Eine Neubewertung der BioNTech-Aktie steht an: Der wahre Wert!

Noch ist der periodisch angepasste COVID-19-Impfstoff die wichtigste Umsatzsäule für die BioNTech-Aktie (WKN: A2PSR2). Aber mittel- bis langfristig will BioNTech sich zu einem Multi-Produkt-Onkologieunternehmen und einem kompletten Biopharmakonzern entwickeln.
BioNTech-Aktie: Neuer CEO löst das Gründer-Duo ab
Um diese Transformation souverän stemmen zu können, konnte der Aufsichtsrat nach einem längeren Suchprozess einen neuen CEO präsentieren. Es wird Guido Oelkers, der vom Biopharmaunternehmen Swedish Orphan Biovitrum AB wechselt. Oelkers sammelte in seiner Karriere vielfältige Erfahrungen bei Biotech-, Pharma- und Medizintechnikunternehmen, mit Stationen in Australien, China und Schweden.
Ein Naturwissenschaftler ist er allerdings nicht, denn ursprünglich hatte er Wirtschaftswissenschaften an der Uni Mainz studiert. An diesen Studienort kommt er jetzt zurück. Und vermutlich hat der Aufsichtsrat ganz gezielt nach jemandem Ausschau gehalten, der tiefe Branchenexpertise hat, aber mit einer Business-Perspektive. Beim Gründer-Duo Şahin war es ja gerade andersherum. Diese können sich bis Anfang 2027 schrittweise in ihre geliebte Forschung zurückziehen.
Damit ist dieser Punkt abgehakt und wir können uns auf die üblichen operativen Hauptaspekte kümmern: Die klinische Entwicklung und die COVID-19-Umsätze.
BioNTech hat im Q2 seine Onkologie-Pipeline spürbar beschleunigt
Besonders hervor sticht die Ausweitung der klinischen Programme rund um den Immunmodulator Pumitamig, für den gleich mehrere neue zulassungsrelevante Studien in großen Tumorarten wie Lunge, Brust, Darm und Magen gestartet wurden. Parallel dazu bestätigten aktualisierte Daten für Gotistobart einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber Standardtherapien, was die Erfolgschancen des Programms weiter erhöht. Auch die beiden Antikörper‑Wirkstoff‑Konjugat (ADC)‑Kandidaten aus der DualityBio‑Partnerschaft machen Fortschritte: Für das HER2‑ADC Trastuzumab Pamirtecan laufen zwei Phase‑3‑Studien, während das B7‑H3‑ADC Elfetabart Drozuntecan in Prostatakrebs in eine neue Phase‑3‑Studie übergegangen ist.
Für den weiteren Jahresverlauf 2026 kündigt BioNTech mehrere wichtige Datensätze an, die das Profil der Pipeline weiter schärfen sollen. 2027 dürfte dann im Zeichen erster potenzieller Zulassungsentscheidungen stehen, insbesondere für die fortgeschrittenen ADC-Programme und die großen Phase‑3-Studien von Pumitamig. All das sind ermutigende Entwicklungen in unseren Augen.
BioNTech-Aktie: Die Umsatzprognose musste hingegen gekürzt werden
COVID-19 hat seinen Schrecken verloren und die Zahl der Menschen, die sich trotzdem noch impfen lassen, reduziert sich stärker als vom Management erwartet. Im laufenden Geschäftsjahr wird deshalb jetzt nur noch ein Umsatz von 1,6 bis 1,9 Mrd. Euro erwartet, unterhalb der zuvor veröffentlichten Spanne.
Das ist enttäuschend, denn eine Spanne ist schließlich dafür da, getroffen zu werden. Wobei man hinzusagen muss, dass darin auch schwer vorhersagbare Meilensteinzahlungen aus auslizenzierten Programmen enthalten sind.
BioNTech reagiert mit Kostenkürzungen
Damit Ausgaben und Einnahmen nicht zu weit auseinanderlaufen, dreht das Management weiterhin an der Kostenschraube. Bei Forschung und Entwicklung sollen nun rund 200 Mio. Euro weniger ausgegeben werden. Zusammen mit Vertrieb und Verwaltung summieren sich die operativen Kosten dennoch auf rund 3 Mrd. Euro.
Da trifft es sich gut, dass der weiterhin hohe Geldbestand von 16,6 Mrd. Euro regelmäßig ein starkes Finanzergebnis abwirft, im Q2 rund 90 Mio. Euro. Künftig dürfte sich dieser Wert weiter reduzieren, weil BioNTech Verluste schreibt und zusätzlich im Mai ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 1 Mrd. US-Dollar gestartet hat.
Wir begrüßen das Programm, weil wir überzeugt sind, dass die BioNTech-Aktie den Wert der Pipeline und die Zusatzchancen aus dem Impfstoffgeschäft nicht reflektiert. Die Marktkapitalisierung von 20 Mio. Euro wird zu 90 % von Eigenkapital gedeckt, das äußerst konservativ berechnet wird. Denn Dinge wie der Datenschatz, die bewiesene Skalierungsfähigkeit, das Multi-Plattform-Know-how und die Optionen auf neue Indikationen und milliardenschwere Partner-Deals tauchen in der Bilanz noch nicht auf.
Unser Fazit zur BioNTech-Aktie
BioNTech hat allein seit 2020 mehr als 10 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung investiert und darüber hinaus passende Übernahmen vollzogen. Das sind die eigentlichen Werte. COVID-19 tritt immer mehr in den Hintergrund, während Onkologie und allgemeine mRNA-Infrastruktur künftig den Ton angeben. Sobald der Markt dies auch erkennt, könnte eine Neubewertung der BioNTech-Aktie anstehen.
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