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Amazon oder Zalando: Welche E-Commerce-Aktie ist die bessere?

am Scheideweg Depot
Foto: Getty Images

Onlinehandel ist zweifellos ein Megatrend der heutigen Zeit: In den vergangenen Jahren wechselten immer mehr Waren online den Besitzer und es ist kein Ende dieses Trends in Sicht. E-Commerce-Aktien wie Amazon (WKN: 906866) profitierten davon und konnten frühe Investoren reich machen. Durch das weitere Branchenwachstum könnten es E-Commerce-Aktien auch zukünftig schaffen, den Markt zu schlagen.

Viele Investoren denken bei E-Commerce-Aktien natürlich sofort an Amazon, doch wir haben mit Zalando (WKN: ZAL111) auch ein erfolgreiches deutsches Unternehmen, das ebenfalls ganz vorne in der Onlinehandelsbranche mitspielt. Was würde sich mehr anbieten als ein knallhartes Duell zwischen Amazon und Zalando? Los geht’s!

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Was machen die beiden Unternehmen?

Amazon ist eines der spannendsten Unternehmen unserer Zeit. Gründer Jeff Bezos hat in nur gut zwei Jahrzehnten ein Unternehmen aus dem Boden gestampft, das fast jeder auf der Welt kennt und das an der Börse mit einer Billion Dollar bewertet wird.

Amazon ist absolut führend im E-Commerce mit einem Marktanteil von knapp 50 % in den USA, in Westeuropa kommt Amazon immerhin noch auf 22 %. Doch Onlinehandel ist bei Weitem nicht das Einzige, womit Amazon sein Geld verdient: Über 73 % des operativen Gewinns erwirtschaftete Amazon im ersten Halbjahr 2018 mit AWS, dem hauseigenen Cloud-Dienst. Auch in dieser Branche ist Amazon der unangefochtene Marktführer.

Zudem erschließt Amazon laufend neue Geschäftsfelder und dringt zum Beispiel in den stationären Einzelhandel vor, erwirtschaftet immer höhere Gewinne durch Onlinewerbung und bietet einen Streamingdienst an. Kurz gesagt: Amazon ist irgendwie überall und hört nicht auf, in weitere Bereiche der Wirtschaft vorzudringen.

Zalando hingegen verfolgt eine ganz andere Strategie. Angefangen von einem Onlineshop für Schuhe, ist Zalando in den letzten zehn Jahren zur führenden europäischen Onlineplattform für Mode geworden. Außerdem entwickelt Zalando seit 2010 eigene Modemarken, die Lücken im Sortiment der Onlinestores ergänzen sollen. In dieser Nische ist Zalando absolut spezialisiert.

Zalando setzt dabei ähnlich wie Amazon nicht auf schnelle Gewinne: Durch langfristig ausgerichtete Investitionen sollen Marktanteile gewonnen werden, die irgendwann später zu erhöhten Geldzuflüssen führen können.

Beide Unternehmen sind in interessanten Geschäftsfeldern tätig, Amazon ist aber deutlich breiter aufgestellt als Zalando. Falls ein Geschäftssegment schlechter laufen sollte, kann das locker von anderen aufgefangen werden. Zalando ist dafür zwar das „reinere“ E-Commerce-Unternehmen unter den beiden, ich sehe bei Amazon aber ein wesentlich geringeres Geschäftsrisiko, weshalb Amazon hier den Punkt mitnimmt.

Welche Wachstumschancen ergeben sich?

Nach Zahlen von ibi research lag der Anteil der Onlineumsätze am gesamten Einzelhandel im Jahr 2016 bei 9,1 %. Laut den Forschern könnte dieser Anteil bis zum Jahr 2023 auf 19,8 % ansteigen und sich damit mehr als verdoppeln. Davon sollten beide Unternehmen massiv profitieren können.

Amazon ist im E-Commerce, aber auch in den anderen Geschäftsfeldern so optimal aufgestellt, dass man sich um zukünftiges Wachstum eigentlich gar keine Sorgen zu machen braucht. Analysten rechnen für das laufende Jahr mit Umsätzen in Höhe von 234,9 Mrd. Dollar, 2019 sollen es sogar 286,5 Mrd. Dollar werden. Das entspricht jährlichen Wachstumsraten von 32 und 22 % im Vergleich zu den Vorjahren.

Zalando hatte in Europa im Jahr 2017 einen Anteil von 1,3 % im europäischen Modemarkt. Das langfristige Ziel Zalandos ist es, diesen Anteil auf 5 % zu erhöhen, das kommt einer knappen Vervierfachung gleich! Das mittelfristige Umsatzwachstumsziel Zalandos liegt bei einer Wachstumsrate von 20 bis 25 % im Jahr.

Beide Unternehmen können langfristig noch unfassbar viel Wachstum abrufen. Während Amazon bald aber zeigen muss, wie weit es überhaupt noch wachsen kann, steht Zalando relativ am Anfang der Entwicklung und könnte seinen Umsatz locker vervielfachen. Da man bei Amazon aber nie weiß, in welche Branchen das Unternehmen noch vorstoßen wird, um Umsätze zu generieren, geht dieses Teilduell unentschieden aus.

Wie sehen die Unternehmenszahlen aus?

Wir müssen auch einen Blick auf die Zahlen werfen. Denn in den Bilanzen können sich Anzeichen verstecken, dass die Unternehmen leicht in finanzielle Schwierigkeiten gelangen könnten, wenn das Geschäft stockt. Ich werde einen Blick auf drei Kennzahlen werfen, von denen ich denke, dass sie finanzielle Probleme recht gut aufdecken.

EigenkapitalquoteLiquidität 3. GradesZinsdeckungsgrad
Amazon26,1 %107,2 %7,3
Zalando51,1 %167,5 %10,6

Quelle: eigene Berechnungen, Quartalsabschlüsse 2. Quartal 2018

Der Vergleich fällt relativ eindeutig aus: Zalando ist zu einem knapp doppelt so hohen Anteil mit Eigenkapital finanziert wie Amazon. Eigenkapital hat im Gegensatz zu Fremdkapital die Vorteile, dass es nicht zurückgezahlt werden muss und keine Zinszahlungen fällig werden, daher gefällt mir die Eigenkapitalquote von Zalando viel besser.

Die Liquidität 3. Grades ist ein Maß dafür, ob ein Unternehmen theoretisch in der Lage wäre, alle kurzfristigen Verbindlichkeiten mit seinen kurzfristigen Vermögenswerten zu begleichen. Auch hier steht Zalando viel besser da als Amazon.

Der Zinsdeckungsgrad setzt die Zinszahlungen ins Verhältnis zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT). Hier sind beide Unternehmen weit vom kritischen Bereich entfernt, die operativen Einnahmen übersteigen die Zinszahlungen deutlich. Doch auch hier schneidet Zalando ein Stück besser ab. Daher geht dieser Punkt klar an Zalando.

Wie sind die Unternehmen bewertet?

Es ist schwierig, junge Wachstumsunternehmen wie Amazon oder Zalando mit klassischen Kennzahlen zu bewerten. Der Markt preist zukünftige Gewinnsteigerungen in den Aktienkurs ein, weshalb Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ihre Aussagekraft verlieren. Wir können jedoch versuchen, mit dem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und dem Price-Earnings-Growth-Ratio (PEG) eine Vorstellung von den Bewertungen zu gewinnen.

Kurs-Umsatz-VerhältnisPrice-Earnings-Growth-Ratio
Amazon5,641,59
Zalando2,313,88

Quelle: eigene Berechnungen, Jahresabschlüsse 2017, Schlusskurse vom 14. September 2018

Hier ergibt sich ein gemischtes Bild. Nach dem KUV ist Zalando nur halb so teuer bewertet wie Amazon. Zieht man das PEG heran (es berechnet sich, indem man das KGV durch die erwarteten Gewinnsteigerungen teilt), ist Amazon jedoch deutlich günstiger, da Analysten damit rechnen, dass die Gewinne Amazons in den nächsten Jahren explosiv ansteigen werden.

Auch bei diesem Duell werden die Punkte geteilt.

And the winners are …

Es steht 3:3, unentschieden! Amazon punktet durch das klar breiter aufgestellte Geschäftsmodell, die Wachstumsaussichten sowie die vertretbare Bewertung nach PEG. Zalando gewinnt ebenfalls Punkte bei den Wachstumschancen, hat die solidere Bilanz und ist nach dem KUV deutlich günstiger bewertet.

Manche Investoren könnten die Sorge haben, dass Zalando irgendwann durch Amazon aus dem Markt gedrängt wird. Ich sehe dieses Risiko nicht. Zalando behauptet sich schon lange gegen die amerikanische Konkurrenz, und im Modemarkt macht so schnell niemand Zalando etwas vor, auch Amazon nicht.

Beide Unternehmen sind in meinen Augen Basisinvestitionen in der E-Commerce-Branche und scheinen stark aufgestellt, um auch in Zukunft tolle Wachstumsraten liefern zu können.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Amazon und Zalando. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon. The Motley Fool empfiehlt Zalando.



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