Crash, Korrektur & Bewertung im Aktienmarkt: 3 Gründe, warum ich jetzt ganz, ganz vorsichtig werde!

Ein Crash oder eine Korrektur im Aktienmarkt ist stets eine Frage der Zeit. Gängige Statistiken zeigen, dass die Börse etwa alle zwei Jahre um 10 % einbricht. Eine tiefere Korrektur von 20 % passiert hingegen etwa alle vier Jahre, und zwei bis drei Mal im Jahrzehnt geht es sogar um 30 % bergab.
Regelrechte Crashs mit einem Minus von 50 % oder mehr passieren im Durchschnitt ein bis zwei Mal pro Jahrhundert. Wobei hier die Vergangenheit nicht der beste Indikator sein muss. Der Aktienmarkt ist in den letzten Jahren und zwei, drei Jahrzehnten deutlich dynamischer und schnelllebiger geworden. Es könnte daher durchaus schneller gehen.
Gerade mit Blick auf die Bewertungen bin ich jedoch der Meinung: Der Aktienmarkt läuft Gefahr, heiß zu werden. Hier sind meine drei Gründe, warum ich jetzt ganz, ganz vorsichtig agiere.
Crash & Korrektur im Aktienmarkt: Die Bewertung ist wirklich hoch!
Natürlich passieren ein Crash oder eine Korrektur am Aktienmarkt nicht aus einer zu hohen Bewertung heraus. Meiner Meinung nach erhöht eine zu teure Bewertung jedoch das Risiko, dass ein unvorhergesehenes Event die Börsen richtig stark einbrechen lässt, wenn es dazu kommt. Exakt das beobachte ich gegenwärtig im Markt.
Betrachten wir dazu zwei Kennzahlen. Die erste ist der sogenannte Warren-Buffett-Indikator. Sie setzt die Marktkapitalisierung aller börsennotierten Unternehmen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA. Ein Wert von 100 gilt als fair, 70 ist für Warren Buffett günstig und 120 bereits teuer. Ab 200 spielt der Aktienmarkt laut seiner Aussage mit dem Feuer. Heute stehen wir bei 219.
Eine zweite Kennzahl, die etwas wissenschaftlicher fundiert ist, basiert auf dem Nobelpreisträger Robert J. Shiller. Sein Shiller-KGV misst dabei den inflationsbereinigten Gewinn der letzten 10 Jahre. Historisch gesehen liegt der Durchschnittswert etwa bei 17. Werte von 25 bis 30 sind hingegen teuer und alles über 30 extrem teuer. Heute liegt der Wert bei 41,4. Das deutet auf ein Bewertungsmaß hin, das wir zuletzt in der Dotcom-Blase gesehen haben.
Rein fundamental ist der Aktienmarkt daher sehr, sehr teuer. Es bedeutet nicht, dass eine Korrektur oder ein Crash direkt ins Haus stehen muss. Aber es lässt die Wahrscheinlichkeit steigen, dass ein zu schwaches Wachstum oder ein Schwarzer-Schwan-Event den Markt deutlich tiefer einbrechen lassen.
Die Luftschlösser, die aufgeblasen werden
Der zweite Grund, warum ich sehr vorsichtig im Aktienmarkt agiere, sind die aktuellen Luftschlösser. Der Hype um Künstliche Intelligenz mag in Teilen real sein. Keine Frage: Viele der Sprachmodelle sind beliebt. Auch die Infrastruktur bleibt nötig. Die Magnificent 7 zeigen mit ihren großen Investitionsprogrammen außerdem, wie viel Geld in das Segment fließt und wie begehrt Halbleiter sind.
Aber allein dieser Markt basiert auf der vollständigen Annahme, dass die Margen bei den Halbleiterkonzernen hoch bleiben und kein Wettbewerb stattfindet. Sowie in Teilen auch darauf, dass insbesondere automatisierte Künstliche Intelligenz einen nicht unerheblichen Teil der Wirtschaft automatisiert. Ob es eintritt? Wann es eintritt? Fragezeichen. Ähnlich wie in Zeiten der Dotcom-Blase könnte es länger dauern und mit einem gewissen Retardierenden Moment einhergehen. In diesem Fall glaube ich, dass der Aktienmarkt das nervös antizipieren würde.
Parallel dazu werden weitere Luftschlösser aufgebaut. SpaceX wird so bewertet, als habe Elon Musk schon den Mond kolonialisiert. Auch im Quantencomputing scheint der Markt von schnellen, marktbreiten Lösungen auszugehen. Die Gefahr bei mehreren Luftschlössern ist für mich, dass nur eins platzen muss, damit der Aktienmarkt als Ganzes nachgibt. Ich halte eine Korrektur oder einen Crash daher nicht für unwahrscheinlich.
Crash & Korrektur im Aktienmarkt: Das Schnell-Reich-Werden-Gefühl ist zurück
Der dritte Grund, weshalb ich nun besonders vorsichtig bin, hängt mit der Psychologie beim Börsengang von SpaceX zusammen. Das Marketing war enorm. Egal ob es Broker, News-Seiten oder wer auch immer gewesen ist: Es schien einer der Börsengänge des Jahres gewesen zu sein. Ein Must-have. Ich habe Geschichten davon gehört, dass selbst absolute Laien unbedingt mitzeichnen wollten. Warum auch nicht? Es gab eine Menge zu gewinnen. Ähnlich dürfte die Stimmung bei OpenAI und Anthropic sein. Man kann eigentlich nur gewinnen.
Woher kennen wir das wohl? Wenn sich die Geschichte wiederholt, dann dürfte die Dotcom-Blase das Playbook liefern. Auch damals ließen sich die Massen in Aktien treiben. Ob es die Volksaktie der Deutschen Telekom gewesen ist. Oder irgendwas mit Internet. Hauptsache Hype. Hauptsache dynamisch. Und Hauptsache, man hat die Chance, schnelles Geld zu machen und in wenigen Monaten richtig reich zu werden.
Die Emotionen im Aktienmarkt kochen hoch. Die Psychologie wechselt zur Gier. Das ist meiner Meinung nach ein weiteres Fundament für eine Korrektur oder einen Crash. Wie gesagt: Es kann keiner sagen, ob es dazu kommt. Wann es dazu kommt. Ob der Aktienmarkt noch 20 oder 30 % steigt, ehe er fällt. Aber all diese Gründe geben mir genügend Anlass, um jetzt sehr, sehr vorsichtig zu sein.
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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.