.
Aber diese Zahl sollten wir fairerweise vielleicht nicht als Vergleichswert nehmen. Wir reden als Vergleichswert schließlich über Bausparverträge. Einer sehr antiken Form der Geldanlage für sehr sicherheitsbewusste Anleger.
Auf deine cleveren finanziellen Entscheidungen,
dein
Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360
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