3 % Rendite – die nächsten 10 Jahre?!

Lieber Aktiensegler,
3 % Rendite in einem einzelnen Jahr müssen wir so manches Mal hinnehmen. Aber wenn die Aussicht von einer durchschnittlichen Rendite von 7 % oder mehr auf ein Niveau von lediglich 3 % fällt, sprechen wir eher von einem systematischen System.
Exakt das haben einige Analysten von Goldman Sachs aber prognostiziert. Laut ihren Modellen besteht das große Risiko, dass die kommende Dekade von einer deutlichen Underperformance geprägt ist. Besonders der Vergleich mit der Vergangenheit deutet zudem auf einen zweiten Fallstrick hin.
Eine Rendite von 3 % birgt ein großes Bewertungsrisiko
Sprechen wir zunächst über den Ansatz von Goldman Sachs. Die Analysten haben ein Modell verwendet, das auf dem Shiller-KGV basiert. Diese Kennzahl betrachtet die letzten zehn Jahre und bildet daraus ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, das um die Inflation bereinigt wird. Sie dient als Makro-Indikator, der einzelne, kleinere Konjunkturdellen oder Sondereffekte ausklammert, und hat sich deshalb einen guten Ruf erarbeitet.
Die Kernmessage hierbei ist: Mit einem aktuellen Wert von 41 sind wir weit vom Durchschnittswert von 17 oder 18 entfernt. Der Markt rechtfertigt das zwar mit künstlicher Intelligenz und Softwarge-Margen bei den Hyperscalern, die eine gewisse Prämie verdient hätten. Aber der Blick in die Historie zeigt, dass es solche Bewertungen lediglich während der Dotcom-Blase oder vor dem großen Crash 1929 gegeben hat. Die implizierten 3 % Rendite in den nächsten zehn Jahren bergen das Risiko, dass die Investoren irgendwann zu den durchschnittlichen Bewertungen zurückkehren und angemessene Bewertungen für unternehmerische Risiken erfordern. In der Vergangenheit bedeutete das in der Regel eine starke Korrektur. Oder, wie im Falle der Dotcom-Tage und dem Jahre 1929: Einen deutlichen Crash.
Eine Renditeerwartung von 3 % in den nächsten zehn Jahren bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass der Aktienmarkt heute, morgen, in einem Monat oder selbst in einem Jahr einbrechen muss. Phasen der Übertreibung dauern hin und wieder an. Das hohe Shiller-KGV gilt lediglich als Indikator dafür, dass der Aktienmarkt sehr teuer ist. Trotzdem kann es durchaus noch 10, 20 oder selbst 50 % hochgehen. Das Risiko und das Rückschlagspotenzial würden dann nur größer.
Meine Einschätzung, mein Ansatz
Kommen wir nun zu einer Bewertung dieser Einschätzung. Ohne unter die Crash-Propheten gehen zu wollen, aber ich halte die Einschätzung für plausibel. Auch der Warren-Buffett-Indikator liegt mit über 200 weit über seinem Durchschnitt. Er ist weit entfernt von der Marke von 120, die bereits als teuer gilt. Warren Buffett selbst hortet bei Berkshire Hathaway seit Jahren Cash und spricht davon, dass ihm der Aktienmarkt viel zu teuer sei. Es gibt daher mindestens einen zweiten Anzeiger, der ein ähnliches Bild skizziert.
Heißt das jetzt, dass wir keine Aktien mehr kaufen sollten? Nein, nicht unbedingt. Aber solche Makro-Anzeiger sollten uns dennoch zur Vorsicht mahnen. Persönlich setze ich im Moment sehr selektiv auf einzelne günstige Chancen, die bei soliden Bewertungen und soliden Wachstumsaussichten nicht wahnsinnig bepreist erscheinen. Das kann zum Beispiel eine Aktie wie American Tower sein oder auch eine Münchener Rück, die nach der diesjährigen Dividende zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp über 10 gehandelt wird.
Für mich bedeutet die Aussicht von Goldman Sachs daher, dass wir als Investoren jetzt vor allem vorsichtig sein sollten. In einem teuren Aktienmarkt macht es gewiss keinen Sinn mehr, dem Hype hinterherzulaufen. Das ist sogar die wichtigste Erkenntnis, die ich heute mit dir teilen will.
Auf vernünftige Bewertungen, teure Aktienmärkte und clevere Prognosen,
Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360
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Vincent besitzt Aktien von American Tower, Berkshire Hathaway und der Münchener Rück. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von American Tower, Berkshire Hathaway und der Münchener Rück.