Netflix-Aktie: Was du über die Zahlen noch nicht wusstest

Bei der Netflix-Aktie (WKN: 552484) setzen wir auf den weltweit führenden Streaminganbieter und eine der stärksten Unterhaltungsplattformen überhaupt. Das Unternehmen erreicht inzwischen ein Publikum von fast einer Milliarde Menschen und monetarisiert seine Reichweite zunehmend über drei Hebel: mehr zahlende Mitgliedschaften, höhere Preise und das noch junge Werbegeschäft.
Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen, dass diese Strategie funktioniert. Netflix wächst weiterhin zweistellig und erzielt eine operative Marge von mehr als 33 %. Allerdings sehen wir auch, dass sich das Umsatzwachstum allmählich normalisiert.
Netflix-Aktie: Das wichtigste vorab
Netflix steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 13,4 % auf 12,56 Mrd. US-Dollar. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei 12 %. Das Ergebnis entsprach damit nahezu exakt der eigenen Prognose von 12,57 Mrd. US-Dollar. Als Wachstumstreiber nennt das Management eine höhere Zahl an Mitgliedschaften, Preiserhöhungen und steigende Werbeerlöse. Konkrete Abonnentenzahlen veröffentlicht Netflix allerdings nicht mehr regelmäßig. Wir können daher nicht genau erkennen, wie viel des Wachstums aus neuen Kunden und wie viel aus höheren Preisen stammt. Das ist aus Investorensicht ein gewisser Verlust an Transparenz.
Das operative Ergebnis erhöhte sich um 11 % von 3,77 Mrd. auf 4,19 Mrd. US-Dollar. Die operative Marge ging dabei leicht von 34,1 % auf 33,4 % zurück. Das sieht zunächst nach einer kleinen Verschlechterung aus. Netflix hatte jedoch lediglich mit einer Marge von 32,6 % gerechnet und übertraf die eigene Prognose damit um 0,8 Prozentpunkte. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal war zudem erwartet worden. Aufgrund des Veröffentlichungskalenders schrieb Netflix im ersten Halbjahr einen besonders großen Teil seiner Content-Investitionen ab. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet das Management mit einem Wachstum der Abschreibungen auf Inhalte von ungefähr 10 %, wobei sich die Wachstumsrate im zweiten Halbjahr verlangsamen soll.
Der Gewinn je Netflix-Aktie stieg leicht
Unter dem Strich verdiente Netflix 3,40 Mrd. US-Dollar und damit 8,8 % mehr als im Vorjahresquartal. Das verwässerte Ergebnis je Netflix-Aktie stieg von 0,72 auf 0,80 US-Dollar beziehungsweise um 11 %.
Bei diesen vergleichsweise niedrig wirkenden Aktienwerten müssen wir eine Besonderheit beachten: Netflix vollzog im November 2025 einen Aktiensplit im Verhältnis zehn zu eins. Sämtliche Vergleichswerte je Aktie und Aktienzahlen wurden rückwirkend an diesen Split angepasst. Ohne diese Anpassung entspräche der Quartalsgewinn rechnerisch 8,00 US-Dollar je alter Netflix-Aktie.
Der Vergleich mit dem unmittelbar vorherigen Quartal wäre dagegen irreführend. Im ersten Quartal hatte der Streaminganbieter einen Nettogewinn von 5,28 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 1,23 US-Dollar je Netflix-Aktie ausgewiesen. Darin enthalten war jedoch eine einmalige Termination Fee von 2,8 Mrd. US-Dollar im Zusammenhang mit der nicht vollzogenen Warner-Bros.-Transaktion. Dieser Betrag wurde als sonstiger Finanzertrag erfasst. Das zweite Quartal bildet die laufende Ertragskraft des Konzerns daher deutlich besser ab.
Wo sitzen die Kunden von Netflix?
Die regionale Entwicklung unterstreicht, wie breit das Wachstum inzwischen aufgestellt ist. In den USA und Kanada, von Netflix als UCAN bezeichnet, stieg der Umsatz um 10 % auf 5,43 Mrd. US-Dollar. Die Region bleibt damit der mit Abstand größte Markt, besitzt aufgrund ihrer fortgeschrittenen Reife aber die niedrigste Wachstumsrate. Die jüngsten Preiserhöhungen wirkten sich dort zudem erst für einen Teil des Quartals aus. Netflix erklärte, dass die Reaktion der Kunden bislang den Erfahrungen aus früheren Preisanpassungen entspreche.
In Europa, dem Nahen Osten und Afrika erhöhte sich der Umsatz um 14 % auf 4,03 Mrd. US-Dollar. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei 11 %. Lateinamerika wuchs nominal sogar um 21 % auf 1,58 Mrd. US-Dollar, wobei stärkere Währungen einen Teil des Wachstums verursachten. Bereinigt um Wechselkurse lag das Plus bei 16 %. Im asiatisch-pazifischen Raum stiegen die Erlöse um 16 % auf 1,51 Mrd. US-Dollar und währungsbereinigt um 18 %. Netflix erreichte somit erstmals in einem Quartal mehr als 4 Mrd. US-Dollar Umsatz in der EMEA-Region sowie jeweils mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar in Lateinamerika und Asien.
Operative Trends, die Investoren der Netflix-Aktie kennen sollten
Auch die Nutzung der Plattform entwickelt sich weiterhin positiv. Die Mitglieder sahen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt mehr als 97 Mrd. Stunden Netflix-Inhalte. Das waren 2 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2025 war die Zahl der angesehenen Stunden lediglich um 1,5 % gestiegen. Das Wachstum ist damit zwar nicht besonders hoch, beschleunigte sich aber leicht. Mehr als ein Drittel der gesamten Nutzungszeit entfiel erneut auf nicht englischsprachige Inhalte. Die internationale Produktion bleibt somit ein wichtiger Wettbewerbsvorteil, weil Netflix erfolgreiche Serien und Filme über Ländergrenzen hinweg vermarkten kann.
Interessant finden wir außerdem die Strategie bei Live-Veranstaltungen. Netflix erwartet, dass Live-Programme im Gesamtjahr etwas mehr als 5 % des Budgets für Inhalte beanspruchen, aber nur rund 1 % der angesehenen Stunden ausmachen. Rein anhand der Nutzungsdauer erscheinen diese Inhalte daher zunächst teuer. Allerdings entfielen sechs der zehn stärksten Tage für neue Anmeldungen in den vergangenen fünf Jahren auf Live-Veranstaltungen. Sportereignisse, Shows und Kämpfe können daher überproportional viele Neukunden anziehen, selbst wenn sie gemessen an den gesamten Sehstunden eine untergeordnete Rolle spielen.
Der wichtigste zusätzliche Wachstumstreiber wird jedoch zunehmend die Werbung. Netflix hält an seinem Ziel fest, im Geschäftsjahr 2026 rund 3 Mrd. US-Dollar Werbeumsatz zu erzielen. Das wäre ungefähr doppelt so viel wie im Vorjahr. Gemessen am erwarteten Konzernumsatz von mehr als 51 Mrd. US-Dollar bleibt Werbung zwar noch ein kleiner Bereich. Die Erlöse besitzen langfristig aber eine große Bedeutung, weil Netflix dadurch denselben Inhalt gleichzeitig über Abonnements und Werbeplätze monetarisieren kann. Zudem investiert das Unternehmen in eine eigene Werbetechnologie, automatisierte Buchungsmöglichkeiten und KI-gestützte Werkzeuge für Werbekunden.
Cashflow und Aktienrückkäufe
Beim Cashflow fällt die Bewertung etwas differenzierter aus. Der operative Cashflow sank im zweiten Quartal von 2,42 Mrd. auf 1,74 Mrd. US-Dollar. Nach Investitionen verblieb ein freier Cashflow von 1,53 Mrd. US-Dollar. Im Vorjahresquartal waren es noch 2,27 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 33 %. Netflix begründete die Entwicklung mit höheren Steuerzahlungen, die teilweise mit der im ersten Quartal verbuchten Termination Fee zusammenhingen. Der Quartalswert allein zeichnet daher ein zu negatives Bild. Im gesamten ersten Halbjahr stieg der freie Cashflow um 34 % von 4,93 Mrd. auf 6,62 Mrd. US-Dollar. Für das Gesamtjahr erwartet das Management weiterhin rund 12,5 Mrd. US-Dollar.
Einen erheblichen Teil des erwirtschafteten Kapitals gibt Netflix über Aktienrückkäufe an seine Aktionäre zurück. Im zweiten Quartal erwarb das Unternehmen eigene Aktien für 4,71 Mrd. US-Dollar. Das war der größte Quartalswert in der Geschichte des Konzerns. Im gesamten ersten Halbjahr beliefen sich die Rückkäufe auf knapp 6,0 Mrd. US-Dollar. Die durchschnittliche verwässerte Aktienzahl sank gegenüber dem Vorjahresquartal um rund 2 % auf 4,26 Mrd. Aktien. Der Gewinn verteilt sich damit auf weniger Anteilsscheine, wodurch das Ergebnis je Netflix-Aktie etwas schneller als der Nettogewinn wächst.
Netflix-Aktie: Der Blick auf die Bilanz
Die Rückkäufe lagen im zweiten Quartal allerdings deutlich über dem freien Cashflow. Netflix griff dafür auf die hohe Liquidität zurück, die im ersten Quartal entstanden war. Der Bestand an Zahlungsmitteln sank innerhalb von drei Monaten von 12,27 Mrd. auf 9,10 Mrd. US-Dollar. Gegenüber dem Jahresende 2025 blieb die Liquidität mit damals 9,03 Mrd. US-Dollar hingegen praktisch unverändert. Die Kapitalverwendung wirkt daher aggressiv, aber nicht unvernünftig. Unter den bestehenden Rückkaufprogrammen darf das Unternehmen noch weitere Netflix-Aktien im Wert von 27,1 Mrd. US-Dollar erwerben.
Die Bilanz bleibt insgesamt solide. Netflix wies zum Quartalsende Bruttoschulden von rund 14,4 Mrd. US-Dollar und eine Nettoverschuldung von 5,24 Mrd. US-Dollar aus. Die kurzfristig ausgewiesenen Schulden stiegen zwar von rund 1,0 Mrd. auf 2,48 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig gingen die langfristigen Schulden jedoch zurück, sodass die Gesamtverschuldung leicht sank. Ein Teil der Entwicklung ist somit lediglich auf die Umgliederung näher rückender Fälligkeiten zurückzuführen. Schulden von 1 Mrd. US-Dollar werden noch im laufenden Jahr fällig. Netflix plant, diesen Betrag zu refinanzieren.
So passte das Unternehmen seinen Ausblick an
Nach dem zweiten Quartal hat das Management seine Umsatzprognose präzisiert. Netflix erwartet für 2026 nun Erlöse zwischen 51,0 Mrd. und 51,4 Mrd. US-Dollar. Zuvor lag die deutlich breitere Spanne bei 50,7 Mrd. bis 51,7 Mrd. US-Dollar. Das Management hat die Prognose somit nicht grundsätzlich angehoben, sondern um einen etwas höheren Mittelpunkt verengt. Das erwartete Umsatzwachstum liegt bei 13 % bis 14 % beziehungsweise währungsbereinigt bei rund 12 %. Die operative Marge soll weiterhin 31,5 % erreichen, nach 29,5 % im Geschäftsjahr 2025. Daraus würde ein Wachstum des operativen Ergebnisses von mehr als 20 % entstehen.
Für das dritte Quartal rechnet Netflix mit einem Umsatz von 12,86 Mrd. US-Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 11,7 %. Das operative Ergebnis soll auf 4,27 Mrd. US-Dollar steigen und die Marge 33,2 % erreichen. Im Vorjahresquartal lag sie lediglich bei 28,2 %. Der Nettogewinn soll 3,45 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 0,82 US-Dollar je Aktie betragen. Das Umsatzwachstum dürfte sich damit weiter verlangsamen. Gleichzeitig erwartet das Management jedoch eine deutliche Verbesserung der Profitabilität gegenüber dem Vorjahr.
Unser Fazit zur Netflix-Aktie
Wir sind mit dem zweiten Quartal insgesamt zufrieden. Netflix wächst in allen vier Regionen zweistellig, erzielt eine operative Marge von mehr als 33 % und ist auf Kurs, im Gesamtjahr einen freien Cashflow von ungefähr 12,5 Mrd. US-Dollar zu erwirtschaften. Die Werbung entwickelt sich zu einer zunehmend relevanten zusätzlichen Einnahmequelle. Gleichzeitig reduzieren die umfangreichen Aktienrückkäufe die Zahl der ausstehenden Netflix-Aktien.
Ganz perfekt ist das Zahlenwerk dennoch nicht. Das Umsatzwachstum verlangsamt sich, die operative Marge ging im zweiten Quartal leicht zurück und Netflix veröffentlicht keine konkreten Mitgliederzahlen mehr. Dadurch lässt sich schwieriger beurteilen, wie stark Preiserhöhungen und tatsächliches Kundenwachstum jeweils zu den Erlösen beitragen. Für den Moment zeigt der Ausblick jedoch, dass der Streamingkonzern weiterhin zweistellig wachsen und seine Jahresmarge deutlich verbessern dürfte. Die Kombination aus Abonnements, Werbung, Preissetzungsmacht und einem zweistelligen Milliarden-Cashflow bleibt damit überzeugend.
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