Die American Express-Aktie liefert 6 neue Argumente für Kursgewinne

Zwei Mädchen flüstern sich ein Geheimnis ins Ohr.
Foto: Olya Adamovich via Pixabay

American Express (WKN: 850226) ist ein etwas anderes Kreditkartenunternehmen. Der Konzern gibt seine Karten selbst heraus, betreibt ein eigenes Zahlungsnetzwerk und richtet sich vor allem an zahlungskräftige Privatkunden sowie Unternehmen. Dadurch verdient American Express sowohl an den Gebühren der Händler als auch an Jahresgebühren und Zinsen. Dieses geschlossene System ermöglicht hohe Margen und liefert dem Unternehmen viele Informationen über das Ausgabeverhalten seiner Kunden. Der Lohn? Eine Kursverdopplung der American Express-Aktie in den letzten drei Jahren. Dividende gab es für Investoren noch obendrauf.

Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen erneut, wie gut dieses Modell funktioniert. Schauen wir uns die langfristigen Implikationen für die American Express-Aktie an.

American Express-Aktie: Das Wachstum wird dynamischer

American Express steigerte die Erlöse nach Abzug der Zinsaufwendungen um 10 % auf 19,64 Mrd. US-Dollar. Der Vorsteuergewinn wuchs sogar um 15 % auf 4,07 Mrd. US-Dollar. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 3,11 Mrd. US-Dollar und damit 8 % mehr als im Vorjahresquartal. Das Ergebnis je American Express-Aktie erhöhte sich aufgrund der Aktienrückkäufe etwas stärker um 11 % auf 4,53 US-Dollar. Die durchschnittliche verwässerte Aktienzahl sank innerhalb eines Jahres um 3 %. Wir sehen damit eine solide Kombination aus zweistelligem operativem Wachstum und einer sinkenden Zahl ausstehender Aktien.

Besonders wichtig ist für uns die Entwicklung der Kartenausgaben. Das über das Netzwerk abgerechnete Volumen stieg währungsbereinigt um 9 % auf 455,8 Mrd. US-Dollar. Laut CEO Stephen Squeri war das die höchste Wachstumsrate seit drei Jahren. Höhere Kartenausgaben sorgen für steigende Händlergebühren. Gleichzeitig wachsen die ausstehenden Kreditkartensalden und damit auch die Zinserträge. Hinzu kommen höhere Gebühreneinnahmen aus den Kartenprogrammen. Das Wachstum steht somit auf mehreren Säulen und hängt nicht ausschließlich von steigenden Kreditsalden ab.

Erfreulich ist außerdem, dass American Express weiterhin jüngere Kunden gewinnt. Das Management betonte insbesondere die Nachfrage von Millennials und Angehörigen der Generation Z. Diese Kundengruppen sind für American Express interessant, weil sie zu Beginn ihrer beruflichen und finanziellen Entwicklung stehen und im Laufe der Zeit auf höherwertige Karten wechseln können. Gleichzeitig entwickelt sich das Platinum-Portfolio inzwischen zum am schnellsten wachsenden Angebot im amerikanischen Privatkundengeschäft. Die Investitionen in zusätzliche Reise-, Restaurant- und Lifestyle-Vorteile scheinen daher die gewünschte Wirkung zu entfalten.

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Kosten und Kreditausfälle bremsen die Euphorie – aber nur etwas

Diese Leistungen sind allerdings teuer. Die gesamten Aufwendungen stiegen im zweiten Quartal um 12 % auf 14,5 Mrd. US-Dollar und damit schneller als die Erlöse. American Express investierte unter anderem in die Überarbeitung der amerikanischen Platinum Card. Zudem führten die höheren Kartenausgaben und die stärkere Nutzung der angebotenen Vorteile zu steigenden variablen Kosten. Das Management möchte einen Teil der unerwartet guten Entwicklung im ersten Halbjahr bewusst erneut in das Wachstum investieren. Kurzfristig begrenzt das den Gewinnanstieg. Langfristig kann es jedoch die Kundenbindung stärken und höhere Kartengebühren rechtfertigen.

Genauer hinsehen müssen wir auch bei der Risikovorsorge. Sie sank von 1,4 Mrd. auf 1,1 Mrd. US-Dollar. Das klingt zunächst nach einer deutlichen Verbesserung. Der Rückgang entstand jedoch vor allem dadurch, dass American Express einen Teil seiner Kreditreserven auflöste, während das Unternehmen im Vorjahresquartal zusätzliche Reserven aufgebaut hatte. Die tatsächlichen Kreditausfälle lagen etwas höher. Trotzdem blieb die Nettoabschreibungsquote mit 2,0 % gegenüber dem Vorjahr stabil. Wir sehen daher bislang keine wesentliche Verschlechterung der Kreditqualität. Gerade angesichts des gewachsenen Kreditvolumens und wirtschaftlicher Unsicherheiten ist das ein wichtiger Punkt.

American Express-Aktie: Leichte Prognoseanhebung

Das Gewinnwachstum von lediglich 8 % fiel schwächer aus als der Anstieg des Vorsteuergewinns. Dafür war vor allem die Steuerquote verantwortlich. Sie erhöhte sich von 18,7 % auf 23,6 %, da American Express im Vorjahresquartal von besonderen Steuervorteilen profitiert hatte. Die operative Entwicklung war daher besser, als es der reine Nettogewinn vermuten lässt. Das Ergebnis je American Express-Aktie konnte durch die Aktienrückkäufe dennoch zweistellig wachsen.

Nach dem besser als erwarteten ersten Halbjahr hob das Management die Umsatzprognose an. American Express rechnet für das Gesamtjahr 2026 nun mit einem Erlöswachstum von 10 %. Zuvor hatte das obere Ende der Prognose bei 9 % gelegen. Das erwartete Ergebnis je Aktie bleibt hingegen unverändert bei 17,30 bis 17,90 US-Dollar. Der Grund liegt vor allem darin, dass das Management die zusätzlichen Einnahmen in neue Wachstumsinitiativen investieren möchte. Auf Basis der Mitte der Prognose würde der Gewinn je American Express-Aktie im Gesamtjahr bei etwa 17,60 US-Dollar liegen.

Wie wir die American Express-Aktie langfristig sehen

Wir sind mit dem zweiten Quartal insgesamt zufrieden. Die Kartenausgaben wachsen so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr, American Express gewinnt jüngere Kunden und erhöht die Umsatzprognose. Gleichzeitig bleibt die Kreditqualität stabil. Dass die Kosten momentan etwas schneller als die Einnahmen steigen, ist kein perfektes Signal. Ein bedeutender Teil davon entfällt jedoch auf Leistungen und Angebote, mit denen American Express seine Premiumposition stärken möchte.

Entscheidend wird sein, ob sich diese Investitionen dauerhaft in höheren Kartengebühren, steigenden Ausgaben und einer stärkeren Kundenbindung auszahlen. Bislang spricht die Entwicklung des Platinum-Portfolios dafür. American Express bleibt damit ein hochwertiges Finanzunternehmen, das auch in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld zweistellig wachsen kann. Daher halten wir der American Express-Aktie die Treue.

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