Brauchst du wirklich 50 Aktien in deinem Depot?!

50 Aktien im eigenen Depot: Für manche Investoren ist das bereits der Alltag. Andere schütteln ungläubig mit dem Kopf. Eine gängige Kritik besagt, dass man dann gleich einen Indexfonds kaufen könne. Wobei es einen Unterschied gibt, ob man in 50 Aktien des S&P 500 investiert oder in alle der 500 börsennotierten Gesellschaften.
Trotzdem lief mir zuletzt die Zahl 50 über den Weg. Der CEO des US-amerikanischen Börsenbriefverlags The Motley Fool (zwinker), Tom Gardner, sagte, dass diese Anzahl für ihn als Mindestmaß gelte. Sowohl für die aktuellen Bedrohungen und Chancen in Zeiten Künstlicher Intelligenz. Aber auch allgemein.
50 Aktien … das ist meiner Meinung nach eine ganze Menge. Ich habe bedeutend weniger in meinem Depot. Was uns aber viel eher interessieren sollte, das ist seine Argumentation. Denn Tom Gardner ist ein smarter Investor, der viele smarte Aktien und Unternehmen identifiziert hat. Überlegen wir daher einmal, was seine Ambitionen dabei sind.
50 Aktien: Warum? Darum!
Tom Gardner geht in seiner Argumentation einerseits auf die aufstrebende Künstliche Intelligenz ein. Seiner Ansicht nach gebe es derzeit so viel Innovation, dass es schwierig sei, mitzuhalten. Für ihn spricht aber viel dafür, dass es in einigen Jahren sehr klare Verlierer geben würde. Deshalb glaubt er, dass der Otto-Normal-Investor eher in die Breite investieren sollte, um das Risiko zu reduzieren und zugleich die Chancen zu maximieren.
Auf der anderen Seite sagt Gardner, dass 50 verschiedene Aktien gar nicht so viel seien. Es gebe 40.000 börsennotierte Gesellschaften, in die man investieren könne. Mit 50 habe man noch immer eine sehr schmale Auswahl getroffen. Trotz der Kritik, es sei dann besser, in einen ETF zu investieren, besteht eine gute Chance, selbst mit vielen Aktien den Markt zu schlagen. So hätte beispielsweise Peter Lynch Aktien von mehr als 500 Unternehmen bei Fidelity im Portfolio gehabt und trotzdem den Markt mit 29 % über einen Zeitraum, der mehr als eine Dekade andauerte, sehr klar geschlagen.
Quantität müsse daher nicht darunter leiden, dass man sich 50 Aktien ins Depot legt. Zu guter Letzt erhöhe man seiner Ansicht nach mit einem sehr breit diversifizierten Portfolio die Trefferquote. Man würde die Chance erhöhen, eine Nvidia zu treffen. Nicht ganz ohne Werbung erwähnt er vor diesem Hintergrund, dass sich diese Aktie seit der ersten Empfehlung von The Motley Fool im Jahre 2005 ver-1.300-facht hat. Mit einem gut gestreuten Ansatz hätte man durchgehalten. Vor allem auch in den Marktphasen, in denen Nvidia 50 % oder mehr an Wert verloren hätte.
Meine Gedanken: Möglich!
Um die ganze Argumentation zu einem Fazit zu bekommen: Den Ansatz halte ich für möglich. Aber mit wesentlichen Einschränkungen. Fakt ist, dass eine breitere Chancenstreuung einerseits mehr Sicherheit ermöglicht. Andererseits erhalten wir vielseitigere Möglichkeiten. Besonders die Perspektive der 40.000 verschiedenen Aktien und die wichtige Erkenntnis, dass tendenziell eher 10 % einen Unterschied machen, zeigt, dass wir als Investoren selbst mit 50 Aktien den Markt schlagen können.
Trotzdem ist die Perspektive sehr einseitig. Oder, um auch etwas Kontext zu liefern: von jemandem, der einen oder mehrere Börsenbriefe verkauft und davon profitiert, dass viele Anleger eine hohe Anzahl von Aktien im Depot haben. Warren Buffett postuliert beispielsweise das komplette Gegenteil. Seiner Ansicht nach sollte man sein Geld auf eher wenig Positionen verteilen. Aber sich bei der Auswahl sehr viel Mühe geben, sodass man durch Qualität einen größeren Erfolg feiern kann.
Faktisch bedeuten 50 Aktien jede Menge Aufwand. Allein das Research und das Am-Ball-Bleiben bei 50 verschiedenen Unternehmen ist definitiv mit viel Aufwand verbunden. Für jemanden, der seinen Lebensunterhalt mit Aktien bestreitet, absolut möglich. Für Privatinvestoren, die 40 Stunden pro Woche arbeiten und eine Familie haben, eher schwierig umzusetzen.
Sollten wir also nicht auf 50 Aktien setzen?!
50 Aktien können eine Orientierung sein. Wenn du Chancen maximieren und Risiken begrenzen willst, ist der Ansatz gut. Wer hingegen seine Rendite konzentriert maximieren möchte, der sollte eher den Warren-Buffett-Ansatz verfolgen. Übrigens: Mit Aktien wie Coca-Cola oder ähnlich defensiven Dividendentiteln wird mehr Diversifikation irgendwann eher nachteilig. Bei Wachstumsaktien werden die Vorteile hingegen größer. Du siehst also, dass auch der eigene Ansatz eine wichtige Rolle spielt.
Entscheide daher selbst. Aber vergegenwärtige, was 50 Aktien für dich bedeuten.
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Vincent besitzt Aktien von Coca-Cola. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.
