Chemieriese mit 43 Mrd. Euro Schuldenberg und schrumpfendem Eigenkapital – wie groß sind die Probleme der BASF?

Verschiedene farbige Flaggen mit dem BASF Logo und Slogan
Foto: BASF SE

Hohe Verbindlichkeiten, steigende Zinsen und ein negativer Cashflow – ein Rezept für ein Desaster. Genau das scheint jedoch derzeit auf die BASF (WKN: BASF11) zuzutreffen, wenn man das Zahlenwerk des Chemie-Konzerns durchsieht. Dass der Aktienkurs über die letzten fünf Jahre mehr als ein Viertel abgegeben hat, spricht ebenfalls dafür, dass irgendetwas mit der BASF nicht stimmt.

Kann man auf dieser Basis weiterhin mit traumhaften Dividendenrenditen von 7,5 % und mehr rechnen? Eine genauere Analyse sollte darüber Aufschluss geben.

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Darum fiel der Cashflow zuletzt negativ aus

Im Vorjahresquartal fiel ein negativer Cashflow von über 1 Mrd. Euro an. In diesem Märzquartal war es zwar nur die Hälfte, aber immer noch deutlich negativ. Beim freien Cashflow sogar -1,5 Mrd. Euro. Der Unterschied der beiden Kennzahlen geht auf Auszahlungen für immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen in Höhe von 0,9 Mrd. Euro zurück.

Eine Rolle spielt dabei das Segment für Agrikultur-Lösungen, wo in den ersten Monaten des Jahres vor dem Beginn der Aussaat auf den Feldern der nördlichen Hemisphäre große Bestände aufgebaut werden. Zudem bezahlen viele Landwirtschaftsbetriebe nicht sofort die gelieferte Ware, weshalb die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um 2,8 Mrd. Euro hochgeschossen sind.

Das ist bei BASF saisonüblich und kein Grund zur Sorge, wie der operative Gewinn in Höhe von 1,7 Mrd. Euro belegt. Im Laufe der kommenden Monate dürften die ausstehenden Rechnungen größtenteils beglichen werden und die Kassen wieder auffüllen.

Warum das Eigenkapital geschrumpft ist

Das erklärt jedoch noch nicht, warum das Eigenkapital zum 31. März um 8,2 % geringer ausgewiesen wurde als im Vorjahr. Es sank von 42,1 auf 38,6 Mrd. Euro bzw. von 40,7 auf 37,2 Mrd. Euro, wenn man die „Nicht beherrschende Anteile“ ausklammert. In beiden Fällen stellt sich die Frage, wo die 3,5 Mrd. Euro geblieben sind.

Auch hier hilft es, sich die Einzelpositionen anzusehen, aus denen sich das Eigenkapital zusammensetzt. Nur unwesentlich verändert haben sich die folgenden:

  • Gezeichnetes Kapital
  • Kapitalrücklage
  • Sonstige Eigenkapitalposten

Einzig bei „Gewinnrücklagen und Bilanzgewinn“ ist ein mächtiger Unterschied von 3,1 Mrd. Euro festzustellen. Was hat es damit auf sich? Das jüngste Quartalsergebnis kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, denn dort fiel ein Nachsteuergewinn von 1,4 Mrd. Euro an (Vorjahr: 1,6 Mrd. Euro).

Zwar gab es im vierten Quartal 2023 einen Verlust in Höhe von 1,6 Mrd. Euro, aber in Summe der letzten vier berichteten Quartale kommt in etwa ein ausgeglichenes Ergebnis heraus. Auf Seiten der Gewinnrücklagen hat sich also nicht viel getan. Die Lösung des Rätsels muss sich beim Bilanzgewinn finden lassen.

Und tatsächlich: Dividendenzahlungen für das Jahr 2022 von über 3 Mrd. Euro reduzieren in gleicher Höhe das Eigenkapital. Da im vergangenen Jahr nur ein Minigewinn erwirtschaftet wurde, musste aus der Substanz ausgeschüttet werden. Der Rest erklärt sich über Währungseffekte und versicherungsmathematische Verluste.

Jetzt am 30. April hat die BASF erneut eine Dividende ausgeschüttet und somit das Eigenkapital um weitere 3 Mrd. Euro schrumpfen lassen.

Wie hoch die Verschuldung wirklich ist

Zu den hohen Ausschüttungen und geringen Gewinnen kommen noch massive Investitionsprojekte wie das Mega-Werk im südchinesischen Zhanjiang oder die eigene Transformation in Richtung Nachhaltigkeit.

Trotz des Verkaufs einiger kleinerer Geschäftsbereiche sind die Finanzschulden daher leicht auf 21 Mrd. Euro gestiegen. Die Gesamtverbindlichkeiten sind mit 43 Mrd. Euro sogar doppelt so hoch (Vorjahr: 44 Mrd. Euro). Zwar standen zum 31. März immerhin Zahlungsmittel von 2,8 Mrd. Euro in der Bilanz. Aber die hat der Chemiekonzern, wie zuvor erwähnt, im April ausgeschüttet.

Allerdings gibt es daneben noch 32 Mrd. Euro sonstige kurzfristige Vermögenswerte, darunter allein schon Vorräte und Forderungen (aus Lieferung und Leistung) von zusammen 27,5 Mrd. Euro. Soweit die Vorräte abverkauft werden können und es gelingt, die Forderungen einzutreiben, ist auf absehbare Zeit kein Liquiditätsengpass zu befürchten.

Dennoch möchte ich noch sehen, welches Vermögen den langfristigen Verbindlichkeiten gegenübersteht. Dort machen die Sachanlagen mit 25,6 Mrd. Euro den größten Posten aus. Das sind im Wesentlichen die Fabriken. Solange Ludwigshafen wirtschaftlich arbeiten kann und die internationalen Standorte nicht sabotiert oder sozialisiert werden, sollte dieser Wert stabil bleiben. Dass mit sprunghaften Energiepreisen und einer schwer kalkulierbaren chinesischen Führung durchaus ein Fragezeichen dahinter gesetzt werden kann, sollte man aber nicht ignorieren.

Ebenso sind immaterielle Vermögenswerte stets zu hinterfragen. Sie stehen mit 12,2 Mrd. Euro in der Bilanz. Beteiligungen und Finanzanlagen wiederum summieren sich auf 8 Mrd. Euro und sind ebenfalls anfällig für Abschreibungen. Noch ist der Puffer allerdings komfortabel, mit einem aktuellen Eigenkapital von rund 35 Mrd. Euro. Wichtig wäre jedoch, dass die BASF künftig wieder mehr verdient, als sie ausschüttet, um die Bilanz stabilisieren zu können.

Kann die BASF ihre Schulden bedienen und gleichzeitig hohe Dividenden bezahlen?

Wegen der 21 Mrd. Euro Finanzschulden, denen ein deutlich geringeres Finanzvermögen gegenübersteht, ergab sich im ersten Quartal ein Finanzergebnis von -146 Mio. Euro, nach -119 Mio. Euro im Vorjahr. Die Nettoaufwendungen im Zusammenhang mit Fremdwährungsanleihen und dazugehörigen Sicherungsinstrumenten wurden als Hauptgrund für die Steigerung genannt.

Ein Faktor sind aber auch die erhöhten Zinsen, die sich dank der langfristigen Finanzierungsstruktur schrittweise auswirken. Noch profitiert die BASF von den Minizinsen vergangener Jahre. Aber schon 2025 werden einige dieser Anleihen auslaufen und müssen teurer refinanziert werden. Möglich wäre auch eine Innenfinanzierung, aber dafür müsste man möglicherweise auf die üppige Dividende verzichten.

Minizinsen sind Vergangenheit: Derzeit müsste die BASF für neue zehnjährige Euro-Anleihen etwa 3,6 % Zinsen bieten. Rechnet man damit, dann kommt man auf einen jährlichen Zinsdienst – bezogen auf 21 Mrd. Euro Finanzschulden – von 756 Mio. Euro. Das ist viel, aber für den Chemieriesen problemlos tragbar, soweit das Geschäft läuft. Wenn künftig wieder übliche 6 Mrd. Euro Betriebsgewinn anfallen, dann muss man sich keine Sorgen um die Verschuldung machen. Zumal gegen Ende des Jahres noch 1,56 Mrd. Euro aus der Einbringung der Beteiligung Wintershall DEA in Harbour Energy in die Kassen fließen wird.

Dennoch: Bei einem für 2024 prognostizierten EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 8,0 und 8,6 Mrd. Euro und einem freien Cashflow zwischen 0,1 und 0,6 Mrd. Euro wird BASF für die Dividende voraussichtlich erneut an die Substanz ran müssen, bei steigenden Finanzierungskosten. Ob der Chemiekonzern in den Folgejahren wirklich wie erhofft seine Ergebnisse steigern kann, steht angesichts der vielen Unsicherheiten noch in den Sternen.

Mein Fazit

Insgesamt komme ich zum Ergebnis, dass die saftige Dividende auch in Zukunft bezahlt werden kann, soweit nichts Einschneidendes passiert. Die Hauptsorge betrifft weniger die Finanzverschuldung als vielmehr das komplexe Marktumfeld mit all den Risiken, denen die BASF ausgesetzt ist. Ein Witwen- und Waisenpapier ist die BASF-Aktie derzeit nicht in meinen Augen.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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