Quantencomputer-Aktien: Jetzt von IonQ auf Infleqtion und Xanadu Quantum umschichten

Quantum Computing gilt als eines der heißesten Zukunftsthemen unserer Zeit – technologisch, wirtschaftlich und politisch. Während klassische Halbleiter seit Jahrzehnten inkrementelle Fortschritte erzielen, verspricht das neue Quantenparadigma einen Sprung um Größenordnungen. Einige Analysten gehen davon aus, dass der globale Gesamtmarkt langfristig ein Volumen von über 1 Billion Euro erreichen könnte.
Kein Wunder also, dass die großen Tech-Konzerne längst mit großen eigenen Quantenprogramme eingestiegen sind. Doch der Börsenliebling ist der Spezialist IonQ (WKN: A3C4QT) – obwohl es zwei neue Rivalen gibt, die aus meiner Sicht deutlich mehr Quanten pro investiertem Euro bieten.
Was IonQ auszeichnet und warum es nicht ausreicht
IonQ war das erste reine Quantenunternehmen, das über eine SPAC-Fusion an die Börse ging. Es positionierte sich früh als „führender Anbieter von trapped-ion Quantencomputern“ und profitierte von mehreren Faktoren. Dazu gehört eine skalierbare Roadmap, die zu Systemen mit über 1.000 Qubits führen soll – ab dieser Größenordnung steigt die Nützlichkeit von Quantencomputern massiv. Prominente Partnerschaften mit Cloud-Hyperscalern verschaffen IonQ zusätzliche Glaubwürdigkeit.
Hilfreich ist auch, dass IonQ offensiv kommuniziert und sich als Branchenanführer inszeniert. Mit mehreren Zukäufen untermauert das Management diesen Anspruch. Heute deckt IonQ fast alle Segmente der Quantum-Computing-Welt ab und bietet mehr aus einer Hand als viele Rivalen. Sogar eine US-Fab kommt nun unter das Konzerndach, die zentrale Hardware-Komponenten in Serie fertigen kann. Die Kombination aus First-Mover-Vorteil und ambitionierter Innovationspipeline machte IonQ zur beliebtesten Quantencomputer-Aktie der letzten Jahre.
Mit der Popularität stieg jedoch auch die Bewertung – deutlich schneller als die fundamentale Entwicklung. Obwohl SPACs oft überoptimistische Annahmen enthielten, notiert die IonQ-Aktie zuletzt mehrfach über dem ursprünglichen SPAC-Kurs von 10 US-Dollar. Das wäre nur gerechtfertigt, wenn IonQ sich klar als einer der großen Gewinner der Quantenrevolution abzeichnete. Doch wir stehen erst am Anfang. Noch konkurriert eine Vielzahl von Technologien um die Vorherrschaft.
Niemand kann heute sagen, wer den optimalen Mix aus Kosten, Leistung und Geschäftsmodell findet. Über 30 ernstzunehmende Systementwickler aus Nordamerika, Europa und Asien wetteifern derzeit um die technologische Vorherrschaft – und regelmäßig kommen weitere hinzu. Dass IonQ trotz vieler Zukäufe noch hochliquide ist, taugt kaum als Kaufargument, denn auch viele Konkurrenten verfügen über kapitalkräftige Investoren.
Vor diesem Hintergrund rücken zwei Unternehmen in den Fokus, die erst seit Kurzem an der Börse sind: Infleqtion und Xanadu Quantum.
Warum Infleqtion jetzt spannender wird
Infleqtion (WKN: A422S8) ist einer der am besten finanzierten und technologisch breitesten Entwickler von Quantensystemen. Das Unternehmen setzt auf Neutralatom-Technologie, die als besonders skalierbar gilt. Das Hardware-Portfolio deckt die Themen Quantum Computing, Quantum Networking und Quantum Sensing ab. Aber Infleqtion ist nicht nur ein Hardwarehersteller, sondern ein Plattformanbieter. Das bedeutet, dass Kunden selbst die Hardware nicht verstehen oder betreiben müssen, sondern die Plattform wie ein Betriebssystem nutzen können. Alle Tools und Integrationen werden mitgeliefert.
Das kommt gut an: Mehrere US-Behörden arbeiten eng mit dem Unternehmen zusammen. Zudem verkauft Infleqtion bereits heute Sensorik- und Timing-Lösungen, die unabhängig vom Quantencomputer-Markt Umsätze generieren. Wenn es darüber hinaus gelingt, die erhofften Vorteile des Neutralatom-Ansatzes für ultrahohe Rechenleistung auszuschöpfen, dann könnte Infleqtion schneller als IonQ in den Bereich von Tausenden Qubits vorzustoßen. Neutralatome bieten eine natürliche Parallelisierbarkeit, schnellere Gate-Operationen und dichte Packbarkeit, während Ionen aufwändig voneinander isoliert werden müssen.
Zwar ist die Zuverlässigkeit der Neutralatome noch beschränkt, aber auf lange Sicht sollte das lösbar sein und dann brilliert die Technologie mit klar besseren Kostenstrukturen im Aufbau und Betrieb. Insgesamt bietet Infleqtion eine erstaunlich robuste und diversifizierte Story. All das gibt es bei den aktuellen Kursen rund sechsmal günstiger als bei IonQ.
Warum Xanadu Quantum ebenfalls eine attraktivere Quantencomputer-Aktie sein könnte
Xanadu Quantum (WKN: A426Z7) aus Kanada verfolgt einen radikal anderen Ansatz: Photonische Quantencomputer. Diese Technologie hat ebenfalls mehrere Vorteile gegenüber Ionenfallen. Sie benötigt keine teure Kryotechnik, was einen massiven Kostenvorteil bedeutet. Zudem ist die Vernetzbarkeit einfacher, was Quantum Networking und verteilten Systemen zugutekommt. Und genauso wie IonQ und Infleqtion beschränkt sich auch dieser Wettbewerber nicht auf die reine Hardware. Mit PennyLane entwickelt Xanadu eines der führenden Frameworks für Quantum Machine Learning.
Die Vision ist groß: Xanadu will der Vorreiter eines globalen, photonischen Quantum-Internets sein. Mit dem über die SPAC-Fusion eingenommenen Kapital verfolgt Xanadu nun eine aggressive Expansionsstrategie, die auch Zukäufe entlang der photonischen Wertschöpfungskette umfasst.
Noch hinkt die technologische Reife der Photonik hinterher. Die Fehlerraten sind hoch, sodass Anwendungen, bei denen zuverlässige und exakte Ergebnisse entscheidend sind, noch in großer Ferne liegen. Aber dafür verspricht der Ansatz Lichtgeschwindigkeit, niedrige Kosten und herausragende Skalierbarkeit. Dafür muss ein fundamentales Problem der Photonik gelöst werden: die deterministische Erzeugung von einzelnen Photonen. Bislang gelingt dies nur unter hochkontrollierten und nicht skalierbaren Laborbedingungen.
Ob und wann dieses Problem gelöst wird, ist derzeit nicht absehbar. Doch angesichts der immensen langfristigen Chancen ist Xanadu trotzdem ein spannender Kandidat. Anleger brauchen hier einen besonders langen Atem, können aktuell aber immerhin zu etwa einem Drittel der Marktkapitalisierung von IonQ zum Zuge kommen.
Warum ein Umschichten von IonQ auf andere Quantencomputer-Aktien sinnvoll sein kann
IonQ bleibt ein wichtiger Player, doch die Bewertung erscheint viel zu hoch, angesichts des harten Wettbewerbs in einem schwer überschaubaren Markt im frühen Entwicklungsstadium. Wie wir schon allein anhand der beiden obigen Beispiele erkennen können, ist die technologische Dominanz alles andere als gesichert. Andere haben ebenfalls tief integrierte Software-Stacks und zum Teil besser skalierende Architekturen.
Während die IonQ-Aktie bei Kursen von über 40 US-Dollar kaum noch fundamentale Potenziale bietet, lockt bei der Konkurrenz eine jeweils deutlich geringere Marktkapitalisierung. Für Anleger, die früh in Quantum Computing investieren wollen, kann es daher sinnvoll sein, bei IonQ Kasse zu machen und sich stattdessen bei alternativen Quantencomputer–Aktien auf die Lauer zu legen. Der Markt ist extrem dynamisch, sowohl technologisch als auch börsentechnisch.
Alles auf eine Karte zu setzen ist deshalb wahrscheinlich keine gute Strategie. Stattdessen sollte man vielleicht immer dann, wenn die Euphorie etwas verfliegt, schrittweise beim jeweils aktuell aussichtsreichsten Kandidaten zukaufen. Im Moment ist für mich Infleqtion weit oben auf der Liste, während die IonQ-Aktie eher unten rangiert.
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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.
