7,4 % Dividendenrendite – sollte man diese Aktie jetzt kaufen?
Letztens habe ich mal wieder einen Stock Screener angeworfen, um nach interessanten Aktien für mein Depot und für unsere Services zu suchen. Dabei ist mir eine Aktie aufgefallen, von der ich zwar schon mal gehört habe, die ich aber nie als Dividendentitel auf dem Schirm hatte – doch inzwischen ist sie die Aktie aus dem amerikanischen Leitindex S&P 500, die die höchste Dividendenrendite aufweist. Für mich ein Grund, da mal genauer hinzusehen.
Die Rede ist von Conagra Brands (WKN: 861259), einem Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Und das Wort „Industrie“ passt hier durchaus gut: Conagra gilt als der klassische Produzent von hochverarbeiteten Mahlzeiten wie Fertiggerichten und Snacks.
7,4 % Dividendenrendite – ein klarer Kauf?
Ohne Frage lieben wir bei der Aktienwelt360 hohe Dividenden. Allerdings muss eine sehr hohe Ausschüttungsrendite wie die 7,4 % bei Conagra nicht automatisch ein Kaufargument sein. Es ist nämlich möglich, dass die Geschäfte schlechter laufen und der Aktienkurs gesunken ist. Somit ist die Dividendenrendite rechnerisch höher; dabei droht möglicherweise eine Kürzung der Ausschüttung. Ob das bei Conagra auch so ist, wollen wir uns jetzt anschauen.
Und tatsächlich verhält es sich so, dass die Aktie von Conagra in den letzten zwei Jahren mehr als 50 % verloren hat. Damit ist das Unternehmen aber nicht alleine, denn die gesamte Branche der verarbeiteten Lebensmittel hat mit verändertem Verbraucherverhalten zu kämpfen, da viele Menschen weniger Fertigprodukte kaufen. Auch sitzt bei vielen Konsumenten das Geld nicht mehr so locker, sodass weniger teure Markenprodukte gekauft werden.
Die Inflation bei Rohstoffen tat ihr Übriges, und so enttäuschte Conagra mit sinkenden Margen und gekürzten Prognosen den Markt. Die Angst der Analysten, dass Abnehmspritzen das Geschäft weiter verhageln werden, kommt noch dazu.
Wie sieht es mit der Dividende aus?
Werfen wir mal einen Blick auf die Zahlen. Im letzten Geschäftsjahr 24/25, das am 31. Mai endete, erzielte Conagra einen Umsatz von 11,6 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn konnte im Vergleich zum Vorjahr auf 1,15 Mrd. US-Dollar mehr als verdreifacht werden. Was sich nach einer tollen Entwicklung anhört, ist jedoch auf Sondereffekte wie niedrige Steuern und entfallene Goodwill-Abschreibungen zurückzuführen. Der Gewinn je verwässerter Aktie betrug 2,40 US-Dollar. Als Dividende wurden 1,40 US-Dollar pro Aktie ausgeschüttet.
In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres ging der Umsatz um 6,8 % zurück, was zum Teil auch auf Verkäufe von einzelnen Marken zurückzuführen ist. Hohe Goodwill-Abschreibungen verhagelten das Ergebnis, sodass unterm Strich sogar ein Verlust von fast 500 Mio. US-Dollar steht. Die Dividende von 1,40 US-Dollar je Aktie wurde bislang noch nicht gekürzt.
Conagra – Chancen und Risiken
Aber all das ist Vergangenheit. Wie wir wissen, wird an der Börse die Zukunft gehandelt. Daher sollten wir jetzt mal einen Blick darauf werfen, wie es mit Conagra weitergehen könnte.
Derzeit befindet sich das Unternehmen in einer Phase des Umbruchs. Während die Kosten durch Inflation und neue US-Zölle steigen, baut Conagra sein Portfolio radikal um und möchte seinen schlechten Ruf loswerden. Das Motto lautet: weg von „billig und konserviert“, hin zu „modern und proteinreich“. Dazu trennt sich das Management konsequent von Marken, die als „verstaubt“ gelten oder kaum noch wachsen, und macht so Kapital für Trend-Bereiche frei. 2025 wurden die Marken Chef Boyardee (Dosen-Pasta) sowie die Tiefkühl-Fischmarken Van de Kamp’s und Mrs. Paul’s verkauft. Im Gegenzug investiert Conagra in wachstumsstarke Snacks wie FATTY Smoked Meat Sticks, um vom Trend zu proteinreichen Zwischenmahlzeiten zu profitieren.
Aber auch bestehende Marken wie Healthy Choice und Birds Eye werden auf Fleisch- und Pflanzenproteine umgestellt. Zudem sollen alle US-Tiefkühlprodukte frei von künstlichen Farbstoffen werden – das Ziel ist es, das Image der „Chemie-Mahlzeit“ loszuwerden.
Und last but not least möchte Conagra so etwas wie ein Restaurant-Feeling zu Hause bieten. Neue Produktlinien wie asiatische oder mexikanische Bowls werden als preiswerte Alternativen zum teurer gewordenen Restaurantbesuch oder Take-away entwickelt.
Das hört sich zunächst gut an. Ob die Umsetzung gelingt, müssen wir abwarten. Das Unternehmen hat hohe langfristige Schulden in Höhe von 6,5 Mrd. US-Dollar, deren Zinszahlungen den Gewinn deutlich schmälern. Ferner besteht nahezu die Hälfte der Bilanz aus Goodwill, der latent abschreibungsgefährdet ist. Davon wäre zwar die Liquidität nicht betroffen, es würde aber immer wieder zu Verlusten kommen.
Würde ich die Aktie kaufen?
Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Conagra einen um die Goodwill-Abschreibungen bereinigten Gewinn von 1,70 bis 1,85 US-Dollar je Aktie. Beim aktuellen Aktienkurs von 19 US-Dollar würde das Kurs-Gewinn-Verhältnis 10 bis 11 betragen. Das halte ich für ein eher stagnierendes Unternehmen im Umbruch nicht besonders preiswert.
Bleibt die Dividende bei 1,40 US-Dollar je Aktie, liegt die Dividendenrendite zwar bei 7,4 %, zugleich würden aber rund 80 % des Gewinns ausgeschüttet. Diese Quote ist mir zu hoch, da bei weiteren Gewinnrückgängen eine Kürzung der Dividende unumgänglich wäre. Das Unternehmen könnte wohl kaum weitere Schulden aufnehmen (und dafür teure Zinsen zahlen), um die Dividende beibehalten zu können.
Für mich gibt es somit trotz der auf den ersten Blick attraktiven Zahlen viele andere Aktien, die ich mir eher kaufen würde als Conagra.
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Offenlegung: Peter besitzt keine der im Text genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.
