Die Irrationalität der PayPal-Aktie
Manchmal reagieren Märkte emotional statt rational. So stürzte die PayPal-Aktie (WKN:A14R7U) nach der Bekanntgabe der Zahlen zum vierten Quartal 2025 um über 19 % ab (Stand: 03.02.2026, maßgeblich für alle Angaben). Das ist der stärkste Tagesrückgang seit über vier Jahren. Grund dafür waren schlechter als erwartete Quartalszahlen, eine schwache Prognose für 2026 und vor allem die Absetzung von CEO Alex Chriss nach gerade einmal zweieinhalb Jahren im Amt. Der Vorstand begründete die Entlassung ungewöhnlich direkt mit den Worten: „Das Tempo der Veränderungen und der Umsetzung entsprach nicht den Erwartungen des Vorstands.”
Auf den ersten Blick wirkt die Lage katastrophal. So brachte das vierte Quartal einen bereinigten Gewinn von 1,23 US-Dollar je Aktie statt der erwarteten 1,29 US-Dollar und der Umsatz verfehlte mit 8,68 Mrd. US-Dollar die Prognose von 8,77 Mrd. US-Dollar. Zudem brach das Wachstum beim Branded Checkout, also den direkten PayPal-Zahlungen über den klassischen Button, von 5 % im dritten Quartal auf magere 1 % im vierten Quartal ein.
Für 2026 prognostiziert das Unternehmen bestenfalls stagnierende Gewinne, während der Konsens ursprünglich von einem Wachstum von 8 % ausging. Dazu kommt nun noch der Schock des CEO-Wechsels mitten in einer ohnehin schwierigen Phase.
Aber ist die große Panik in diesem Ausmaß wirklich gerechtfertigt? Übersieht der Markt vielleicht, dass PayPal trotz aller Probleme immer noch ein profitables, wachsendes Unternehmen mit starken Cashflows ist und der neue CEO die Strategie nicht über den Haufen werfen, sondern nur schneller umsetzen will?
Das Geschäftsmodell: Mehr als nur der PayPal-Button
PayPal ist weit mehr als der bekannte blaue Checkout-Button. Das Unternehmen betreibt ein diversifiziertes Payment-Ökosystem mit 439 Mio. aktiven Konten weltweit und verarbeitet ein Zahlungsvolumen von über 1,8 Bio. US-Dollar pro Jahr. Zu diesem Ökosystem gehört Venmo, eine Social-Payment-App, die besonders bei jüngeren Nutzern in den USA beliebt ist. Hinzu kommt ein starkes Buy-Now-Pay-Later-Geschäft, das 2025 ein Transaktionsvolumen von über 40 Mrd. US-Dollar erreichte und um mehr als 20 % wuchs. Hinzu kommt das Payment-Service-Provider-Geschäft, über das PayPal für andere Händler die gesamte Zahlungsabwicklung managt, ohne dass der eigene Button sichtbar wird.
Gerade die Bereiche, die nicht direkt den PayPal-Button nutzen, wachsen am stärksten. Venmo steigerte seine Umsätze im Jahr 2025 um 20 % auf 1,7 Mrd. US-Dollar – ohne Berücksichtigung der Zinserträge aus Kundeneinlagen. Die Enterprise Payments kehrten im vierten Quartal zu einem zweistelligen Volumenwachstum zurück und trugen fast die Hälfte zum Wachstum der transaktionsbasierten Marge bei. Das Problem ist also nicht, dass PayPal keine wachsenden Geschäftsbereiche hätte. Das Problem ist, dass der prominenteste und profitabelste Teil, der Branded Checkout, schwächelt.
Aber auch hier lohnt sich ein genauerer Blick. Das Wachstum von nur einem Prozent im vierten Quartal hatte mehrere externe Ursachen. Die US-Konsumausgaben schwächelten deutlich, besonders im Einzelhandel. In Deutschland, einem wichtigen europäischen Markt, lief es ebenfalls schlecht. Hinzu kamen spezifische Segmente wie Reisen, Ticketing, Krypto und Gaming, die alle schwächer wuchsen als erwartet. Dies sind makroökonomische und branchenspezifische Faktoren, die PayPal nur begrenzt beeinflussen kann.
Der CEO-Wechsel: Panik oder berechtigte Kurskorrektur?
Die Absetzung von Alex Chriss kam für die Märkte überraschend, auch wenn intern offenbar schon länger Unzufriedenheit herrschte. Chriss war im September 2023 von Intuit zu PayPal gekommen und sollte das Unternehmen durch eine schwierige Phase führen. Er setzte stark auf künstliche Intelligenz, Stablecoins und technologische Modernisierung. Zweimal hatte er die Jahresziele angehoben, was Vertrauen signalisierte. Offenbar dauerte dem Board der Turnaround jedoch zu lange und die Ergebnisse beim Branded Checkout waren nicht gut genug.
Enrique Lores, der ab dem 1. März als CEO tätig sein wird, bringt eine komplett andere Erfahrung mit. Er war über sechs Jahre lang CEO von HP und saß bereits fünf Jahre im Board von PayPal, davon 18 Monate als Board Chair. Er kennt das Unternehmen also von innen, sodass eine langwierige Einarbeitungsphase überflüssig ist. Bei HP leitete er große Transformationen und erweiterte das Geschäft von klassischen PCs und Druckern in Richtung Services, Abonnements und KI. Genau diese Erfahrung in der Führung komplexer Tech-Transformationen soll er nun bei PayPal einbringen.
Das Entscheidende ist: Lores wird die Strategie nicht grundlegend ändern. Im Earnings Call betonte der amtierende CEO Jamie Miller mehrfach, dass die strategische Richtung richtig sei, nur die Geschwindigkeit und Präzision der Umsetzung müssten verbessert werden. Lores selbst sagte in seinem Statement: „Wir werden die Kultur der Innovation weiter stärken, um eine langfristige Transformation zu erreichen, und dies mit kurzfristiger Lieferung ausbalancieren. Wir werden mit größerer Geschwindigkeit und Präzision arbeiten und uns für eine konsistente Lieferung von Quartal zu Quartal verantwortlich machen.“
Das klingt nicht nach einem radikalen Neustart, sondern nach einer Beschleunigung. Lores soll die bestehenden Initiativen schneller umsetzen, mehr Disziplin in die Ausführung bringen und die Produkteinführungen straffen. Genau das ist es, was PayPal braucht. Die Strategie mit BNPL, Venmo-Monetarisierung, Fastlane-Checkout und Agentic Commerce Services ist richtig. Sie wurde nur zu langsam und zu zögerlich umgesetzt.
PayPal-Aktie: Die Zahlen, die der Markt übersieht
Inmitten all der Panik werden einige wichtige Fakten übersehen. So erzielte PayPal im Jahr 2025 ein Umsatzwachstum von 4 % und ein Gewinnwachstum von 35 % beim verwässerten Gewinn je Aktie. Die transaktionsbasierte Margen-Dollar, also der Gewinn aus den Transaktionen vor operativen Kosten, stiegen um 3 %– ohne Berücksichtigung der Zinserträge aus Kundeneinlagen. Das operative Geschäft generiert nach wie vor erhebliche Cashflows. Im vierten Quartal generierte PayPal 2,2 Mrd. US-Dollar an freien Cashflow.
Von diesem Cash nutzte das Unternehmen 1,5 Mrd. US-Dollar, um im vierten Quartal 23 Mio. eigene Aktien zurückzukaufen. Zusätzlich wurde eine Quartalsdividende von 0,14 US-Dollar je Aktie ausgeschüttet. Damit zeigt das Management, dass es trotz der Investitionen in Wachstum weiterhin Geld an die Aktionäre zurückgibt. Ein Unternehmen in der Krise sieht anders aus.
Im Jahresvergleich stieg die Zahl der 439 Mio. aktiven Konten um 1 %. Das Wachstum ist zwar langsam, aber es ist (wieder) vorhanden. Zwar sanken die Zahlungstransaktionen pro aktivem Konto um 5 % auf 57,7, jedoch steigt diese Kennzahl um 5 %, wenn man die Payment-Service-Provider-Transaktionen herausrechnet, bei denen PayPal im Hintergrund läuft. Dies zeigt, dass bestehende Kunden PayPal tatsächlich häufiger nutzen – nur eben nicht immer über den sichtbaren PayPal-Button.
Auch die Profitabilität bleibt solide. Die GAAP-Betriebsmarge verbesserte sich im vierten Quartal um 19 Basispunkte auf 17,4 %. Die bereinigte Betriebsmarge sank zwar um 9 Basispunkte auf 17,9 %, was jedoch auf die erhöhten Investitionen in Produktentwicklung, Marketing und Belohnungsprogramme zurückzuführen ist. Diese sollen mittelfristig zu höheren Erträgen führen.
Die Bewertung: Ist die PayPal-Aktie jetzt ein Schnäppchen
Nach dem Kurssturz notiert PayPal bei etwa 42 US-Dollar, weit entfernt vom Allzeithoch von 308 US-Dollar aus dem Jahr 2021. Das KGV liegt damit bei etwa 8, bezogen auf den erwarteten Gewinn je Aktie für 2026. Für ein profitables Tech-Unternehmen mit globaler Reichweite, starken Cashflows und diversifizierten Geschäftsbereichen ist das eine defensive Bewertung. Zum Vergleich: Visa handelt bei einem KGV von über 30, Mastercard ebenfalls.
Natürlich gibt es Risiken. Die Konkurrenz durch Apple Pay, Google Pay, Stripe und aufstrebende FinTechs wird nicht verschwinden. Der Einzelhandel schwächelt, was PayPals Kerngeschäft belastet. Die Abhängigkeit vom US-Markt, der 57,5 % der Umsätze ausmacht, ist ein Klumpenrisiko. Und der neue CEO muss erst beweisen, dass er die Transformation tatsächlich beschleunigen kann.
Die Chancen überwiegen meiner Meinung nach jedoch. PayPal hat eine riesige installierte Basis von fast 440 Mio. Nutzern, die es nur besser zu monetarisieren gilt. Venmo wächst stark und wird zunehmend profitabel. BNPL boomt und könnte in einem Umfeld, in dem Trump über Kreditkartenzins-Caps spricht, noch attraktiver werden. Die Partnerschaften mit Microsoft für Copilot Checkout und die neuen Agentic Commerce Services zeigen, dass PayPal innovativ bleibt. Mit Lores kommt zudem ein erfahrener Transformations-CEO, der das Unternehmen kennt und schnell loslegen kann.
Es ist irrational, dass der Markt PayPal heute so behandelt, als stünde das Unternehmen kurz vor dem Kollaps. Dabei ist PayPal profitabel, cashflow-stark und global führend im digitalen Zahlungsverkehr. Die Probleme sind real, aber lösbar. Für geduldige Anleger, die an den langfristigen Trend des digitalen Bezahlens glauben, könnte der heutige Kurssturz eine Einstiegschance sein statt ein Warnsignal.
PayPal-Aktie: Panik übertrieben, Vorsicht geboten
Die PayPal-Aktie erlebte einen brutalen Tag. Ein Verlust von 19 % ist schmerzhaft – besonders für Investoren, die schon seit Jahren auf eine Erholung warten. Die Reaktion des Marktes übertreibt jedoch die Probleme. Ja, das vierte Quartal war schwach. Und ja, der CEO-Wechsel ist ein Eingeständnis, dass die bisherige Strategie zu langsam umgesetzt wurde. Und ja, 2026 wird kein einfaches Jahr.
Aber PayPal ist kein sterbendes Unternehmen. Es ist ein profitables, weltweit führendes Zahlungsnetzwerk mit wachsenden Geschäftsbereichen, starken Cashflows und einem neuen CEO. Dieser will die bestehende Strategie nicht über Bord werfen, sondern sie schneller und disziplinierter umsetzen. Nach dem Crash ist die Bewertung attraktiv geworden, gerade im Vergleich zu anderen Payment-Giganten.
Wer heute einsteigt, braucht Geduld. Der Turnaround wird nicht über Nacht kommen und es sind weitere Quartale mit schwachen Zahlen möglich. Langfristig dürfte PayPal jedoch zu den Gewinnern der digitalen Bezahlrevolution gehören – vorausgesetzt, Lores liefert, was er verspricht: mehr Tempo, mehr Fokus, mehr Ergebnisse. Die Irrationalität der heutigen Kursbewegung könnte sich in ein paar Jahren als ideale Kaufgelegenheit herausstellen.
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