Visa ist eine Top-Aktie – aber es gibt einen Haken

Eine Person bezahlt beim Onlineshopping mit der Kreditkarte im Internet
Foto: Anna Shvets via Pexels

Bei Visa (WKN: A0NC7B) setzen wir auf eines der profitabelsten Geschäftsmodelle der Welt. Das Unternehmen vergibt in der Regel selbst keine Kredite, sondern stellt Banken, Händlern und weiteren Zahlungsdienstleistern sein globales Netzwerk zur Verfügung. Visa verdient damit an der zunehmenden Zahl digitaler Zahlungen, ohne die Kreditrisiken der Karteninhaber tragen zu müssen. Dieses Geschäftsmodell war in den vergangenen Jahrzehnten ein echter Motor für die Visa-Aktie.

Besonders lukrativ sind internationale Transaktionen. Sobald Verbraucher oder Unternehmen in einer anderen Währung beziehungsweise über Ländergrenzen hinweg bezahlen, kann Visa zusätzliche Gebühren berechnen. Die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 zeigen erneut, wie stark dieser Mechanismus hinter der Visa-Aktie funktioniert.

Visa-Aktie: Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Zahlen

Visa steigerte den Nettoumsatz um 14 % auf 11,63 Mrd. US-Dollar. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei 13 %. Der ausgewiesene Nettogewinn erhöhte sich um 7 % auf 5,63 Mrd. US-Dollar. Je Aktie verdiente Visa 2,97 US-Dollar und damit 10 % mehr als im Vorjahresquartal. Die Differenz zwischen Gewinn- und Gewinnwachstum je Aktie ist vor allem auf die Aktienrückkäufe zurückzuführen. Bereinigt um Sondereffekte lag der Nettogewinn bei 6,30 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 3,32 US-Dollar je Visa-Aktie. Das entspricht einem Wachstum von 8 % beziehungsweise 11 %.

Die Abweichung zwischen dem ausgewiesenen und dem bereinigten Ergebnis fiel diesmal vergleichsweise groß aus. Visa verbuchte unter anderem Abfindungs- und Restrukturierungskosten in Höhe von 563 Mio. US-Dollar sowie eine Rückstellung von 237 Mio. US-Dollar für einen Rechtsstreit über Interbankenentgelte. Die Restrukturierungskosten sollen laut Management effizientere Abläufe ermöglichen und Mittel für besonders wachstumsstarke Bereiche freisetzen. Wir sollten diese Aufwendungen daher nicht vollständig der normalen Geschäftsentwicklung zurechnen. Sie zeigen allerdings, dass Visa trotz des ausgezeichneten Geschäftsmodells regelmäßig mit juristischen und regulatorischen Belastungen umgehen muss.

Und weiter?

Die wichtigsten operativen Kennzahlen entwickeln sich weiterhin sehr solide. Das über Visa abgewickelte Zahlungsvolumen erhöhte sich währungsbereinigt um 10 %. Das grenzüberschreitende Volumen ohne Zahlungen innerhalb Europas stieg um 12 %. Beziehen wir die innereuropäischen Transaktionen mit ein, lag das Wachstum bei 13 %. Visa verarbeitete im Quartal außerdem 71,7 Mrd. Transaktionen und damit 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Sowohl der private Konsum als auch die Ausgaben von Unternehmen blieben nach Aussage des Managements widerstandsfähig. Von einer deutlichen Konsumflaute erkennen wir in diesen Zahlen daher bislang wenig.

Besonders gefällt uns, dass das Wachstum nicht allein aus steigenden Zahlungsbeträgen entsteht. Auch die Anzahl der verarbeiteten Transaktionen wächst zweistellig. Visa verdient bei jeder zusätzlichen Zahlung einen kleinen Betrag. Das Unternehmen profitiert daher sowohl von höheren Preisen und Konsumausgaben als auch vom langfristigen Wechsel von Bargeld zu digitalen Bezahlmethoden. Selbst kleine Kartenzahlungen, die früher bar abgewickelt wurden, erhöhen die Zahl der Transaktionen im Netzwerk.

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Die Serviceerlöse stiegen um 14 % auf 4,92 Mrd. US-Dollar. Noch dynamischer entwickelten sich die Erlöse aus der Datenverarbeitung, die um 17 % auf 6,04 Mrd. US-Dollar zulegten. In diesem Bereich verdient Visa unter anderem an der Autorisierung, Abwicklung und Abrechnung der Zahlungen. Die internationalen Transaktionserlöse erhöhten sich dagegen lediglich um 6 % auf 3,85 Mrd. US-Dollar. Das erscheint angesichts des deutlich stärkeren grenzüberschreitenden Volumenwachstums zunächst etwas schwach. Die sonstigen Erlöse sprangen wiederum um 45 % auf knapp 1,50 Mrd. US-Dollar. Hier machen sich unter anderem zusätzliche Dienstleistungen und die Beiträge übernommener Unternehmen bemerkbar.

Der Wermutstropfen: Die Kosten schossen deutlich hoch

Etwas kritischer sehen wir die Kostenentwicklung. Die ausgewiesenen operativen Aufwendungen erhöhten sich um 19 % auf 4,76 Mrd. US-Dollar. Bereinigt um die Restrukturierungs-, Rechts- und Übernahmekosten lag das Wachstum noch immer bei 17 %. Insbesondere die Personal- und Marketingausgaben stiegen deutlich. Selbst wenn wir zusätzlich die Beiträge aus Übernahmen und Währungseffekte ausklammern, wuchsen die bereinigten Kosten um 14 % und damit etwas schneller als der entsprechend angepasste Umsatz von 12 %. Für ein einzelnes Quartal ist das kein grundsätzliches Problem. Visa muss in den kommenden Perioden jedoch zeigen, dass die Investitionen wieder zu einem stärkeren Ergebniswachstum führen.

Hinzu kommen die sogenannten Kundenanreize. Visa zahlt Banken, Zahlungsdienstleistern und anderen Partnern Vergütungen, damit diese Karten und Produkte des Netzwerks anbieten. Diese Zahlungen werden vom Umsatz abgezogen und stiegen um 18 % auf 4,68 Mrd. US-Dollar. Höhere Anreize gehören grundsätzlich zum Wachstum des Netzwerks. Wenn sie dauerhaft schneller als die Bruttoerlöse steigen, begrenzen sie jedoch den Anteil, der letztlich bei Visa verbleibt. Wir werden daher beobachten, ob es sich lediglich um den Zeitpunkt größerer Vertragsabschlüsse handelt oder ob Visa im Wettbewerb künftig dauerhaft höhere Zugeständnisse machen muss.

Visa-Aktie: Cashflow, Aktionärspolitik und Prognose

Beim Cashflow spielt Visa weiterhin in einer eigenen Liga. Im dritten Quartal erwirtschaftete das Unternehmen einen freien Cashflow von 6,14 Mrd. US-Dollar. Davon flossen 4,88 Mrd. US-Dollar in Aktienrückkäufe und 1,27 Mrd. US-Dollar in Dividenden. Visa gab den erwirtschafteten freien Cashflow somit nahezu vollständig an seine Aktionäre zurück. Das Unternehmen kaufte 14,5 Mio. eigene Visa-Aktien zu einem durchschnittlichen Preis von 330,71 US-Dollar. Für weitere Rückkäufe standen zum Quartalsende noch 28,4 Mrd. US-Dollar zur Verfügung.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 erwartet das Management währungs- und übernahmebereinigt weiterhin ein Umsatzwachstum am unteren Ende des niedrigen zweistelligen Prozentbereichs. Das bereinigte Ergebnis je Visa-Aktie soll am unteren Ende des mittleren Zehnerprozentbereichs wachsen. Für das vierte Quartal stellt Visa ein Umsatzplus am oberen Ende des niedrigen zweistelligen Prozentbereichs und ein bereinigtes Gewinnwachstum je Aktie im unteren mittleren Zehnerprozentbereich in Aussicht. Die bis zum 21. Juli veröffentlichten Zahlungsdaten deuten zudem darauf hin, dass das operative Wachstum zu Beginn des Schlussquartals weitgehend stabil geblieben ist.

Unsere Einschätzung zur Visa-Aktie

Wir sind mit dem dritten Quartal insgesamt sehr zufrieden. Visa wächst beim Umsatz und den wichtigsten Zahlungskennzahlen zweistellig, erwirtschaftet mehr als 6 Mrd. US-Dollar freien Cashflow und reduziert mit umfangreichen Rückkäufen die Zahl der ausstehenden Visa-Aktien. Die Kosten und Kundenanreize steigen momentan allerdings schneller als die Erlöse. Das verhindert vorerst ein noch deutlicheres Gewinnwachstum.

Die grundsätzliche Investitionsthese der Visa-Aktie bleibt trotzdem intakt. Visa profitiert von mehr digitalen Zahlungen, steigenden internationalen Transaktionen und zusätzlichen Dienstleistungen rund um das Zahlungsnetzwerk. Solange das globale Zahlungsvolumen wächst und Visa seine dominante Position verteidigt, besitzt der Konzern weiterhin beste Voraussetzungen für langfristig steigende Umsätze, Gewinne und Ausschüttungen.

Dennoch ist die Visa-Aktie bei weitem nicht die einzige spannende Aktie im Bereich der Kreditkartenunternehmen.

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