Die Novo Nordisk-Aktie liefert ein neues Turnaround-Signal

Ein Thermometer liegt auf einem Berg an Medikamenten, Arzneien und Pillen.
Foto: Pixabay via Pexels

Mit der Novo Nordisk-Aktie (WKN: A3EU6F) setzen Anleger auf einen der weltweit führenden Hersteller von Medikamenten gegen Diabetes und Adipositas. Der dänische Pharmakonzern befindet sich momentan jedoch in einer ungewöhnlichen Situation: Die Nachfrage nach GLP-1-Medikamenten wächst weiterhin, während sinkende Verkaufspreise, höhere Rabatte und der zunehmende Wettbewerb die Umsatzentwicklung belasten. Das zweite Quartal 2026 zeigt nun eine leichte Verbesserung. Insbesondere die neue Wegovy-Tablette entwickelt sich gut. Gleichzeitig erinnern hohe Abschreibungen und ein gescheiterter klinischer Versuch daran, dass auch bei Novo Nordisk nicht jedes Forschungsprojekt erfolgreich verläuft.

Die Novo Nordisk-Aktie in der Fundamentalanalyse

Der ausgewiesene Umsatz stieg im zweiten Quartal um 2 % auf 78,49 Mrd. Dänische Kronen. Währungsbereinigt betrug das Wachstum 3 %. Dieser Vergleich wird allerdings durch einen positiven Sondereffekt im Vorjahresquartal belastet. Novo Nordisk hatte damals Rückstellungen für Rabatte im Rahmen des amerikanischen 340B-Arzneimittelprogramms in Höhe von 2,6 Mrd. Dänischen Kronen aufgelöst. Bereinigt um diesen Effekt erhöhte sich der Umsatz im zweiten Quartal währungsbereinigt um 7 %. Verantwortlich waren vor allem höhere Verkaufsvolumina mit GLP-1-Medikamenten sowie günstige Anpassungen der amerikanischen Arzneimittelrabatte.

Beim operativen Ergebnis ist die Differenz zwischen den ausgewiesenen und den bereinigten Zahlen noch größer. Der ausgewiesene operative Gewinn sank um 19 % auf 27,06 Mrd. Dänische Kronen. Währungsbereinigt lag der Rückgang bei 16 %. Novo Nordisk verbuchte jedoch nicht zahlungswirksame Abschreibungen von insgesamt 6,3 Mrd. Dänischen Kronen auf immaterielle Vermögenswerte aus der Medikamentenpipeline. Davon entfielen allein 4,0 Mrd. Dänische Kronen auf den Wirkstoffkandidaten Monlunabant. Ohne diese Abschreibungen und den 340B-Vergleichseffekt stieg der operative Gewinn währungsbereinigt um 11 % auf 33,39 Mrd. Dänische Kronen. Das bereinigte Ergebnis wuchs somit schneller als der bereinigte Umsatz.

Wir dürfen deshalb weder den ausgewiesenen Gewinneinbruch noch das bereinigte Wachstum isoliert betrachten. Die Abschreibungen belasten zwar nicht den laufenden Cashflow. Wirtschaftlich sind sie trotzdem relevant, denn Novo Nordisk hatte zuvor Kapital in diese Pipelineprojekte investiert und erwartet daraus nun einen geringeren zukünftigen Nutzen. Das operative Geschäft entwickelte sich im zweiten Quartal besser als der ausgewiesene Gewinn vermuten lässt. Die Forschungsrisiken gehören jedoch ebenfalls zur Realität eines Pharmakonzerns.

Die Wegovy-Tablette könnte zum großen Wurf werden

Der bedeutendste Wachstumstreiber bleibt die Wegovy-Produktfamilie. In den USA überschritt die Tablettenversion in der Woche bis zum 17. Juli bereits 265.000 Verschreibungen. Seit der Markteinführung wurden mehr als 5 Mio. Verschreibungen ausgestellt. Bei den neu begonnenen Behandlungen bleibt die gesamte Wegovy-Familie nach Angaben des Unternehmens führend unter den Markenmedikamenten gegen Adipositas in den USA. Das ist für unsere Investition besonders wichtig. Eine Tablette ist für viele Patientinnen und Patienten einfacher anzuwenden als eine regelmäßige Injektion und erweitert dadurch den grundsätzlich erreichbaren Markt.

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Novo Nordisk beginnt zudem mit der internationalen Vermarktung. Die Wegovy-Tablette kam im Juni in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Juli in Großbritannien auf den Markt. Weitere ausgewählte Länder sollen in den kommenden Quartalen folgen. Gleichzeitig führte der Konzern Wegovy HD im April in den USA sowie den Wegovy-Einmalpen mit einer Dosierung von 7,2 Milligramm im Juni in Großbritannien ein. Die Einführung in der Europäischen Union ist für das zweite Halbjahr vorgesehen. Novo Nordisk verbreitert damit sein Angebot und kann Patientinnen und Patienten unterschiedliche Darreichungsformen und Dosierungen anbieten.

Novo Nordisk-Aktie: Neuigkeiten in der Pipeline

Auch regulatorisch erzielte das Unternehmen wichtige Fortschritte. Die Wegovy-Tablette erhielt im Juli auf Basis der OASIS-4-Daten die europäische Zulassung. In der zugrunde liegenden Studie erreichten Teilnehmende nach Unternehmensangaben eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von bis zu 16,6 %. Für den höher dosierten Wegovy-Pen mit 7,2 Milligramm nennt Novo Nordisk auf Basis der STEP-UP-Daten einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von bis zu 20,7 %. Die neuen Varianten stärken die Wettbewerbsposition des bestehenden Wegovy-Wirkstoffs, ohne dass Novo Nordisk hierfür zunächst einen vollständig neuen Wirkstoff etablieren muss.

In der Pipeline gab es allerdings auch einen deutlichen Rückschlag. Die Phase-3-Studie ZEUS mit Ziltivekimab erreichte ihren primären Endpunkt nicht. Der Wirkstoff wurde bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen und Entzündungen untersucht. Das Scheitern zeigt, dass die Erweiterung über Diabetes und Adipositas hinaus schwierig bleibt. Novo Nordisk besitzt zwar eine umfangreiche Forschungsplattform. Der Wert der Novo Nordisk-Aktie darf aber nicht auf der Annahme beruhen, dass sämtliche Wirkstoffkandidaten später zu erfolgreichen Medikamenten werden.

Das Management hebt die Prognose für 2026 an

Novo Nordisk erwartet beim bereinigten Umsatz nun eine währungsbereinigte Entwicklung zwischen 0 % und minus 6 %. Zuvor hatte der Konzern noch einen Rückgang zwischen 4 % und 12 % erwartet. Die Prognose für den bereinigten operativen Gewinn wurde in demselben Umfang von minus 4 % bis minus 12 % auf nun 0 % bis minus 6 % verbessert. Der Mittelpunkt der erwarteten Spanne steigt damit jeweils von minus 8 % auf minus 3 %. Verantwortlich sind vor allem höhere Erwartungen an die GLP-1-Verkäufe. Schon im letzten Quartalsupdate hatten wir über eine Prognoseanhebung und die mögliche zugrundeliegende Strategie berichtet.

Wir bewerten das zweite Quartal überwiegend positiv. Das bereinigte Umsatzwachstum beschleunigt sich auf 7 %, während der bereinigte operative Gewinn um 11 % steigt. Insbesondere die Wegovy-Tablette scheint eine bedeutende Erweiterung des Produktportfolios zu werden. Die internationale Einführung und die höher dosierte Wegovy-Version schaffen zusätzliche Wachstumschancen.

Unser Fazit zur Novo Nordisk-Aktie

Ganz überwunden ist die operative Schwächephase jedoch nicht. Für das Gesamtjahr rechnet Novo Nordisk selbst nach der Prognoseanhebung bestenfalls mit stagnierenden bereinigten Umsätzen und Gewinnen. Hinzu kommen die Abschreibungen auf Pipelineprojekte und das Scheitern der ZEUS-Studie. Das Quartal zeigt uns daher keine vollständige Rückkehr zur alten Wachstumsstärke. Es liefert aber erste überzeugende Hinweise darauf, dass Novo Nordisk mit der breiteren Wegovy-Produktfamilie wieder mehr Schwung entwickelt. Bei der Novo Nordisk-Aktie halten wir weiterhin die Chance für größer als das Risiko.

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