Deutsche Telekom: Der Weg zum wertvollsten Telco-Konzern der Welt

Ein goldener Pokal oder eine goldene Trophäe für den Sieger und den Gewinner.
Foto: 3D Animation Production Company via Pixabay

Ist es nicht kurios, dass T-Mobile US (WKN: A1T7LU) der wertvollste Telekommunikationskonzern der Welt ist? Schließlich ist es nur eine von vielen Töchtern der Deutschen Telekom (WKN: 555750). Doch während T-Mobile eine Viertelbillion US-Dollar auf die Waage bringt, sind es bei der Telekom nur etwa 150 Mrd. Euro.

Könnte der Mutterkonzern dennoch eines Tages zur Nummer 1 aufsteigen, was die Marktkapitalisierung angeht? Um diese Frage zu beantworten, werde ich im Folgenden tief in die Bilanz eintauchen und versuchen, die Wachstumspotenziale und weitere Faktoren zu identifizieren, welche hinter dem Ungleichgewicht stehen.

Darum ist T-Mobile im Moment der wertvollste Telco-Konzern

Mit geschickten Deals ist es T-Mobile in den letzten Jahren gelungen, den lukrativen amerikanischen Mobilfunkmarkt zu einem Dreikampf zu konsolidieren. In solch einem Oligopol lässt sich gut Geschäfte machen. Und davon hat T-Mobile besser Gebrauch gemacht als die einstiegen Platzhirsche Verizon und AT&T. Sowohl der derzeitige CEO Mike Sievert als auch sein charismatischer Vorgänger John Legere leisteten großartige Arbeit.

Über die vergangenen zehn Jahre hat sich die Aktie fast verzehnfacht und damit den Spitzenplatz errungen. Selbst China Mobile, die mehr als eine Milliarde Mobilfunkkunden nennt, ist etwas weniger wert. T-Mobile kann seine 131 Millionen Abokunden offenbar weitaus besser monetarisieren.

T-Mobile ist also sowohl an seiner lokalen Konkurrenz vorbeigezogen, als auch an den Giganten aus Asien. Die einst starken europäischen Konzerne werden im Ranking nur noch unter „ferner liefen“ geführt. Davon ausgenommen ist natürlich die Deutsche Telekom. Wobei noch immer unklar ist, warum die Mutter kleiner ist als die Tochter.

Natürlich kontrolliert die Telekom nicht 100 % der Anteile von T-Mobile, da beide börsennotiert sind. Aber es sind insgesamt immerhin 59 %. Rechnet man die Anteile heraus, die sich aus der Stimmrechtsvereinbarung mit SoftBank ergeben, dann haben wir es immer noch eine Kapitalbeteiligung von 52 % zu tun, also mehr als die Hälfte.

Das gibt uns allerdings auch schon einen wichtigen Hinweis: Diese Beteiligung ist lediglich etwa 130 Mrd. US-Dollar wert. Um wertvoller als T-Mobile zu werden, muss das restliche Geschäft der Telekom weitere 130 Mrd. US-Dollar beisteuern. Das ist offenbar im Moment nicht der Fall. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

So wird die Deutsche Telekom zur globalen Nummer 1

Schritt 1: Stärkung der Bilanz

Nettofinanzverbindlichkeit von 137,7 Mrd. Euro lasteten Ende 2024 auf der Bilanz. Das ist auch der Hauptgrund, warum der Gesamtkonzern im Vergleich zur Tochter ein Leichtgewicht ist. Zumal diese Schulden z. T. hoch verzinst sind. Eine bis 2032 laufende US-Anleihe zahlt beispielsweise einen Kupon von 9,25 %.

Die Telekom hat hohe Cashflow-Zuströme, aber den Hauptteil setzt sie für den Erhalt und Ausbau seiner Netzwerke sowie Kapitalausschüttungen und den Zinsdienst ein. Eine gezielte Rückführung von Verbindlichkeiten fand in den letzten Jahren nicht statt. Um jedoch wertvoller als die Tochter zu werden, wäre dies fast eine zwingende Voraussetzung.

Aktienwelt360 Aktienkompass

+90,94%

Benchmark

+76,28%

Aktienwelt360 Aktienkompass

+90,94%

Benchmark

+76,28%

Anstatt Milliarden an seine Aktionäre auszuschütten, würde die Marktkapitalisierung in ähnlicher Höhe steigen, weil auf Jahre hinaus die Zinszahlungen geringer ausfallen und die Aktie durch mehr Eigenkapital unterfüttert wird.

Schritt 2: Verbesserung des Europageschäfts

T-Mobile hat 129,5 Mio. Kunden unter eigener Marke und machte damit 81,1 Mrd. US-Dollar Umsatz im vergangenen Jahr. Das sind über 600 US-Dollar Umsatz je Kunde. Im Europasegment wurde aus 49,7 Mio. Mobilfunk-Kunden 12,3 Mrd. Euro Umsatz, also lediglich knapp 250 Euro. Etwas mehr ist es in Deutschland mit ca. 375 Euro.

Klar ist, dass die Monetarisierung im hochkonzentrierten US-Markt besser funktioniert. Im kleineren deutschen Markt mit vier Wettbewerbern ist es schwieriger, höhere Preise durchzusetzen. Dennoch gibt es bestimmt Dinge, welche die Telekom von der US-Tochter lernen kann. Mehr Umsatz und steigende Margen treiben automatisch den Börsenwert.

Das könnte auch über eine Verbesserung der Kostenstruktur gelingen, beispielsweise über eine stärkere Vereinheitlichung über Ländergrenzen hinweg und Investitionen in die Automatisierung. Das Management arbeitet bereits an diesen Themen, sodass wir an dieser Front mit besseren Zahlen rechnen dürfen.

Schritt 3: Globales Ausschöpfen der Brand

Obwohl es T-Mobile ist, die der ikonischen T-Marke derzeit besonderen Glanz verleiht, gehört diese dem Mutterkonzern. Dieser nutzt sie natürlich auch ausgiebig in Deutschland und seinen anderen Märkten und kassiert Lizenzgebühren von seinen Töchtern.

Was wenige wissen: Das magentafarbene T ist mittlerweile sogar die wertvollste deutsche Marke, vor früheren Spitzenreitern wie Mercedes-Benz, Siemens und SAP. Zumindest wenn es nach dem Fachmedium Brand Finance oder dem „Kantar BrandZ Top 50 Most Valuable German Brands“-Ranking geht.

Kantar beziffert den Markenwert auf stattliche 105,7 Mio. US-Dollar und Brand Finance auf 85,3 Mio. US-Dollar. Darauf aufbauend könnte die Telekom noch viel mehr erreichen, denn jenseits von Europa und den USA wird sie bisher nur sehr begrenzt verwertet. Durch gezielte Monetarisierung der Marke – z. B. über Licensing-Modelle oder Co-Branding mit globalen Tech-Partnern – könnte sie neue Umsatzquellen außerhalb der klassischen Netze erschließen.

Das Management arbeitet bereits seit einiger Zeit an einer globalen Markenstrategie, um eine solche Internationalisierung anzuschieben. Als Trikotsponsor von Bayern München sieht jedes Jahr mehr als eine halbe Milliarde Menschen weltweit des große T in der Champions League. Seit 2023 gibt es auch den globalen Slogan „Connecting your world“.

In Bereichen wie Datensicherheit, Internet der Dinge, Smart Cities und digitale Identität kann die Telekom sicherlich einiges bieten. T-Systems ist mit solchen Themen bereits in Südamerika und anderen Regionen erfolgreich unterwegs. Und eine starke Marke hilft, um auch außerhalb der Heimatmärkte mit großen Unternehmen ins Geschäft zu kommen.

In Verbindung mit dem bereits etablierten Cloudgeschäft und der Integration von Künstlicher Intelligenz könnten skalierbare digital getriebene Lösungen ausgerollt werden. Je mehr die Telekom zum Anbieter digitaler Plattformen wird, desto größer werden die Potenziale.

Meine Prognose: Nicht vor 2035

Die Telekom schüttet bisher einen großen Teil seiner Gewinne aus und schiebt einen großen Schuldenberg vor sich her. Aber nicht nur deshalb ist die Beteiligung an der US-Tochter noch wertvoller, als die Summe von allem anderen: Sie ist eben auch operativ größer als der Rest.

Zwar hat der Konzern mit seiner globalen Branding-Strategie gute Argumente, um mehr Gewinne in das Geschäft zu reinvestieren, während T-Mobile mittlerweile Dividenden bezahlt, die der Mutter zugutekommen. Aber es wird dennoch ein Marathonlauf, um die Tochter einzuholen.

Wenn die Bilanz gestärkt wird, die Zinslast sinkt, das Europageschäft noch besser wird und über die globale Brand neue skalierbare Umsatzquellen erschlossen werden, könnte der Rest eines Tages schneller wachsen als die Tochter. Um den Rückstand aufzuholen, würden aber weitere Jahre vergehen, sodass ich frühestens in der zweiten Hälfte der 30er-Jahre damit rechnen würde, dass die Deutsche Telekom die Spitze von T-Mobile übernehmen kann – und bis dahin kann noch viel passieren.

10.000 % Rendite & mehr: Das Geheimnis von Amazon & Netflix geknackt!

Aktien wie Amazon, Netflix oder Monster Beverage haben in den letzten Jahrzehnten enorme Renditen gebracht. Mit dem richtigen Einstiegszeitpunkt waren sogar über 77.000 % Rendite möglich.

Dabei folgen solche Unternehmen klaren Mustern. In unserem kostenlosen Sonderbericht decken wir die Geheimnisse der besten Aktien auf – leicht verständlich und auf den Punkt gebracht.

Gratis-Report kostenlos anfordern

Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von T-Mobile US.



Das könnte dich auch interessieren ...