Aus 3 mach 1 – wie diese Softwareaktie sich mit KI neu aufstellt

Ein Mann analysiert Finanzberichte, im Vordergrund Kursdaten und ein aufwärts zeigender Aktienchart
Foto: Gerd Altmann via Pixabay

Anfang Februar fegte die sogenannte „SaaS-pocalypse“ durch den Aktienmarkt. Damit sind die starken Kurseinbrüche gemeint, die nach der Veröffentlichung autonomer KI-Agenten wie Claude Cowork durch das Unternehmen Anthropic nahezu jede Softwareaktie trafen. Viele Marktteilnehmer zweifelten daran, dass die alten Geschäftsmodelle der Softwarebranche noch tragfähig sind, da mit der Künstlichen Intelligenz zukünftig jeder alles selbst programmieren könne.

Seitdem ist fast ein halbes Jahr vergangen. Viele dunkle Wolken haben sich aufgelöst und es wird immer klarer, dass es durchaus gute Gründe gibt, sich nach dem Crash die eine oder andere Softwareaktie mal genauer anzusehen.

Mir gefällt die Aktie der Chapters Group (WKN: 661830) sehr gut, denn das Papier hat inzwischen alle Kursverluste durch die „SaaS-pocalypse“ wieder wettgemacht. Die spannende Frage ist jetzt: Lohnt sich der Kauf der Aktie noch oder hast du eine Chance verpasst? Lass uns dazu mal genauer auf die Hamburger schauen.

Chapters Group und Software

2018 änderte Chapters sein Geschäftsmodell in eine Holding-Struktur und tritt seitdem als sogenannter „Serial Acquirer“ von Softwareunternehmen auf. Dabei lässt das Unternehmen den einzelnen Gesellschaften viel Freiheit. Analog zum großen Vorbild Constellation Software kauft Chapters regelmäßig neue Unternehmen zu günstigen Konditionen und erzielt auf diese Weise Wachstum. Die neuen Firmen tragen mit ihren Erträgen dazu bei, weitere Käufe zu finanzieren.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf „mission-critical“-Software. Damit sind unverzichtbare digitale Produkte zur Sicherstellung kritischer Betriebsabläufe gemeint, etwa bei Nahverkehrs-, Versorgungs- oder Telekommunikationsunternehmen, Feuerwehren oder Banken.

Mit dem Aufkommen der KI wurde dem Management um CEO Jan-Hendrik Mohr klar, dass dieses Modell an seine Grenzen stößt. Er glaubte jedoch nie, dass KI die Angebote der Chapters-Gruppe vollkommen überflüssig machen würde. Aber Druck auf die Margen oder vereinzelte Disruptionen sind durchaus reale Gefahren.

Neuorganisation

Als ersten Schritt führte Chapters die „Manuskriptmethode“ ein. Damit ist eine Art Überbau gemeint, der den einzelnen Unternehmen ihre individuellen Freiheiten lässt, jedoch alle Einheiten auf Zusammenarbeit und die Einführung gemeinsamer Standards verpflichtet.

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Die inzwischen 60 aufgekauften Unternehmen wurden in drei Segmenten organisiert:

  • Öffentliche Hand
  • Unternehmen
  • Finanztechnologie

Von der Holding zum Unternehmen

Der wichtigste Schritt kam jedoch erst danach. CEO Mohr bezeichnete ihn auf dem Investorentag in dieser Woche so:

Von der Holding zum Unternehmen, das Industriestandards setzt.

Hintergrund dafür waren die drei Beteiligungen im Bereich der Finanztechnologie, die sich alle mit der Bereitstellung von Sperrkonten und Versicherungen für ausländische Studenten befassten. Diese drei Unternehmen arbeiteten nebeneinanderher, entwickelten ihre eigenen Anwendungen und machten sich sogar gegenseitig Konkurrenz.

Diesen Zustand beendete Chapters, indem die drei Einheiten zur „Lumeira Group“ fusioniert wurden – daher der Titel dieses Artikels.

Die Programmierer können nun gemeinsam arbeiten, das Angebot von Lumeira ausweiten und so den ausländischen Studenten – deren erster Kontakt zum deutschen Finanzmarkt Lumeira ist – ein umfassendes Angebot unterbreiten. Mit dieser Wendung ist Lumeira in Deutschland einzigartig und verschafft sich so einen Wettbewerbsvorteil.

Und was noch wichtiger ist: Dieses Prinzip soll jetzt auf weitere Angebote von Chapters ausgeweitet werden. Peak Mobility mit seinem Angebot für das Management von Busdepots ist da nur ein Beispiel.

Die Ergebnisse steigen

Diese Fortschritte machen sich auch in den Zahlen bemerkbar: Nur zwei Tage vor dem Investorentag erhöhte Chapters die Prognose für das organische Wachstum des bereinigten operativen EBITDA für 2026 auf über 22 % (zuvor 14 bis 17 %). Hier zeigt sich der Nutzen der Fusion zu Lumeira: Es konnten Personalkosten eingespart werden und bessere Verträge mit Zulieferern ausgehandelt werden. Das organische Umsatzwachstum wird bei 7 bis 9 % erwartet.

2025 war das Ergebnis von Chapters leicht negativ, was auf Sonderfaktoren bei neu erworbenen Unternehmen zurückzuführen ist. Diese fallen 2026 weg, sodass das Ergebnis deutlich besser werden sollte. Eine genaue Prognose für Umsatz und Gewinn gibt es nicht, da viel von möglichen Akquisitionen und deren Zeitpunkten abhängt.

Mein Fazit

Aufgrund der Besonderheiten bei Chapters ist eine Bewertung mit klassischen Maßstäben wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis nicht sinnvoll. Die Eindrücke, die ich sowohl vom Investorentag als auch aus dem persönlichen Gespräch mit CEO Mohr mitgenommen habe, waren jedoch sehr positiv. Das Unternehmen steht vor der Entwicklung in eine ganz neue Dimension.

Gerade das macht diese Softwareaktie für mich interessant. Auch wenn es Risiken durch die schnelle Entwicklung der KI gibt (und diese werden von Mohr klar anerkennt), ist Chapters eine der spannendsten Aktien in diesem Sektor. Der illustre Aktionärskreis mit bekannten Value-Investoren aus den USA wie Sator Grove stützt dieses Vertrauen.

Am Ende musst du natürlich selbst entscheiden, ob diese Softwareaktie einen Platz in deinem Depot finden sollte. Ich selbst bin jedenfalls schon mit einer kleinen Position dabei.

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Offenlegung: Peter besitzt Aktien von Chapters Group und Constellation Software. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Constellation Software.



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