Warum die Toast-Aktie seit Mai um 58 % stieg

Mit der Toast-Aktie (WKN: A3C3Y4) setzen Anleger auf eine Technologieplattform, die speziell für Restaurants und zunehmend auch für andere Einzelhändler entwickelt wurde. Das Unternehmen verbindet Kassensysteme, Zahlungsabwicklung, Bestelllösungen, Kundenbindungsprogramme, Personalverwaltung und weitere Software auf einer einzigen Plattform. Toast verdient dadurch sowohl an monatlichen Abonnements als auch an jeder abgewickelten Zahlung.
Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen nun, dass dieses Modell nicht nur schnell wächst, sondern zunehmend hohe Gewinne erwirtschaftet. Noch vor drei Monaten wiesen wir auf die günstige Bewertung der Toast-Aktie hin. Nun hat sie um mehr als 50 % zugelegt.
Toast-Aktie: Das Schwungrad dreht sich immer schneller
Toast steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 23,1 % auf 1,91 Mrd. US-Dollar. Der größte Teil entfiel erneut auf die Zahlungsabwicklung. Die Erlöse aus Finanztechnologielösungen erhöhten sich um 23 % auf 1,57 Mrd. US-Dollar. Die Abonnementumsätze wuchsen etwas stärker um 28 % auf 290 Mio. US-Dollar. Für unsere Investition ist jedoch nicht allein der Umsatz entscheidend. Bei der Zahlungsabwicklung reicht Toast einen großen Teil der eingenommenen Gebühren an Kreditkartennetzwerke, Banken und weitere Partner weiter. Aussagekräftiger ist deshalb der erwirtschaftete Bruttogewinn.
Dieser stieg um knapp 32 % auf 516 Mio. US-Dollar. Der kombinierte Bruttogewinn aus Abonnements und Finanztechnologielösungen legte um 31 % auf 585 Mio. US-Dollar zu. Bereinigt erhöhte er sich um 28 % auf 595 Mio. US-Dollar. Gerade diese wiederkehrenden Ertragsströme bilden den wirtschaftlichen Kern des Geschäfts. Sie wachsen schneller als der Umsatz und ermöglichen Toast zunehmend eine operative Skalierung.
Die Gewinnkennzahlen entwickeln sich stark
Das zeigt sich besonders deutlich beim Gewinn. Das operative Ergebnis verbesserte sich von 80 Mio. auf 152 Mio. US-Dollar. Unter dem Strich verdiente Toast 154 Mio. US-Dollar nach 80 Mio. US-Dollar im Vorjahresquartal. Das verwässerte Ergebnis je Toast-Aktie verdoppelte sich von 0,13 auf 0,26 US-Dollar. Toast ist damit nicht mehr nur auf bereinigter Basis profitabel, sondern erwirtschaftet inzwischen auch nach den offiziellen Rechnungslegungsstandards regelmäßig Gewinne.
Das bereinigte EBITDA stieg um 37 % auf 221 Mio. US-Dollar. Darin enthalten war allerdings eine einmalige Erstattung von Zöllen in Höhe von rund 10 Mio. US-Dollar. Ohne diesen Effekt hätte das bereinigte EBITDA bei etwa 211 Mio. US-Dollar gelegen und wäre noch immer um rund 31 % gewachsen. Das Gewinnwachstum beruht daher nicht hauptsächlich auf dem Sondereffekt. Die Plattform wird mit zunehmender Größe tatsächlich profitabler.
Diese Kennzahlen treiben den Wachstumsmotor an
Ein wesentlicher Grund dafür ist das starke Kundenwachstum. Toast gewann im zweiten Quartal netto rund 9.500 neue Standorte hinzu – so viele wie nie zuvor in einem einzelnen Quartal. Insgesamt wurde die Plattform zum Quartalsende an ungefähr 180.000 Standorten genutzt. Das entspricht einem Wachstum von 22 %. Neben kleineren und mittelgroßen Restaurants gewinnt Toast inzwischen zunehmend größere Ketten und Hotelgruppen. Unter anderem entschied sich BWH Hotels, die Muttergesellschaft von Best Western, dafür, Toast als mögliche Kassensystemlösung für Tausende Standorte in den USA und Kanada anzubieten. Auch TGI Fridays weitete die Zusammenarbeit auf Großbritannien aus.
Das über Toast abgewickelte Zahlungsvolumen erhöhte sich ebenfalls um 22 % auf 60,7 Mrd. US-Dollar. Im gesamten ersten Halbjahr liefen bereits Zahlungen im Wert von 112 Mrd. US-Dollar über die Plattform. Toast profitiert damit gleich doppelt: Neue Standorte erhöhen die Kundenbasis, während steigende Umsätze der angeschlossenen Restaurants zusätzliche Zahlungsgebühren erzeugen. Das Geschäftsmodell besitzt dadurch sowohl einen Mengen- als auch einen Volumenhebel.
Die annualisierten wiederkehrenden Erlöse und Zahlungsbeiträge, von Toast als ARR bezeichnet, stiegen um 25 % auf 2,41 Mrd. US-Dollar. Der abonnementbasierte Anteil wuchs um 27 % auf 1,21 Mrd. US-Dollar. Der Zahlungsanteil erhöhte sich um 23 % auf knapp 1,20 Mrd. US-Dollar. Uns gefällt diese ausgewogene Entwicklung. Toast ist nicht ausschließlich von den Zahlungsvolumina der Restaurants abhängig, sondern baut parallel seine Softwareerlöse aus.
Toast-Aktie: Das Management investiert frühzeitig in weiteres Wachstum
Zusätzliche Produkte können den Umsatz je Standort weiter erhöhen. Toast bietet längst mehr als ein Kassensystem und die Zahlungsabwicklung. Restaurants können unter anderem digitale Bestellungen, Tischreservierungen, Personalplanung, Lieferungen und Marketing über die Plattform steuern. Besonders schnell wächst nach Angaben des Managements Toast IQ Grow. Die KI-gestützte Lösung soll Restaurants dabei helfen, Kunden gezielter anzusprechen und zusätzliche Nachfrage zu erzeugen. Der Konzern bezeichnet das Angebot als sein bisher am schnellsten wachsendes neues Produkt.
Wir sollten den KI-Begriff allerdings nicht überbewerten. Entscheidend ist nicht, ob Toast möglichst viele Funktionen mit Künstlicher Intelligenz versieht. Relevant ist, ob Restaurants dadurch tatsächlich mehr Umsatz erzielen, ihre Kosten senken oder zusätzliche Softwaremodule buchen. Das schnelle anfängliche Wachstum von Toast IQ Grow ist ein gutes Signal. Konkrete Umsätze oder Nutzerzahlen veröffentlicht das Unternehmen bislang jedoch nicht.
Aktienrückkäufe gleichen die aktienbasierte Mitarbeitervergütung aus
Einen Schwachpunkt finden wir beim Cashflow. Der operative Mittelzufluss sank von 223 Mio. auf 144 Mio. US-Dollar. Der freie Cashflow ging entsprechend von 208 Mio. auf 130 Mio. US-Dollar zurück. Das passt zunächst nicht zum starken Gewinnwachstum. Ein wesentlicher Grund waren allerdings höhere Investitionen in das Nettoumlaufvermögen. Insbesondere die Warenbestände nahmen deutlich zu. Im ersten Halbjahr flossen allein 103 Mio. US-Dollar in zusätzliche Lagerbestände. Toast benötigt unter anderem Kassenterminals, Bildschirme und Handgeräte, um neue Kunden auszustatten.
Bei der Kapitalverwendung agiert das Management inzwischen offensiv. Toast kaufte im ersten Halbjahr 19 Mio. eigene Toast-Aktien für 486 Mio. US-Dollar zurück. Allein im zweiten Quartal flossen 163 Mio. US-Dollar in Rückkäufe. Das überstieg den freien Cashflow des Quartals. Allerdings verfügte Toast Ende Juni weiterhin über 1,02 Mrd. US-Dollar an liquiden Mitteln und 698 Mio. US-Dollar an handelbaren Wertpapieren. Klassische langfristige Finanzschulden weist das Unternehmen nicht aus. Die Rückkäufe gefährden die finanzielle Stabilität daher momentan nicht.
Sie sind zudem eine nachvollziehbare Reaktion auf die aktienbasierte Vergütung. Diese belief sich im zweiten Quartal einschließlich der damit verbundenen Abgaben auf 58 Mio. US-Dollar. Die durchschnittliche verwässerte Aktienzahl sank im Jahresvergleich trotzdem von 605 Mio. auf 590 Mio. Stück. Die Rückkäufe gleichen somit nicht nur neue Mitarbeiteraktien aus, sondern reduzieren inzwischen tatsächlich die Verwässerung und unterstützen das Ergebnis je Toast-Aktie.
Die Toast-Aktie profitiert von einer Prognoseerhöhung
Nach dem starken ersten Halbjahr erhöhte das Management seine Jahresprognose. Der bereinigte Bruttogewinn aus Abonnements und Finanztechnologielösungen soll 2026 nun um 23 % bis 25 % auf 2,33 Mrd. bis 2,36 Mrd. US-Dollar wachsen. Zuvor hatte Toast lediglich ein Plus von 21 % bis 23 % erwartet. Die Prognose für das bereinigte EBITDA wurde von 790 Mio. bis 810 Mio. US-Dollar auf 805 Mio. bis 825 Mio. US-Dollar angehoben. Die einmalige Zollerstattung von 10 Mio. US-Dollar soll dabei bewusst wieder in das Wachstum investiert werden.
Für das dritte Quartal erwartet Toast einen bereinigten wiederkehrenden Bruttogewinn zwischen 615 Mio. und 625 Mio. US-Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 22 % bis 24 %. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 210 Mio. und 220 Mio. US-Dollar liegen. Das Unternehmen rechnet somit mit einer Fortsetzung des profitablen Wachstums, auch wenn der einmalige Vorteil aus dem zweiten Quartal entfällt.
Unser Fazit für die Toast-Aktie
Wir sind mit dem zweiten Quartal insgesamt sehr zufrieden. Toast gewinnt so viele neue Standorte wie nie zuvor, erhöht das Zahlungsvolumen um 22 % und steigert die wiederkehrenden Ertragsströme um 28 %. Gleichzeitig verdoppeln sich das operative Ergebnis und der Nettogewinn nahezu. Die Plattform beweist damit, dass das schnelle Wachstum zunehmend in echten Gewinnen ankommt.
Beobachten müssen wir den rückläufigen freien Cashflow, die hohen Investitionen in Hardware und die weiterhin bedeutende aktienbasierte Vergütung. Das Grundmodell funktioniert jedoch: Toast gewinnt Restaurants zunächst mit einer umfassenden technischen Plattform und verdient anschließend wiederkehrend an Software und Zahlungen. Mit 180.000 Standorten ist das Unternehmen bereits groß. Angesichts der Millionen Restaurants und Einzelhandelsstandorte weltweit besitzt Toast dennoch einen langen Wachstumspfad, den wir mit der Toast-Aktie gerne begleiten.
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