Home Depot oder Lowe’s – welche Baumarkt-Aktie ist derzeit attraktiver?

Das Segment der Baumärkte in den USA ist ziemlich konzentriert. Zusammen haben die beiden Großen der Branche, Home Depot (WKN: 866953) und Lowe’s (WKN: 859545), einen Marktanteil zwischen 75 und 80 %. Da das Eigenheim ein wichtiger Teil des „American Dream“ ist, halte ich diesen Sektor langfristig für attraktiv. Aber lohnt sich gerade jetzt der Einstieg? Das wollen wir uns heute mal anschauen. Und auch, welche der beiden Aktien derzeit interessanter ist.
Baumärkte in den USA
Marktführer mit einem Anteil von gut 50 % ist Home Depot. Im Geschäftsjahr 25/26 (1. Februar) erzielte das Unternehmen aus Atlanta einen Umsatz von 164,7 Mrd. US-Dollar sowie einen Nettogewinn von 14,2 Mrd. US-Dollar oder 14,23 US-Dollar je verwässerter Aktie.
Konkurrent Lowe’s aus Mooresville in North Carolina ist mit einem Marktanteil von etwa 28 % deutlich kleiner. 86,3 Mrd. US-Dollar betrug der Umsatz im Geschäftsjahr 25/26 (30. Januar). Als Gewinn blieben davon 6,7 Mrd. US-Dollar oder 11,85 US-Dollar je verwässerter Aktie übrig.
Beide Unternehmen betreiben „normale“ Baumärkte, allerdings setzen sie unterschiedliche Schwerpunkte. So ähnelt Home Depot eher den deutschen Hornbach-Baumärkten, da sich das Unternehmen stark auf Profihandwerker und größere Projekte konzentriert. Die Märkte haben eine klassische „Lagerhaus-Atmosphäre“ mit hohen Regalen, Betonböden und Gabelstaplern in den Gängen. Lowe’s dagegen fokussiert sich traditionell stärker auf Hobbyheimwerker (DIY) sowie Privatkunden und legt viel Wert auf Ästhetik. Die Gänge sind oft breiter, stärker beleuchtet und die Schilder sind stilvoller gestaltet. Lowe’s-Märkte erinnern eher an große Einrichtungszentren als an Baustellen. Dort werden auch viele Deko-Gegenstände verkauft.
Die aktuelle Situation der Branche
Insgesamt hat die Baubranche in den USA in letzter Zeit mit Gegenwind zu kämpfen. Die Inflation bei Baustoffen und die gestiegenen Zinsen haben die Möglichkeiten vieler Verbraucher eingeschränkt. Der Immobilienmarkt ist deutlich schwächer, da viele Eigentümer noch auf günstigen Hypotheken mit Zinssätzen um 3 % sitzen; bei einem Verkauf ihrer Immobilie und einem Neukauf müssten sie neu mit 6 bis 7 % finanzieren.
Da bleiben die meisten Hausbesitzer lieber in ihrem „alten“ Haus. Das wiederum bedeutet gerade für Home Depot und Lowe’s geringere Umsätze, weil es weniger große Projekte wie die Sanierung einer erworbenen Immobilie gibt. Entsprechend haben die Aktien gelitten und beide Papiere notieren durchaus deutlich unter ihren Höchstständen.
Sind Baumärkte attraktive Kaufgelegenheiten?
Aber gesunkene Kurse machen Aktien erst recht interessant. Wir sollten uns daher beide Unternehmen anschauen, um zu entscheiden, ob es sich bei den Papieren um Kaufchancen handelt oder sie zu Recht abgestraft wurden.
Beide Baumärkte hatten in den letzten Jahren mit einer schwachen Umsatzentwicklung zu kämpfen. Zum Teil liegt das daran, dass sie während Corona eine Sonderkonjunktur hatten, als die Menschen zu Hause bleiben mussten und es sich in ihren vier Wänden schön machen wollten. Bei Lowe’s liegt der Umsatz der letzten zwölf Monate immer noch rund 10 % unter der Corona-Zeit. Home Depot ist da mit einem Rekordumsatz schon weiter.
Auffällig ist, wie ähnlich sich beide Ketten in ihrem Margenprofil sind. Beide erzielen nahezu identische Bruttomargen von ziemlich genau einem Drittel. Auch die operativen Margen sind mit Werten zwischen 12 und 14 % fast gleich. Lediglich bei den Nettomargen ist Home Depot etwa einen Prozentpunkt besser, da Lowe’s in den letzten Jahren hohe Abschreibungen wegen der Bereinigung des eigenen Portfolios, der Aufgabe unrentabler ausländischer Märkte und dem Scheitern kostspieliger Übernahmen hinnehmen musste.
Die Baubranche ist zweifellos eine der zyklischsten Branchen überhaupt. Derzeit befinden wir uns eher im Tief. Dennoch können Renovierungen nicht ewig aufgeschoben werden. Auf lange Sicht könnten auch die Häuserpreise sinken, wenn verstärkt Immobilien von Boomern auf den Markt kommen. Insofern bin ich überzeugt, dass das Geschäft der Baumärkte über kurz oder lang wieder anziehen wird. Die Aktien können daher aktuell eine gute Einstiegsmöglichkeit bieten.
Home Depot oder Lowe’s – das ist hier die Frage
Damit kommen wir jetzt endlich zu der Frage, welche Aktie ich mir eher ins Depot legen würde. Home Depot notiert aktuell bei knapp 350 US-Dollar und Lowe’s bei rund 220 US-Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr erwarte ich einen Gewinn pro Aktie von etwa 14,30 (Home Depot) beziehungsweise 12 US-Dollar (Lowe’s). Daraus ergeben sich Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) von rund 24 und 18,5. Die Aktie von Lowe’s ist also deutlich günstiger bewertet, wobei eine Qualitätsaktie wie Home Depot durchaus einen Aufschlag verdient.
Home Depot schüttet eine Dividende von 9,32 US-Dollar und Lowe’s von 5,00 US-Dollar aus; das ergibt Dividendenrenditen von 2,7 beziehungsweise 2,3 %. Hier hat also Home Depot die Nase vorn. Allerdings zahlt Lowe’s nur rund 40 % seines Ergebnisses als Dividende aus. Bei Home Depot sind es zwei Drittel.
Einerseits bietet der Platzhirsch also eine höhere Dividendenrendite; zudem gilt Home Depot in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie aktuell als widerstandsfähiger. Die Aktie ist daher für konservative und Einkommensinvestoren gut geeignet. Andererseits könnte Lowe’s durch das geringere KGV bei einem Anziehen der Baukonjunktur stärker profitieren und höhere Kursgewinne erzielen.
Ich selbst könnte mich wohl eher mit Home Depot anfreunden, würde für einen Einstieg aber gerne noch niedrigere Kurse um 300 US-Dollar sehen. Aber auch der Kauf beider Aktien sollte kein Fehler sein.
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Peter besitzt keine der im Text genannten Akiten. Von Peter betreute Depots besitzen Aktien von Home Depot. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Home Depot.