„Solltest du wirklich 100.000 Euro für 3.000 Euro Rendite aus der Hand geben?“

Ein Prozent-Zeichen aus Wolken am blauen Himmel
Bild: Aktienwelt360, KI-generiert via Dall-E

Lieber Aktiensegler,

erst vor Kurzem las ich sinngemäß eine in etwa ähnlich lautende Frage: Sollte man für 3.000 Euro Rendite wirklich 100.000 Euro aus der Hand geben? Der Kontext ist relativ einfach und klar: Es geht um Tages- und Festgeld.

Auch den Hintergrund dieser Anlagen können wir sehr einfach definieren. Tagesgeld und Festgeld gelten mit der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro als sehr sicher. Wir bekommen derzeit problemlos ca. 3 % Rendite pro Jahr. Besonders im Festgeldbereich oder bei sogenannten Sparbriefen auch bis zu einem Jahr. Das bedeutet, dass wir nicht einmal groß Zinshopping betreiben müssten, um sichere 3.000 Euro einzufahren. Unter der Voraussetzung, dass wir 100.000 Euro Vermögen besitzen.

Ich möchte dir gar nicht die Antwort auf die Frage oben liefern, sondern ein differenziertes Meinungsbild aufmachen. Grundsätzlich glaube ich nämlich, dass dieser Deal gar nicht so verkehrt ist. Zumindest unter einer Voraussetzung.

Für 100.000 Euro 3.000 Euro bekommen: Warum nicht?!

Die Voraussetzung ist, dass man als Anleger sein Geld kurzfristig nicht benötigt und es ebenso kurzfristig wie flexibel anlegen kann. Das bedeutet beispielsweise, dass Tagesgeld eine ernsthafte Option ist, um einen kleineren Teil seines Vermögens mit einer geringen Rendite zu parken. Aber auch per Festgeld kann man mit rollierend auslaufenden Verträgen ein gewisses Maß an Flexibilität erreichen.

Flexibilität wäre mir persönlich bei solchen Angeboten wichtig. Gerade, wenn es um beispielhafte 100.000 Euro geht, sollte man dieses Vermögen nicht unbedingt für zwei oder drei Jahre fix aus der Hand geben. Ansonsten läuft man Gefahr, dass man sich für eine zu geringe Rendite zu lange bindet. Aber um kurzfristig aus einer Cash-Position ein höheres Vermögen zu machen, eignen sich solche Instrumente.

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Selbst ich nutze Tages- und Festgeldverträge mit kurzen Laufzeiten. Das bedeutet natürlich nicht, dass du es zwangsläufig auch tun musst. Aber wenn du etwas Cash auf der Hand hast, bieten dir solche Varianten flexible Möglichkeiten, zumindest eine kleine Rendite einzufahren und den Vermögensaufbau anzukurbeln.

Wo das Geld langfristig hingehört

Doch natürlich bleibe ich als Analyst der Aktienwelt360 meiner Überzeugung treu: Das Vermögen, das man für langfristige Ziele einsetzen möchte, gehört in Aktien. Bei üblichen Renditen, die auf Sicht des breiten Marktes eher in Richtung 7 bis 9 % pro Jahr tendieren, sind gerade größere Vermögen von 100.000 Euro hier langfristig besser aufgehoben. Der Kapitalmarkt ist zwar nicht flexibel, denn das Geld ist dort tendenziell eher langfristig gebunden. Dafür sind die Renditeaussichten deutlich attraktiver. Wobei der Aktienmarkt mit seiner Volatilität natürlich auch Risiken besitzt.

Um aber auch das sehr offen mit dir zu teilen: Persönlich halte ich den Aktienmarkt im Moment für eher teuer. Das bedeutet, dass ich ein wenig Cash aufbaue, Dividenden nicht reinvestiere und Cash zur Verfügung habe, das ich gerade eben nicht im Aktienmarkt investieren kann. Exakt dieses Geld lege ich im Tagesgeld- oder Sparbriefbereich kurzfristig an. Nicht, um die maximale Rendite zu erzielen. Sondern um eine kleine Rendite einzufahren, während ich auf die Chance warte, auch dieses Kapital produktiv und günstig im Aktienmarkt unterbringen zu können.

Warum auch nicht? Zu guter Letzt ist alles irgendwo gut, das unser Vermögen wachsen lässt. Und gerade für kurzfristig-orientierte Anleger sind die Konditionen bei festverzinslichen Wertpapieren nicht verkehrt. Du solltest bloß darauf achten, hier nicht hängen zu bleiben. Denn dein Geld kann durchaus mehr.

Auf dein Vermögen, deine Rendite und gelegentlich auch mal eine sichere, kurzfristige Anlage,

dein

Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360

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