Jahrestief und 3,1 % Dividende: Kaufchance bei diesem schwedischen Nebenwert?

Ein voll beladenes Containerschiff fährt bei Sonnenuntergang durch den Hafen
Foto: Martin Damboldt via Pexels

I-Tech (WKN: A2JM14), der schwedische Entwickler von umweltfreundlichen Antifouling-Anstrichen für Schiffsrümpfe, hat in Europa einen Rückschlag erlitten. In einer Pressemitteilung informierte das Unternehmen darüber, dass die Europäische Kommission ein Durchführungsgesetz entworfen habe, das die Nichtverlängerung der Zulassung des I-Tech-Produktes Selektope gemäß der Biozid-Verordnung der Europäischen Union (EU) vorschlägt. Die I-Tech-Aktie verlor daraufhin innerhalb von zwei Tagen knapp ein Fünftel an Wert. Auf Jahressicht liegt das Papier nun im Minus.

In der Pressemitteilung legt I-Tech ausführlich dar, warum diese Entscheidung ihrer Meinung nach nicht gerechtfertigt ist. Dazu zählen angebliche Fehler in der Analyse, aber auch zukünftige Wettbewerbsnachteile, die Europa im Vergleich zu Asien, wo Selektope seit Langem anerkannt ist, entstehen würden.

Eine endgültige Entscheidung wird in der ersten Hälfte des nächsten Jahres erwartet.

Was wären die Auswirkungen für die I-Tech-Aktie?

Sollte die EU das Verbot durchsetzen, wären die direkten Auswirkungen auf I-Tech vergleichsweise gering, da die EU derzeit nur etwa 2 % des Umsatzes von I-Tech und etwa 10 % des adressierbaren Marktes ausmacht.

Allerdings besteht immer das Risiko, dass sich ein Verbot negativ auf die Bemühungen von I-Tech auswirkt, in andere Märkte wie die USA einzutreten, auch wenn diese nicht sehr groß wären. Bedeutender sind die erneuten Zulassungsverfahren in Regionen, in denen das Unternehmen bereits eine Zulassung erhalten hat (vor allem Japan, Südkorea und China). Darüber hinaus besteht auch das Risiko, dass Lackhersteller davon abgehalten werden, Selektope in anderen Märkten zu verwenden.

Diese Nachricht und die ohnehin negative Stimmung im Hinblick auf die I-Tech-Aktie haben den Kurs auf den tiefsten Stand seit Ende 2024 gedrückt. Unserer Ansicht nach ist der Rückgang in dieser Form nicht gerechtfertigt. Die langfristigen Aussichten für I-Tech bleiben positiv. Es ist zu früh, um sagen zu können, ob der Entwurf genehmigt wird; angesichts des geringen Umsatzanteils des Unternehmens im EU-Markt erscheinen uns die Auswirkungen jedoch überschaubar.

Wie sind die aktuellen Unternehmenszahlen?

Bei I-Tech kamen zudem die jüngsten Quartalszahlen angesichts eines Kursminus von rund 15 % ganz offensichtlich nicht gut an – den Grund dafür können wir aber nicht wirklich ausmachen.

Aktienwelt360 Aktienkompass

+85,83%

Benchmark

+73,32%

Aktienwelt360 Aktienkompass

+85,83%

Benchmark

+73,32%

Es könnte am Umsatz gelegen haben. Hier gab es nämlich nur ein winziges Wachstum um 0,5 % auf 41 Mio. Kronen. Immerhin sind wir aus den letzten Jahren Werte um 40 % gewohnt. Selbst der Hinweis auf Währungseffekte konnte nicht mehr helfen: Tatsächlich betrug das währungsbereinigte Umsatzwachstum rund 10 %, was besser war als im Vorquartal. Aber eben auch schlechter als die langfristigen Werte.

I-Techs größter Kunde CMP erzielte seit Jahresbeginn ein Wachstum von 18 %. Die kleineren Kunden PPG (116 %), Jotun sowie Kansai Paint (jeweils 113 %) haben ihr Volumen mehr als verdoppelt. Der Großkunde, der zu Beginn des Jahres finanzielle Engpässe gemeldet hatte, hat sein geplantes Abnahmevolumen für 2025 dagegen im Vergleich zum Vorjahr reduziert.

Da I-Tech die Kosten weitgehend im Griff hat, konnte die Bruttomarge von 52 auf 57 % gesteigert werden und der operative Gewinn legte um 17,6 % auf 11,1 Mio. Kronen zu. Unterm Strich stand ein Gewinn von 9,4 Mio. Kronen (plus 20,4 %) oder 0,8 Kronen je I-Tech-Aktie. Die Nettomarge stieg damit von 19 auf 23 %. Das klingt für mich nicht nach einem Grund, die Aktie in den Keller zu schicken.

Der Ausblick für die I-Tech-Aktie

Waren es die Aussichten? Laut CEO Markus Jönsson sind die Vertragsabschlüsse zum Bau neuer Schiffe im Vergleich zum Vorjahr um 50 % gesunken, liegen aber noch im 10-Jahres-Durchschnitt. Der Markt in Korea, der im letzten Jahr noch für rund 50 % aller Umsätze stand, ist derzeit sehr schwach. Dies wurde jedoch durch Zuwächse in Japan und China mehr als ausgeglichen. Jönsson betonte auch, dass sich die Stimmung nach dem Sommer verbessert habe, insbesondere im Tanksegment. Allerdings bestünden weiterhin strategische Unsicherheiten hinsichtlich der geopolitischen Auswirkungen auf den langfristigen Handel und das Tempo der Dekarbonisierung.

Interessant sind die Vergleiche der einzelnen Quartale: Das letzte Quartal 2024 sowie das erste Quartal 2025 waren extrem stark. Das zweite Quartal 2025 war vergleichsweise schwach, weil es zu Verschiebungen zwischen den einzelnen Zeiträumen kam. Somit war das gerade abgelaufene Vierteljahr kein Reinfall, sondern das drittbeste der Unternehmensgeschichte. Allerdings werden sich die nächsten beiden Berichtszeiträume an ihren sehr starken Vorjahreszeiträumen messen lassen müssen, sodass es zu einem Umsatz- und Gewinnrückgang kommen könnte. Vielleicht hat das die Aktionäre der sehr hoch bewerteten I-Tech-Aktie verschreckt.

Es hätte natürlich auch an der ohnehin schlechten Börsenstimmung am 17. Oktober liegen können oder an der normalen Volatilität in diesem engen Nebenwert. Wer, wie, was, weiß wohl nur OBI.

Letztlich ist es müßig, sich über diese Dinge den Kopf zu zerbrechen. Wir halten es für wichtig, dass I-Tech in unseren Augen ein ordentliches Quartal mit steigenden Margen abgeliefert hat. Das Management ist trotz einzelner Probleme wie der gesamtwirtschaftlichen Gemengelage insgesamt optimistisch für den Sektor gestimmt. Aus unserer Sicht ist der Kursrückgang der I-Tech-Aktie übertrieben.

Langfristig denken wir, dass ein weltweit größeres Umweltbewusstsein sowie die Gewinnung neuer Anwendungsbereiche wie Yachten oder Gebäude im Wasser zu einem wachsenden Markt für das schwedische Unternehmen beitragen dürften.

Investieren wie ein Profi: Mit diesen Kennzahlen meisterst du jede Aktienanalyse!

Wenige Kennzahlen – maximaler Durchblick: In unserem exklusiven Sonderbericht zeigt dir Aktienwelt360-Chefanalyst Florian König, wie du mit 15 clever ausgewählten Bilanzkennzahlen jedes Unternehmen im Handumdrehen durchleuchtest.

Lerne, wie das Wälzen trockener Zahlen zur spannenden Schatzsuche für smarte Anleger werden kann. Praxisnah, fundiert und überraschend einfach erklärt – in unserem Sonderbericht „15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen”.

Jetzt lesen und deinen Investment-Kompass schärfen!

Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von I-Tech.



Das könnte dich auch interessieren ...