Wie 4 % Rendite dir schnell bis zu 50 % Verlust einbringen

Eine traditionelle Waage mit zwei Schalen
Foto: Sora Shimazaki via Pexels

Lieber Aktiensegler,

die erwartete Rendite spielt bei der Analyse von Aktien eine entscheidende Rolle. Was ist dabei ein guter Richtwert? Eine interessante Fragestellung. Allgemein bin ich der Meinung, dass jede realistische Renditeerwartung über dem breiten Markt einen näheren Blick verdient hat.

Der Markt neigt für gewöhnlich dazu, im langjährigen Durchschnitt auf eine Rendite zwischen 7 und 9 % pro Jahr zu kommen, je nachdem, welchen Index man betrachtet. Auch der jeweilige Zeitraum ist entscheidend.

Aber manchmal unterliegen wir einem Denkfehler. Wir preisen vermeintlich sichere Renditeerwartungen von beispielsweise 4 % pro Jahr als attraktiv an. Das kann schnell zu hohen Verlusten führen. Durchdenken wir heute daher einmal, was das bedeutet.

4 % Rendite pro Jahr: Warum der Wert so gefährlich ist!

Nehmen wir an, du kommst bei der Ermittlung der von dir erwarteten Rendite wirklich auf einen Wert von 4 %. Entweder weil beispielsweise die Gewinnrendite bei einem eher konstanten Unternehmen derart hoch erscheint, oder aber weil selbst mit optimistischen Wachstumsprognosen kaum ein höherer Wert realistisch erscheint. Was ist die Folge?

Einerseits: Du wirst, wenn du langfristig investiert bleibst, wohl auf eine positive Rendite kommen. Ein profitables Unternehmen, dessen Aktie wir 30 Jahre halten, wird mit seinen Gewinnen irgendwann einen positiven Beitrag liefern. Die Kehrseite ist jedoch, dass der Markt kurz- und mittelfristig bei einer realistischen Einschätzung ebenfalls die teure Bewertung sieht.


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Die Folge? Die Aktie dürfte verkauft werden. Denn die Investoren fordern irgendwann eine Bewertung, die zumindest eine marktübliche Rendite wahrscheinlich werden lässt. Das ist keine exakte Raketenwissenschaft in der Praxis. Aber es kann bedeuten, dass eine Aktie mit einer anvisierten Rendite von lediglich 4 % um 50 % korrigiert, damit neue Einkäufer wieder auf eine näherungsweise marktübliche Rendite von ca. 8 % pro Jahr kommen.

Das Konzept klingt für dich sehr theoretisch? Dann lass uns das mit ein wenig Praxis unterfüttern. Nehmen wir zum Beispiel den US-amerikanischen Telekommunikationskonzern Verizon Communications. Im Jahre 2019 notierte die Aktie noch bei ca. 57 Euro. Damals gab es ein leichtes Wachstum, das die Fantasie auf ein gutes Gewinnwachstum ermöglichte. Es folgte eine Phase, die wir eher als Stagnation bezeichnen können. Die Aktie korrigierte von 57 Euro auf 28 Euro im Jahre 2023, weil der Markt die Stagnation nicht mit guten Renditen unter einen Hut bringen konnte. Aus damals ca. 4 % Dividendenrendite sind zwischenzeitlich ca. 7 % geworden. Das zeigt mir, dass die Rechnung in vielen Fällen früher oder später aufgeht.

Darum sind gute Aussichten so wichtig!

Eine Rendite von 4 % ist daher gefährlich. Zumindest, wenn sie die einzige Aussicht bleibt. Als Investoren müssen wir daher schauen, dass jedes unserer Investments und jede unserer Aktien realistisch auf 8 bis 12 % pro Jahr kommt. Wobei wir durchaus konservativ kalkulieren sollten.

Denn Aktien sind mit Risiken verbunden. Ein Risiko für uns Investoren ist und bleibt eine zu hohe Bewertung. Stimmt unsere Renditeerwartung nicht, bezahlen wir den Preis dafür. Und der kann, trotz jeder defensiven Klasse, in einem empfindlichen Minus liegen.

Auf deine gute Rendite,

Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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