KGV von nur 12: Ist die Krones-Aktie jetzt ein Value-Kauf?

Ein Wassertropfen der gerade im Meer eintaucht.
Foto: Pixabay via Pexels

Krones (WKN: 633500) ist der globale Marktführer für Abfüll- und Verpackungsanlagen, und unsere Investmentthese ist so einfach wie überzeugend: stabiler Auftragsfluss aus der nicht-zyklischen Getränke- und Lebensmittelindustrie, konsequente Margensteigerung und eine Bilanz ohne Nettoverschuldung. Was hat die Krones-Aktie zuletzt wirklich bewegt, und warum könnte der krisenedingte Kurseinbruch eher ein Geschenk sein?

Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges am 28. Februar kippte die Stimmung an den Weltbörsen abrupt. Die Krones-Aktie rauschte bis auf ein Quartalstief von 113 Euro und beendete das erste Quartal 2026 mit einem Minus von 15,2 %. Der MDAX verlor im selben Zeitraum „nur“ 8,1%. Diese Underperformance ist aus unserer Sicht nicht fundamental begründet, sondern Ausdruck der allgemeinen Risikoaversion.

Krones-Aktie: Der entscheidende Frühindikator

Im Anlagenbau ist der Auftragseingang wichtiger als der tagesaktuelle Umsatz. Er zeigt uns, was in den nächsten Quartalen verdient wird. Krones buchte im ersten Quartal 2026 Neubestellungen im Wert von 1,5 Mrd. Euro: ein Plus von 5,3 % gegenüber dem Vorjahresquartal und 3,6 % mehr als im vierten Quartal 2025. Besonders dynamisch liefen Nord- und Südamerika, Osteuropa und China.

Das Book-to-Bill-Ratio, also das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, lag bei 1,10. Vereinfacht gesagt: Krones gewinnt für jeden Euro Umsatz 1,10 Euro neue Aufträge. Der daraus resultierende Auftragsbestand von rund 4,3 Mrd. Euro sichert die Produktionskapazitäten bis weit ins vierte Quartal 2026. Zusätzlich bestätigte der VDMA Anfang Mai 2026 für März einen realen Auftragssprung von 27 % im deutschen Maschinenbau – ein Rückenwind, der Krones’ eigenes Orderbuch zusätzlich plausibilisiert.

Margenplus trotz Umsatzminus: Der Schlüssel bei der Krones-Aktie

Der ausgewiesene Umsatz fiel im ersten Quartal 2026 um 2,2 % auf 1,3 Mrd. Euro. Wichtig: Allein die Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro belasteten die Erlöse mit rund 50 Mio. Euro. Bereinigt um diese rein buchhalterischen Effekte wuchs der Umsatz um 1,4 %. Das Kernsegment Abfüll- und Verpackungstechnologie, das fast 86 % des Konzernumsatzes trägt, legte währungsbereinigt sogar um 2,7 % zu.

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Das eigentliche Highlight verbirgt sich in der EBITDA-Marge, dem operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Verhältnis zum Umsatz. Sie stieg von 10,6 auf 10,8 %, obwohl der Umsatz sank. Der Schlüssel hier: Die Materialaufwandsquote fiel von 47,6 auf 44,3 %, getrieben durch diszipliniertes Beschaffungsmanagement und einen günstigeren Produktmix. Diese Verbesserung sehen wir als Ergebnis jahrelanger Kostenoptimierung. Die aktuelle Marge liegt bereits innerhalb des Zielkorridors von 10,7 bis 11,1 %, den das Management für das Gesamtjahr 2026 anstrebt. Zum Vergleich: Im März 2022 lag diese Marge noch bei 8,8 %.

Cashflow und Bilanz

Der Free Cashflow, also der Barmittelzufluss nach Investitionen, der für Dividenden und Akquisitionen zur Verfügung steht, von -9,5 Mio. Euro ist strukturell erklärbar. Krones hat Lieferantenverbindlichkeiten um 125,9 Mio. Euro abgebaut und gleichzeitig Lagerbestände um 50,5 Mio. Euro aufgebaut – klassische Vorfinanzierung eines prall gefüllten Auftragsbuchs. Die Dezember-Quartale zeigen das Gegenbild: Das vierte Quartal 2024 lieferte einen Free Cashflow von 163,70 Mio. Euro, das vierte Quartal 2025 sogar 211,50 Mio. Euro.

Krones verfügt über eine Nettoliquidität von 523 Mio. Euro und ungenutzte Kreditlinien von rund 897 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote liegt bei soliden 43 %. In einem Umfeld aus Iran-Krieg, Zollrisiken und gestörten Lieferketten ist das eine starke Verteidigungslinie. Zum Vergleich: Die bezahlten Zinsen liegen bei 1,7 bis 4,3 Mio. Euro pro Quartal.

Digitalisierung und Preismacht

Bei Maschinen, die wahlweise als Standardversion oder als energie- und mediensparende „Enviro“-Variante angeboten werden, entscheiden sich Kunden in knapp 80 % der Fälle für die teurere Enviro-Version. Darin erkennen wir Preismacht: die Fähigkeit, höhere Preise durchzusetzen, ohne Kunden zu verlieren. Dazu investiert Krones quartalsweise 14 bis 20 Mio. Euro in immaterielle Vermögenswerte wie Software, Patente und digitale Plattformen. Das digitale Servicegeschäft, der sogenannte Lifecycle Service, ist zudem ein wachsender Margentreiber. Und digitale Dienste skalieren deutlich besser als Maschinenbau.

Am 10. Juni 2026 übergibt CEO Christoph Klenk nach 23 Jahren an Thomas Ricker, der seit 2012 im Vorstand sitzt. Krones hatte in 75 Jahren Firmengeschichte nur drei Vorstandsvorsitzende. Kontinuität gehört also zur Unternehmenskultur. Ab Juli erweitern zwei neue Vorstandsmitglieder das Führungsteam mit Fokus auf Prozesslösungen und internationales Servicegeschäft.

Unser Fazit zur Krones-Aktie

Das geopolitische Risiko durch den Iran-Krieg ist real, aber nicht Krones-spezifisch. Dass die Krones-Aktie so deutlich korrigiert hat, während die operativen Zahlen stabil bleiben, bietet aus unserer Sicht eine der interessantesten Einstiegsgelegenheiten im deutschen Anlagenbau.

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