Axon Enterprise-Aktie: Das fehlt für Kurse über 800 US-Dollar

Das Blaulicht eines Polizeiautos in Nahaufnahme
Bild: Gerd Altmann via Pixabay

Bei der Axon Enterprise-Aktie (WKN: A2DPZU) setzen wir längst nicht mehr nur auf den Hersteller der bekannten TASER-Elektroimpulsgeräte. Das Unternehmen entwickelt zunehmend ein vernetztes Betriebssystem für Polizei, Rettungsdienste, Justizbehörden und private Sicherheitsorganisationen. Körperkameras, Drohnen, Einsatzleitsysteme und TASER-Geräte erzeugen Daten, die anschließend in der Cloud gespeichert, ausgewertet und in unterschiedliche Arbeitsabläufe eingebunden werden. Das zweite Quartal 2026 zeigt eindrucksvoll, wie schnell dieses Ökosystem momentan wächst.

Axon Enterprise-Aktie: Starke Umsatzentwicklung!

Der Umsatz stieg um 35 % auf den Rekordwert von 904 Mio. US-Dollar. Axon erreichte damit bereits das zehnte Quartal in Folge ein Wachstum von mehr als 30 %. Besonders erfreulich ist die breite Entwicklung: Das Geschäft mit Software und Dienstleistungen wuchs um 36 % auf 398 Mio. US-Dollar. Die Erlöse mit vernetzten Geräten legten ebenfalls um 35 % auf 507 Mio. US-Dollar zu. Zahlen, wie wir sie inzwischen von der Axon Enterprise-Aktie gewohnt sind, die langfristige Weltklasse-Renditen erzielt hat.

Das Segment Software & Services profitiert von neuen Kunden und davon, dass bestehende Behörden zusätzliche Funktionen buchen. Zu den Wachstumstreibern gehörten unter anderem die Echtzeitplattform Fusus, das Notrufsystem Axon 911 und der AI Era Plan. Letzterer bündelt verschiedene Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz. Der Umsatz der darin enthaltenen KI-Produkte erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um fast 700 %. Dazu gehört beispielsweise Draft One, das anhand von Tonaufnahmen aus Körperkameras erste Entwürfe für Polizeiberichte erstellt.

Die Softwareerlöse besitzen grundsätzlich eine hohe Profitabilität. Die Bruttomarge des Segments sank allerdings von 75,6 % auf 71,3 %. Bereinigt ging sie von 78,9 % auf 75,1 % zurück. Verantwortlich waren ein höherer Anteil professioneller Dienstleistungen sowie die Kosten für die Skalierung neuer Produkte. Die reine Softwaremarge lag weiterhin bei mehr als 80 %. Der Rückgang ist daher noch kein strukturelles Warnsignal. Wir sollten aber beobachten, wie schnell Axon neue Produkte und übernommene Plattformen auf das hohe Margenniveau des etablierten Cloud-Geschäfts bringen kann.

Kundenbindung und Auftragswachstum sind top

Die wiederkehrenden Umsätze entwickelten sich ebenfalls stark. Der annualisierte wiederkehrende Umsatz stieg um 39 % auf 1,64 Mrd. US-Dollar. Die Nettoumsatzbindung erreichte 126 %. Vereinfacht ausgedrückt erzielte Axon mit einer bestehenden Kundengruppe nach einem Jahr 26 % mehr Cloud-Umsatz, selbst bevor neue Kunden berücksichtigt werden. Kündigungen spielen nach Angaben des Unternehmens nur eine sehr geringe Rolle. Die Kunden bleiben nicht nur bei Axon, sondern erweitern ihre Verträge um zusätzliche Kameras, Nutzer und Softwarefunktionen.

Auch die langfristige Auftragsbasis wächst. Die noch nicht erfüllten vertraglich vereinbarten Buchungen erhöhten sich um 41 % auf 15,1 Mrd. US-Dollar. Axon erwartet, davon 20 % bis 25 % innerhalb der kommenden zwölf Monate als Umsatz zu realisieren. Der Rest verteilt sich überwiegend auf die anschließenden zehn Jahre. Im zweiten Quartal gewann das Unternehmen unter anderem zwei Verträge mit großen amerikanischen Städten im jeweils dreistelligen Millionenbereich. Darunter befand sich die größte einzelne TASER-Bestellung der Unternehmensgeschichte.

Und weiter?

Das Geschäft mit vernetzten Geräten profitiert besonders von TASER 10, der Körperkamera Axon Body 4 und dem Drohnenanbieter Dedrone. Dedrone allein erzielte im zweiten Quartal erstmals einen Umsatz von mehr als 100 Mio. US-Dollar. Die Technologie erkennt und klassifiziert Drohnen im Luftraum und unterstützt Sicherheitskräfte bei der Abwehr möglicher Bedrohungen. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 kam das System an allen elf amerikanischen Stadien sowie an mehr als 50 weiteren Standorten zum Einsatz.

Das breitere Segment Platform Solutions, zu dem unter anderem Drohnen, Systeme zur Drohnenabwehr, Fahrzeugkameras, fest installierte Kameras und virtuelle Trainingslösungen gehören, steigerte seinen Umsatz um 123 % auf 150 Mio. US-Dollar. Axon erschließt sich damit Märkte, die weit über das ursprüngliche Geschäft mit TASER-Geräten und Körperkameras hinausgehen. Besonders attraktiv ist, dass auf den Verkauf der Hardware häufig langfristige Software-, Speicher- und Serviceerlöse folgen.

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Auch die Expansion außerhalb der klassischen amerikanischen Polizeibehörden nimmt Fahrt auf. Die internationalen und die Unternehmenskunden-Buchungen verdreifachten sich jeweils ungefähr. Mit Axon Body Mini führte der Konzern eine kleinere Körperkamera für Beschäftigte im Einzelhandel, Gesundheitswesen und anderen Unternehmen ein. Die Kamera verfügt unter anderem über einen Panikknopf, Livestreaming und eine direkte Sprachverbindung zu Sicherheitsverantwortlichen. Damit überträgt Axon sein bestehendes Ökosystem auf einen wesentlich größeren kommerziellen Markt.

Investoren der Axon Enterprise-Aktie können sich über operatives Gewinnwachstum freuen

Die Profitabilität entwickelte sich auf den ersten Blick ebenfalls gut. Das bereinigte EBITDA stieg um mehr als 40 % auf 242 Mio. US-Dollar. Die entsprechende Marge erreichte 26,8 %. Das ausgewiesene operative Ergebnis verbesserte sich von einem leichten Verlust im Vorjahresquartal auf einen Gewinn von 47 Mio. US-Dollar. Unter dem Strich verdiente Axon 29 Mio. US-Dollar beziehungsweise 0,36 US-Dollar je Aktie. Im Vorjahresquartal waren es 36 Mio. US-Dollar beziehungsweise 0,45 US-Dollar je Axon Enterprise-Aktie gewesen. Der Rückgang entstand vor allem, weil Axon im Vorjahr von einem ungewöhnlich hohen Steuervorteil profitiert hatte. Vor Steuern verbesserte sich das Ergebnis.

Eine wichtige Einschränkung sind die erhaltenen Rückerstattungen für zuvor gezahlte Zölle. Sie unterstützten insbesondere die Marge im Gerätegeschäft und das bereinigte EBITDA. Insgesamt erhielt Axon im Quartal 47 Mio. US-Dollar. Ein Teil davon betraf allerdings Aufwendungen früherer Perioden oder Vermögenswerte, deren Kosten erst später erfolgswirksam geworden wären. Wir sollten daher nicht den gesamten Betrag einfach vom Quartalsgewinn abziehen. Klar ist dennoch: Ohne diesen positiven Effekt wären EBITDA und Margen schwächer ausgefallen.

Die konzernweite Bruttomarge blieb mit 60,4 % unverändert. Bereinigt sank sie leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 62,9 %. Ein höherer Anteil professioneller Dienstleistungen und die Skalierung neuer Produkte belasteten die Profitabilität. Dagegen halfen die Zollerstattungen. Der Geschäftsbereich mit vernetzten Geräten verbesserte seine ausgewiesene Bruttomarge von 48,6 % auf 51,9 %. Die Softwaremarge ging dagegen zurück.

Abzüge in der B-Note für die Axon Enterprise-Aktie

Kritisch bleibt die aktienbasierte Vergütung. Allein in den Umsatzkosten, Vertriebs- und Verwaltungsausgaben sowie Forschungs- und Entwicklungskosten waren im zweiten Quartal rund 144 Mio. US-Dollar an Aktienvergütungen enthalten. Für das gesamte Jahr erwartet Axon Aufwendungen von 590 Mio. bis 620 Mio. US-Dollar. Das entspricht einem erheblichen Anteil des erwarteten Umsatzes. Rund 280 Mio. US-Dollar entfallen auf ein breites Mitarbeiterprogramm und die erfolgsabhängige Vergütung des Vorstandsvorsitzenden. Diese Programme schaffen zwar Anreize, stellen für uns als Aktionäre aber reale Kosten und eine mögliche Verwässerung dar.

Der Cashflow ist ebenfalls noch nicht überzeugend. Der operative Cashflow verbesserte sich von minus 92 Mio. auf plus 20 Mio. US-Dollar. Nach Investitionen entstand jedoch weiterhin ein kleiner freier Mittelabfluss von 1 Mio. US-Dollar. Axon baut seine Lagerbestände aus, um die hohe Nachfrage bedienen zu können. Hinzu kamen zeitliche Verschiebungen bei Rechnungsstellung und Kundenzahlungen. Das Wachstum und das hohe bereinigte EBITDA übersetzen sich momentan daher nur eingeschränkt in frei verfügbare Liquidität.

Zum Quartalsende verfügte Axon über liquide Mittel und kurzfristige Anlagen von 685 Mio. US-Dollar. Dem standen vorrangige Anleihen mit einem Nennwert von 1,8 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich eine Nettoverschuldung von rund 1,1 Mrd. US-Dollar. Sie ist angesichts des Wachstums und der hohen wiederkehrenden Erlöse tragbar. Die Bilanz ist jedoch nicht mehr so konservativ wie in früheren Jahren.

Die Prognose für die Axon Enterprise-Aktie

Nach dem starken Quartal hob das Management die Umsatzprognose erneut an. Axon erwartet für 2026 nun ein Wachstum zwischen 32 % und 34 %. Zuvor lag die Spanne bei 30 % bis 32 %. Die bereinigte EBITDA-Marge soll weiterhin ungefähr 25,5 % erreichen. Für Investitionen plant das Unternehmen zwischen 160 Mio. und 190 Mio. US-Dollar. Die Prognose wird durch die Auftragsbasis von 15,1 Mrd. US-Dollar und eine weiter wachsende Vertriebspipeline gestützt.

Wir sind mit dem zweiten Quartal insgesamt sehr zufrieden. Axon wächst in sämtlichen wichtigen Bereichen um mehr als 30 %. Besonders die Entwicklung der Cloud-Software, der KI-Produkte und der Drohnenabwehr zeigt, wie erfolgreich das Unternehmen neue Geschäftsfelder an sein bestehendes Ökosystem anschließt. Die hohe Nettoumsatzbindung und die langfristigen Buchungen schaffen gleichzeitig eine außergewöhnlich gute Planbarkeit.

Axon Enterprise-Aktie: Unser Fazit

Ganz ohne Schwächen ist das Quartal jedoch nicht. Die Softwaremarge sinkt, der freie Cashflow bleibt trotz des starken EBITDA nahezu bei null und die aktienbasierte Vergütung ist enorm. Zudem profitierte das Ergebnis von einmaligen Zollerstattungen. Axon muss deshalb beweisen, dass die neuen Produkte nicht nur hohe Umsätze erzeugen, sondern langfristig auch ähnliche Margen und Cashflows wie das etablierte Cloud-Geschäft erreichen.

Die operative Dynamik bleibt beeindruckend. Der Anspruch an die zukünftige Profitabilität steigt allerdings genauso schnell. Die aktuellen Zweifel des Marktes wird das Unternehmen ausräumen müssen, um der Axon Enterprise-Aktie wieder einen Anstieg auf 800 US-Dollar und darüber zu ermöglichen.

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