SoFi: Der Underdog, der von Trumps Zinsdeckelung auf Kreditkarten massiv profitieren könnte

Nahaufnahme eines Auges mit Dollarzeichen darin
Bild: geralt via Pixabay

Anfang Januar sorgte Donald Trump für Aufruhr in der Finanzbranche. Am 9. Januar postete der US-Präsident auf Truth Social, dass er ab dem 20. Januar eine Obergrenze von 10 % für Kreditkartenzinsen fordere – zunächst auf freiwilliger Basis durch die Kreditkartenunternehmen selbst. Sollten diese nicht mitspielen, drohte er mit rechtlichen Konsequenzen. Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten: Visa, Mastercard, American Express und die großen Banken verloren zwischen 4 und 6 % Marktwert.

Doch bis zum Stichtag ist nichts passiert. Die durchschnittlichen Kreditkartenzinsen liegen weiterhin bei über 20 %, manche Banken verlangen sogar 28 bis 32 %. Am 21. Januar 2026 änderte Trump während seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos seine Strategie und forderte den Kongress nun auf, ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden, das die 10-Prozent-Obergrenze für ein Jahr gesetzlich verankert. Dies stellt eine bedeutende Verschiebung dar: Anstatt einer direkten Anordnung an die Banken setzt der Präsident jetzt auf den legislativen Weg.

Im Senat gibt es bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf. Die Senatoren Josh Hawley und Bernie Sanders hatten im Jahr 2025 den „S. 381 Credit Card Interest Rate Cap Act“ eingebracht, der eine temporäre Obergrenze von 10 % vorsieht. Allerdings steckt dieser Entwurf seit Monaten im Ausschuss für Banken, Wohnungsbau und Stadtentwicklung fest und Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass er genügend überparteiliche Unterstützung findet, um tatsächlich Gesetz zu werden.

Die geforderte Zinsdeckung verursacht gemischte Gefühle

Die Reaktionen sind gespalten. JPMorgan-CEO Jamie Dimon warnte in Davos vor einem „wirtschaftlichen Desaster“ und schlug spöttisch vor, die Obergrenze testweise nur in Vermont und Massachusetts, den Heimatstaaten von Sanders und Elizabeth Warren, einzuführen, um „eine echte Lektion“ über Preiskontrollen zu erteilen. Verbraucherschützer hingegen fordern eine rasche Umsetzung, um überschuldete Haushalte zu entlasten. Bislang wurde der Vorschlag also nicht umgesetzt, und es hängt nun vom Kongress ab, ob und wann dies geschieht.

Doch selbst wenn das Gesetz nie verabschiedet wird, hat die Debatte etwas Wichtiges bewirkt: Sie rückt die Frage in den Fokus, wie teuer traditionelle Kreditkarten eigentlich sind und wie dringend Verbraucher nach Alternativen suchen. Genau hier könnte ein junges FinTech-Unternehmen aus San Francisco zum großen Gewinner werden. Es baut sein Geschäftsmodell seit Jahren darauf auf, faire Konditionen und niedrige Zinsen anzubieten. Die Rede ist von SoFi Technologies (WKN: A2QPMG).

Trump-Debatte als Katalysator für FinTech-Alternativen

Die Diskussion um die mögliche Zinsdeckung hat das Bewusstsein für ein massives Problem geschärft: Die Amerikaner haben aktuell 1,23 Bio. US-Dollar an Kreditkartenschulden angehäuft. Das ist die höchste Summe seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1999. Millionen Amerikaner zahlen jeden Monat Hunderte US-Dollar allein an Zinsen, ohne dass ihre Schulden wirklich schrumpfen. Die durchschnittlichen Zinssätze liegen bei über 21 %, in vielen Fällen sogar deutlich darüber.

Sollte der Cap tatsächlich kommen, würden traditionelle Banken massiv an Einnahmen verlieren. Die American Bankers Association warnte bereits, dass eine Obergrenze von 10 % die Kreditverfügbarkeit drastisch reduzieren würde, besonders für Kunden mit schlechterer Bonität. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 80 % der Amerikaner vom Kreditkartengeschäft ausgeschlossen werden könnten, wenn die Banken ihre Margen nicht mehr erreichen.

Doch selbst ohne gesetzliche Obergrenzen ist der Markt in Bewegung. Verbraucher suchen aktiv nach Alternativen zu teuren revolvierenden Krediten. Genau hier setzt SoFi an. Das Unternehmen bietet Privatkredite zur Umschuldung an, deren effektiver Jahreszins oft deutlich unter den üblichen Kreditkartenzinsen liegt. Während traditionelle Banken auf revolvierende Kredite mit hohen Zinsen und Mindestzahlungen setzen, bietet SoFi feste Laufzeiten, transparente Konditionen und eine Plattform, die alle Finanzprodukte unter einem Dach vereint.

Wer bei SoFi einen Kredit zur Umschuldung aufnimmt, kann gleichzeitig ein zinstragendes Girokonto eröffnen, in Aktien und ETFs investieren, eine eigene Kreditkarte mit niedrigeren Zinsen nutzen und von Cashback-Programmen profitieren. Mit dieser One-Stop-Shop-Strategie unterscheidet sich SoFi fundamental von traditionellen Banken und ist unabhängig von der Trump-Debatte ein potenzieller Profiteur, sollte das Gesetz tatsächlich verabschiedet werden.

SoFi-Aktie: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

SoFi meldete im dritten Quartal 2025 Rekordergebnisse, die zeigen, wie stark das Unternehmen mittlerweile dasteht. Der bereinigte Umsatz erreichte 950 Mio. US-Dollar, was einem Plus von 38 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das bereinigte EBITDA kletterte um 49 % auf 277 Mio. US-Dollar, was einer Marge von 29 % entspricht. Der Nettogewinn lag bei 139 Mio. US-Dollar und das Unternehmen verzeichnete zum achten Mal in Folge einen Gewinn (nach GAAP).

Mit 905.000 neuen Mitgliedern im dritten Quartal verzeichnete SoFi einen neuen Rekord für ein einzelnes Quartal und brachte die Gesamtzahl auf 12,6 Mio. Dies entspricht einem Wachstum von 35 % gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der von Mitgliedern genutzten Produkte stieg um 36 % auf 18,6 Mio. Besonders beeindruckend ist, dass 40 % aller neuen Produkte von bestehenden Kunden gebucht werden. Dies zeigt, dass die Plattform-Strategie funktioniert. Wer einmal bei SoFi ist, bleibt nicht nur, sondern nutzt immer mehr Angebote. Aus meiner Sicht sprechen diese Punkte deutlich für die SoFi-Aktie.

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Das Geschäftsmodell von SoFi basiert auf drei Säulen:

  • Erstens das Lending-Segment, das Privatkredite, Studentenkredite und Hypotheken umfasst. Im dritten Quartal wuchs dieses Segment um 23 % auf 481 Mio. US-Dollar Umsatz. Dieses Wachstum wurde durch ein Rekordvolumen von 9,9 Mrd. US-Dollar an Kreditvergaben angetrieben.
  • Zweitens die Finanzdienstleistungen, zu denen Girokonten, Sparkonten, Investmentprodukte und Kreditkarten gehören. Dieses Segment wuchs um 76 % auf 216 Mio. US-Dollar Umsatz.
  • Drittens gibt es die Technologieplattform Galileo, die auch andere Finanzinstitute mit Banking-as-a-Service-Lösungen beliefert.

Warum SoFi unabhängig von Trump ein starkes Unternehmen ist

Das Besondere an SoFi ist, dass das Unternehmen nicht von einem politischen Glücksfall abhängig ist, um erfolgreich zu sein. Die Fundamentaldaten stimmen bereits jetzt und das Geschäftsmodell profitiert von langfristigen Trends, die weit über die Amtszeit Trumps hinausreichen. Die Digitalisierung des Bankwesens schreitet weiter voran. Besonders jüngere Generationen meiden traditionelle Banken und setzen auf FinTechs, die mobil, transparent und nutzerfreundlich sind.

SoFi hat sich im Jahr 2022 eine vollwertige Banklizenz gesichert. Dadurch ist das Unternehmen in der Lage, Einlagen entgegenzunehmen und diese direkt zur Kreditvergabe zu nutzen, ohne auf teurere Fremdfinanzierung über Warehouse-Linien (Anmerkung der Redaktion: Das sind Kreditlinien, die der vorübergehenden Finanzierung von Hypotheken durch Kreditgeber dienen, bis diese an Investoren verkauft werden) angewiesen zu sein. Das senkt die Finanzierungskosten massiv. Im dritten Quartal lag die durchschnittliche Verzinsung auf Einlagen 190 Basispunkte unter der von Warehouse-Finanzierungen, was zu jährlichen Zinseinsparungen von rund 627 Mio. US-Dollar führt. Diese strukturelle Kosteneffizienz schlägt sich direkt in der Profitabilität nieder und verschafft SoFi einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Qualität der Kredite. SoFi bedient vorwiegend gut verdienende Kunden mit überdurchschnittlicher Bonität. Das durchschnittliche Einkommen der Kreditnehmer liegt bei 157.000 US-Dollar, der durchschnittliche FICO-Score bei 745 für Privatkredite beziehungsweise 773 für Studentenkredite. Die Netto-Ausfallquote bei Privatkrediten sank im dritten Quartal um 23 Basispunkte auf 2,60 %. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Underwriting-Modell funktioniert. Anders als viele andere FinTechs, die während der Niedrigzinsphase zu aggressiv wuchsen und jetzt unter hohen Ausfallraten leiden, bleibt SoFi bei der Kreditvergabe konservativ und selektiv.

Zudem hat das Unternehmen seine Bilanz weiter gestärkt. SoFi nahm im dritten Quartal 2025 1,7 Mrd. US-Dollar frisches Kapital auf und nutzte 1,2 Mrd. davon, um teurere Schulden zurückzuzahlen. Die Eigenkapitalbasis wuchs auf 7,2 Mrd. US-Dollar. Das macht das Unternehmen und auch die SoFi-Aktie widerstandsfähiger gegen Marktschocks und wirtschaftliche Abschwünge.

Die Expansion in neue Produkte und Märkte: Mehr Potenzial für die SoFi-Aktie

SoFi ruht sich nicht auf seinen Erfolgen aus, sondern erweitert sein Ökosystem kontinuierlich. So kündigte das Unternehmen Ende 2025 an, den Kryptohandel wieder vollständig in die App zu integrieren, nachdem dieser 2023 vorübergehend eingestellt worden war. Nutzer können nun Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen direkt über die SoFi-App kaufen, verkaufen und halten. Das trifft einen Nerv, denn viele jüngere Anleger interessieren sich für Kryptowährungen, wollen aber nicht zwischen mehreren Apps hin- und herwechseln.

Ebenfalls neu eingeführt wurde SoFi Pay, ein Service für internationale Zahlungen, der auf die firmeneigene Galileo-Technologie setzt. Damit positioniert sich SoFi als Konkurrent zu etablierten Anbietern wie Wise oder PayPal und erschließt ein weiteres Umsatzfeld. Zudem wurde das Angebot beim Optionshandel erweitert, was aktiven Investoren mehr Flexibilität bietet und dem Unternehmen zusätzliche gebührenbasierte Einnahmen beschert.

Die gebührenbasierten Einnahmen stiegen im dritten Quartal um 50 % auf 409 Mio. US-Dollar. Sie machen inzwischen 43 % des gesamten bereinigten Umsatzes aus. Das ist strategisch wichtig, denn es reduziert die Abhängigkeit vom reinen Zinsgeschäft und macht SoFi widerstandsfähiger gegenüber Zinsschwankungen oder regulatorischen Eingriffen. Während traditionelle Banken unter einem Niedrigzinsumfeld oder Zinsobergrenzen leiden würden, kann SoFi durch Gebühren aus Brokerage, Kartennutzung, Technologiedienstleistungen und Partnerschaften weiterhin profitabel wachsen. Und das macht die SoFi-Aktie entsprechend weniger anfällig für Volatilität.

CEO Anthony Noto formulierte es im Earnings Call selbstbewusst: „Unsere One-Stop-Shop-Strategie läuft auf allen Zylindern. Wir liefern eine außergewöhnliche finanzielle Performance und investieren gleichzeitig aggressiv in unser Geschäft, um dauerhaftes Wachstum zu sichern.“ Das Management erhöhte die Jahresprognose für 2025 erneut und übertraf damit zum wiederholten Mal die eigenen Erwartungen. Der bereinigte Umsatz soll nun bei 3,54 Mrd. US-Dollar liegen, 165 Mio. US-Dollar mehr als zuvor erwartet. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wird auf 0,37 US-Dollar hochgesetzt, von zuvor 0,31 US-Dollar. Für 2026 plant SoFi eine weitere Expansion, sowohl bei der Zahl der Mitglieder als auch bei den Produkten pro Mitglied.

Die SoFi-Aktie ist ein FinTech mit perfektem Timing und großem Potenzial

Ob Trumps Zinsobergrenze für Kreditkarten tatsächlich kommt oder im Kongress scheitert, ist für die langfristige Perspektive von SoFis letztendlich zweitrangig. Das Unternehmen profitiert auch ohne politische Eingriffe von einem fundamentalen strukturellen Wandel im Finanzsektor. Verbraucher fordern zunehmend faire Konditionen, transparente Produkte und digitale Lösungen, die ihr Leben vereinfachen, statt es zu komplizieren. SoFi liefert genau das und wächst dabei profitabel mit soliden Fundamentaldaten. Das Management hat bewiesen, dass es aus einer ursprünglichen Spezialisierung auf Studentenkredite eine vollwertige, diversifizierte Digitalbank aufbauen kann.

Die Trump-Debatte hat das Bewusstsein für die Probleme des traditionellen Bankensystems geschärft und könnte als Katalysator wirken, der mehr Verbraucher zu FinTech-Alternativen treibt. SoFi steht bereit, diese Kunden aufzufangen und ihnen eine bessere Alternative zu bieten. Mit 12,6 Mio. Mitgliedern, einem Umsatzwachstum von 38 %, einer EBITDA-Marge von 29 % und einem diversifizierten Geschäftsmodell, das sowohl Lending als auch gebührenbasierte Services umfasst, ist SoFi heute stärker aufgestellt als je zuvor.

Die SoFi-Aktie hat bereits im Jahr 2025 eine bemerkenswerte Performance gezeigt. Im Vergleich zu etablierten Banken oder anderen FinTechs bleibt SoFi jedoch ein Underdog mit enormem Aufholpotenzial. Anleger, die an die Zukunft des digitalen Bankings glauben und bereit sind, die typische Volatilität eines Wachstumsunternehmens zu akzeptieren, könnten in SoFi eine spannende langfristige Investmentmöglichkeit sehen. Gerade in einem Umfeld, in dem traditionelle Banken unter politischem und regulatorischem Druck stehen und Verbraucher aktiv nach besseren und faireren Alternativen suchen, könnte SoFi zu den Gewinnern der kommenden Jahre gehören.

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