Nemetschek-Aktie: Hier baut sich etwas auf!

In einer großen Muschel liegt eine seltene funkelnde Perle versteckt
Foto: Elias via Pixabay

Nemetschek (WKN: 645290) entwickelt primär Softwarelösungen für die Baubranche und gehört dabei zu den weltweit führenden Anbietern. Durch den kontinuierlichen Ausbau des Leistungsspektrums stärkt das Unternehmen die Kundenbindung und erschließt gleichzeitig neue Zielgruppen. In der Vergangenheit resultierten daraus regelmäßig Wachstumsraten von weit über 20 %. Das galt lange Zeit auch für die Nemetschek-Aktie, die in den letzten 12 Monaten aber satte 56 % Kursverlust hinnehmen musste.

An der Börse stieg im Vorfeld der Q2-Zahlen der Optimismus, der allerdings in der ersten Reaktion auf den veröffentlichten Bericht gleich wieder verflog. Was war so schlimm für die Nemetschek-Aktie?

Das Management gab sich Mühe, Zuversicht zu versprühen

  • Anhaltend starkes Wachstum in den wichtigen Segmenten Design und Build, mit steigenden Margen.
  • Erfolgreiche Migration weiterer Kunden in Richtung Abomodelle.
  • Gute operative Fortschritte beim Fokusthema KI sowie der HCSS-Integration, die seit dem 1. Juli in das Zahlenwerk einfließt.
  • Die organische Jahresprognose von +14 bis 15 % wurde bestätigt. Zusammen mit HCSS ergibt sich ein erwartetes Wachstum von 20 bis 21 %, wobei die EBITDA-Marge aufgrund von Integrations-Effekten um 1,5 Prozentpunkte auf 30,5 bis 31,5 % sinkt. Eine kurze Überschlagsrechnung zeigt jedoch, dass der Gewinnanteil für die Aktionäre trotz dieser Margenverwässerung steigen wird – auch dann noch, wenn beim größten Segment 28 % des Gewinns aufgrund des Minderheitenanteils von Thoma Bravo abgezogen werden.

CEO Yves Padrines zeigte auch auf, wie Nemetschek mit Nachdruck in neue Innovationsfelder vorstößt und die Umsetzung der Strategie beschleunigt: Einerseits durch kleinere Übernahmen wie Morpholio (kollaborative, intuitive, KI-gestützte Design-Apps für Architekten, Designer und Kreative) und mbue (automatische Prüfung und Analyse von Bauzeichnungen und Planungsunterlagen); andererseits durch Investitionen in KI-Startups wie Dawex (regulierte Infrastruktur für den KI-fähigen Datenaustausch).

Nemetschek-Aktie: Zahlreiche Impulse stehen bereit

Zudem baut Nemetschek unter dem Stichwort “Business Enablement” zentrale Fähigkeiten auf, die von allen Marken einheitlich genutzt werden. Bisher wurden Funktionen wie Vertrieb, HR und Finanzen bei jeder Marke anders gehandhabt. Künftig erhofft sich das Management nicht nur erhebliche Einsparungen für Lizenzen und die Softwarewartung, sondern auch Impulse für bereichsübergreifende Innovation, mit einer skalierbaren Infrastruktur, die eine schnellere Integration neuer Firmen erlaubt.

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Keine Frage: Das trägt die Handschrift von Thoma Bravo, dem strategischen Partner, der Nemetschek und dessen Segment Build & Construct als Vehikel zum Aufbau eines leistungsfähigen Software-Imperiums auserkoren hat, das eines Tages eigenständig an die Börse gebracht werden kann.

An Ambitionen mangelt es jedenfalls nicht. Und wenn es dem Management an der Seite von Thoma Bravo gelingt, diese Strategie sauber umzusetzen, dann entstehen massive Mehrwerte für Investoren der Nemetschek-Aktie. Aber das ist Zukunftsmusik, die an der Börse noch keinen Anklang findet.

Nemetschek-Aktie: Die Zahlen der Gegenwart

Zurück zu den Q2-Zahlen. Dort steht ein währungsbereinigtes Wachstum von 29,6 % bei den Aboumsätzen und ein Umsatzwachstum um 13 % auf 328 Mio. Euro. Das EBITDA wuchs mit 11,5 % etwas langsamer, weil Transaktionskosten und Währungseffekte belasteten. Bereinigt lag die EBITDA-Marge bei guten 31,0 %. Erfreulich ist daneben der überproportionale Anstieg des Gewinns je Nemetschek-Aktie um 25,3 % auf 0,57 Euro. Der Grund dafür liegt allerdings primär am Finanzergebnis, das von günstigen Absicherungsgeschäften im Zuge der HCSS-Transaktion profitierte.

Trotz der vielen Aktivitäten lag der operative Cashflow im ersten Halbjahr nur knapp unter dem Vorjahreswert. Der freie Cashflow von 80 Mio. Euro fiel hingegen wegen der Zukäufe und erhöhten Dividendenausschüttungen deutlich geringer aus (Vorjahr: 185 Mio. Euro). Aber entscheidend ist, dass dem Management mit 392 Mio. Euro in der Kasse alle Handlungsoptionen offen stehen.

So sehen wir die Nemetschek-Aktie jetzt

Insgesamt sehen wir ein Unternehmen, dass die Herausforderung der KI-Transformation mit Nachdruck annimmt und nun alles daran setzt, brachliegende Potenziale im Konzern zu heben. Selbst die lange Zeit stagnierenden kleinen Segmente Manage und Media könnten künftig wieder einen stärkeren Beitrag leisten, da der Regulierungsrahmen bzw. die Ausweitung der Zielgruppen gute Potenziale birgt.

Nemetschek verfügt über eine starke Bilanz und könnte schon in 3 Jahren mehr als 2 Mrd. Euro wiederkehrende Umsätze ausweisen. Die Marktkapitalisierung im Bereich von 7 Mrd. Euro erscheint demgegenüber historisch günstig. Dass die Nemetschek-Aktie nicht aus dem Keller kommt, hat mit den frischen Zahlen aus unserer Sicht wenig zu tun. Es sind die hartnäckigen Zweifel daran, ob die Anstrengungen ausreichen, um die Erfolgsgeschichte langfristig weiterzuführen.

Wir finden, dass Yves Padrines gute Arbeit leistet. So richtig sichtbar wird es jedoch erst, wenn die laufenden Initiativen ihre volle Wirkung entfalten. Dann wird auch der Markt die getane Arbeit honorieren und die Nemetschek-Aktie aufwärts schicken.

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