Oracle-Aktie: Das Geheimnis der kaum bekannten Macht

Die schwarze Königin steht mit einer Krone auf einem Schachbrett, umringt von Bauern
Foto: klimkin via Pixabay

Larry Ellison, der unbequeme jahrzehntelange Rivale von Bill Gates, gehört plötzlich zu den drei reichsten Menschen der Welt. Dabei kennt kaum jemand sein Unternehmen. Wegweisende Vorstöße in Richtung Social Media, Metaverse, Künstliche Intelligenz oder humanoide Roboter, wie sie für die meisten anderen Tech-Giganten typisch sind, gibt es kaum. Oracle (WKN: 871460) sucht nicht das Scheinwerferlicht. Dennoch liebt die Börse die Oracle-Aktie und macht ihren Großaktionär unfassbar reich.

Was also ist das Geheimnis dieses Software-Riesen, der offenbar vor allem im Hintergrund die Wirtschaft am Laufen hält?

Wie die Oracle-Aktie vom Langweiler zur Kursrakete wurde

Vor zwei oder drei Jahrzehnten kannte ich Oracle als den dominanten Anbieter von Datenbanksystemen und den zweitgrößten Entwickler von ERP-Software. Interessant war auch die Übernahme von Hardware-Ikone Sun Microsystems. Danach ist das Unternehmen für mich langweilig geworden und ich verlor es aus dem Blick.

Denn aufstrebende Tech-Unternehmen schienen sich immer mehr von klassischen SQL-Datenbanksystemen abzuwenden, welche bei Banken und Versorgern fest verankert sind. Stattdessen setzten sie auf die Lösungen von sogenannte NoSQL-Anbietern MongoDB oder Couchbase, die auch mit unstrukturierten Daten umgehen können. Zudem war zu erkennen, dass aus dem Hardware-Geschäft nichts Großartiges wird. Auch heute noch spielen die Lösungen rund um Exadata oder Engineered Systems nur eine untergeordnete Rolle.

Das waren keine besonders guten Voraussetzungen. Und tatsächlich benötigte Oracle fast 18 Jahre, um nach dem Platzen der Dot-com-Blase nachhaltig neue Kurshochs zu erklimmen. Doch irgendwann wurde der Schalter umgelegt. Denn danach legte die Marktkapitalisierung mit unfassbarer Geschwindigkeit zu. 2022 waren es zeitweise weniger als 200 Mrd. US-Dollar. Drei Jahre später sind es fast 700 Mrd. US-Dollar. Ein Zuwachs von einer halben Billion, oder anders ausgedrückt, von einer halben Milliarde pro Tag!

Heute ist Oracle zwar noch immer eine feste Größe im Softwaremarkt, aber irgendetwas muss sich radikal geändert haben, um diesen Aufschwung herbeizuführen.

Die Verwandlung von Oracle

Wie so oft hat es auch hier mit der Cloud zu tun. In diesem Bereich hat sich Oracle in den vergangenen zehn Jahren zu einem ernstzunehmenden Player entwickelt. Unter der Führung von Safra Catz und Larry Ellison verschob Oracle sukzessive sein Geschäftsmodell vom klassischen Lizenzverkauf hin zu abonnementbasierten Cloud-Services. Die einst in den lokalen Rechenzentren dominierende SQL-Datenbank wird heute flankiert von Oracle Cloud Infrastructure (OCI), autonomen Datenbankangeboten und einer breiten Suite aus SaaS-Applikationen für ERP, HCM und Customer Experience.

Auf diese Weise kann Oracle als End-to-End-Cloud-Champion auftreten, der besonders durch seine hohe Performance für datenintensive Workloads und tief integrierten Datenbankdiensten punktet. Der Trick ist also, dass Oracle seine Stärken zu einem Cloud-Paket geschnürt hat, das besonders gut auf die Bedürfnisse seiner kapitalkräftigen Zielgruppen (Zahlungsdienstleister, Großkonzerne, Versorger) ausgelegt ist. Die stärkste Datenbanktechnologie trifft auf Hardwarebeschleuniger, populäre Business-Software und erstklassige Services. Oracle ist heute DER Cloud-Navigator für kritische Systeme. Anspruchsvollen Kunden sind offenbar gern bereit, dafür etwas mehr auszugeben als vielleicht beim ein oder anderen Hyperscaler.

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Gleichzeitig verzichtet Oracle darauf, Kunden in seine eigene Cloud-Infrastructur zu zwingen. Vielmehr können Kunden frei wählen, ob sie ihre Datenbank-getriebenen Systeme bei OCI, AWS oder Azure betreiben wollen. Das nimmt Lock-in-Sorgen und sorgt für Vertrauen. Hinzu kommt, dass Oracle beim Thema KI durchaus vorne mitspielt, wobei das jahrzehntelange Hardware-Know-how doch noch zum Tragen kommt. Über Partnerschaften etwa mit AMD, Nvidia und OpenAI kann Oracle seinen Kunden auch spezielle Hardware-Umgebungen für KI-Anwendungen bieten. Oracle integriert bei seiner KI-Infrastruktur also Hardware, Software und Cloud-Services aus einer Hand.

Der Oracle-Aktie kommt dies Strategie zugute.

Oracles Erfolg in Zahlen

Mit seinem integrierten Ansatz gelingt es, sich gegenüber anderen Hyperscalern zu differenzieren. Entsprechende Cloud-Abos erfreuen sich daher gutem Kundenzuspruch. Und das sorgt nicht nur für einen Ausbau der Kundenbasis, sondern erleichtert auch das Cross-Selling und reduziert die Bereitstellungskosten. Im Ergebnis erzielt Oracle nicht nur mehr Umsatz, sondern auf lange Sicht auch höhere Margen.

Im Geschäftsjahr 2022, das am 31. Mai endete, lag der Jahresumsatz noch bei 42,4 Mrd. US-Dollar, 2025 immerhin bei 57,4 Mrd. US-Dollar. Interessant ist dabei, wie sich die Cloudumsätze (IaaS plus SaaS) entwickelten: Im Q4/2022 waren es noch 2,9 Mrd. US-Dollar. Drei Jahre später schon 6,7 Mrd. US-Dollar. Beeindruckend ist in diesem Zusammenhang auch der Zuwachs von 41 % auf 138 Mrd. US-Dollar beim Auftragsbestand, der sich aus den bestehenden, oft mehrjährigen Kundenverträgen, ergibt.

Dass der Gesamtumsatz angesichts der rasanten Umstellung auf Abonnements nur mit einer Rate 8 % wächst, ist da zu verschmerzen, denn es spricht vieles dafür, dass künftig eine Beschleunigung erzielbar ist, je mehr Gewicht die Aboumsätze einnehmen.

Das mit der Margensteigerung funktioniert allerdings noch nicht. Die normalisierte operative Marge lag 2022 bei 46 % und 2025 bei 44 %. Beim berichteten Gewinn je Aktie gab es im Vergleich zu 2021 sogar einen kleinen Rückgang.

Das Management rechtfertigt diese Stagnation erstens mit der noch laufenden Umstellung von Lizenzen auf Abonnements, wegen der verzögerten Umsatzrealisierung. Der zweite Punkt betrifft die massiven Zukunftsinvestitionen. Oracle nimmt viele Milliarden in die Hand, um Supercluster, Rechenzentren und GPU-Kapazitäten auszubauen. Zudem geht das Unternehmen bei diversen KI-Partnerschaften in Vorleistung.

Oracle-Aktie – von Value zu einer Wette auf die Zukunft

Noch vor einigen Jahre war Oracle eher eine Art Cash-Cow, die ordentliche Zahlen ablieferte, aber wenig Fantasie bot. Inzwischen geht das Unternehmen jedoch in die Vollen, um beim großen Spiel rund um Cloud und KI in die erste Reihe vorzustoßen. Oracle verfügt historisch bedingt über einzigartige Stärken, die bei dieser Strategie zum Tragen kommen.

Die Börse kauft die Story, was über die letzten drei Jahre zu einer Kursverdreifachung geführt hat. Da sich die wesentlichen Kennzahlen bisher nur moderat verbessert haben – wenn überhaupt – kann man heute nicht mehr von klassischem Value sprechen. Der Wert entsteht über die zukünftigen Potenziale, die sich aus dem Investitionsprogramm und der Ausweitung des KI-Ökosystems ergeben.

Wenn die Strategie aufgeht, dürften auch jetzt noch marktschlagende Renditen für Aktionäre drin sein, weil dann die Gewinne überproportional steigen. Klar ist aber auch, dass bei einem KUV von 12 erhebliches Rückschlagpotenzial besteht. Wer bei diesem Ritt dabei sein will, muss bereit sein, ein wildes Auf und Ab auszuhalten.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von AMD, MongoDB und Oracle.



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