Warum die MBB-Aktie bald wieder über 200 Euro steigen kann

Bulle und Bär auf einem Podest: Wer wird die Oberhand behalten?
Foto: Geralt via Pixabay

MBB SE (WKN: A0ETBQ) ist eine Berliner Familienholding, die seit 20 Jahren in mittelständische Industrieunternehmen investiert und auf langfristige Wertsteigerung durch operative Exzellenz setzt. Kurz: Gutes Management kauft günstig, baut nachhaltig auf und kassiert die Marge. Investoren der MBB-Aktie können davon langfristig profitieren – und taten es in der Vergangenheit.

MBB-Aktie im Blick: Die tiefe Betrachtung in die Zahlen

Wer die Zahlen zum ersten Quartal 2026 von MBB liest und beim Umsatz schon aufhört, begeht einen Fehler. Ja, der Konzernerlös sank um 8,7 % auf 237,49 Mio. Euro (Vorjahr: 260,05 Mio. Euro). Aber das EBITDA, also der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, sprang um 40,2 % auf 41,9 Mio. Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge kletterte von 11,5 auf 17,7 %, das Ergebnis je Aktie stieg von 1,03 auf 1,46 Euro. Letzteres bedeutet ein Plus von fast 42 %. So etwas nennen wir einen operativen Hebel in Reinform. Das bedeutet, dass bei gleichbleibenden oder sinkenden Fixkosten jeder zusätzliche Euro Umsatz überproportional im Ergebnis landet.

Betrachtet man die EBITDA-Entwicklung der letzten 8 Quartale (von 32,3 Mio. Euro im zweiten Quartal 2024 über 45,9, 67,1 und 63,1 Mio. Euro in den Folgequartalen bis zu 41,9 Mio. Euro jetzt), dann wird klar: Das Geschäftsmodell skaliert, auch wenn das erste Quartal saisonal bedingt schwächer ausfällt. Besonders bemerkenswert ist die Bruttomarge von 58,3 % im ersten Quartal 2026, nach 48,1 % im Vorjahresquartal und nur 44,7 % zwei Jahre zuvor. Für ein Industrie-Unternehmen ist das außergewöhnlich hoch und signalisiert, dass MBB derzeit exakt die richtigen Projekte abarbeitet.

Das Kraftwerk der Holding

Der entscheidende Treiber ist Friedrich Vorwerk, MBBs börsennotierte Tochter für Pipelinebau und Energie-Infrastruktur. Vorwerk lieferte im ersten Quartal 2026 139,17 Mio. Euro Umsatz (ein Plus von 4,6 %) und eine bereinigte EBITDA-Marge von 22,8 % nach zuvor 13,7 %. Das EBITDA sprang auf 31,76 Mio. Euro, ein Zuwachs von 74,7 %.

Drei Faktoren erklären das: ein günstigerer Projektmix mit niedrigerem Materialeinsatz, höhere Ergebnisbeiträge aus Arbeitsgemeinschaften sowie ein einmaliger Grundstücksverkauf über 1,7 Mio. Euro. Noch mehr beeindrucken der Auftragseingang von 201,9 Mio. Euro, der sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt hat (Vorjahr: 81,6 Mio. Euro), und der Auftragsbestand von 1.074,3 Mio. Euro. Der Energiewendeboom in Deutschland und Europa ist kein kurzfristiges Strohfeuer: Pipelinebau, Wasserstoffinfrastruktur und Netzausbau benötigen spezialisierte Dienstleister wie Vorwerk auf Jahre hinaus. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Vorwerk 730 bis 780 Mio. Euro Umsatz und 160 bis 180 Mio. Euro EBITDA.

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Die restliche Mannschaft hinter der MBB-Aktie

Aumann, der Spezialmaschinenbauer für die Automobilindustrie, bleibt das Sorgenkind: Der Umsatz brach um 38,4 % auf 37,27 Mio. Euro ein (Vorjahr: 60,51 Mio. Euro), das EBITDA sank auf 4,03 Mio. Euro. Die Investitionszurückhaltung der Automobilindustrie trifft Aumann frontal. Klassische Fertigungsanlagen für Elektromotoren sind kaum gefragt. Die Diversifikation in sogenannte Next-Automation-Bereiche wie Clean Tech, Aerospace und Life Sciences ist strategisch richtig, liefert aber noch keine Wachstumszahlen.

DTS, der IT-Dienstleister, litt unter Halbleiterlieferengpässen und geopolitischer Verunsicherung durch den Iran-Konflikt: Umsatz -25,2 % auf 19,55 Mio. Euro. Positiv zu vermerken: Die EBITDA-Marge verbesserte sich von 14,7 auf 17,2 %. Das sehen wir als Zeichen dafür, dass das Management die Kosten im Griff hat.

Delignit, der Hersteller ökologischer Holzwerkstoffe aus Buchenfurnier, wuchs solide um 4 % auf 18,14 Mio. Euro Umsatz bei stabiler Marge von 6,4 %.

MBB-Aktie: Neue Rekordmarke

Pünktlich zum 20. Börsenjubiläum überschritt das Konzern-Eigenkapital erstmals die Marke von 1 Mrd. Euro: exakt 1.009,18 Mio. Euro zum 31. März 2026. Die Eigenkapitalquote beträgt 68,9 %. Noch markanter ist die Nettofinanzmittelposition (Net Cash): 766,16 Mio. Euro inklusive Gold und Wertpapieren, bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von rund 923 Mio. Euro. Das bedeutet konkret: Rund 83 % des Marktwerts der MBB-Aktie sind durch liquide Mittel gedeckt. Das gesamte operative Portfolio wird vom Markt also mit weniger als 200 Mio. Euro bewertet.

Angesichts eines annualisierten EBITDA von deutlich über 200 Mio. Euro ist das eine substanzielle Unterbewertung, die wir für nicht dauerhaft haltbar halten. Der negative Net-Debt/EBITDA-Wert zum Quartalsende signalisiert dabei nicht nur Sicherheit, sondern Akquisitionsmunition: MBB könnte jederzeit eine mittlere bis große Transaktion stemmen, ohne einen Cent Fremdkapital aufzunehmen.

Klare Signale des Managements

Im ersten Quartal 2026 kaufte MBB 72.616 eigene MBB-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 205,39 Euro zurück. Am 13. April 2026 wurde das Programm auf 25 Mio. Euro aufgestockt. Aktienrückkäufe sind die direkteste Botschaft, die ein Management an seine Aktionäre senden kann: Wir halten unsere Aktie für unterbewertet.

Wer langfristig denkt, findet bei MBB heute eine Kombination, die selten ist: eine Bilanz mit hoher Nettoliquidität, ein klar wachsendes Kerngeschäft durch den Energie-Infrastruktur-Boom und ein Management, das zur eigenen Aktie steht. Kurzfristig kann die Aktie weiter unter Druck bleiben – das erste Quartal ist saisonal schwach, Aumann bleibt ein Belastungsfaktor, und der Markt benötigt Zeit. Aber auf längere Sicht halten wir einen Einstieg zum aktuellen Kurs für begründbar und sehen den fairen Wert der MBB-Aktie höher.

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