Etsy-Aktie: Diese Strategie könnte nach hinten losgehen

Bei Etsy (WKN: A14P98) setzen wir auf einen dynamischen E-Commerce-Akteur, der besonders in der Coronazeit die Qualitäten seines Marktplatzes unter Beweis gestellt hat. Schnelle und dezentrale Produktion bei den verbundenen Händlern sorgten für ein starkes Wachstum. Seitdem warten wir und die Investoren der Etsy-Aktie jedoch auf neue Impulse.
Zuletzt hat besonders der Wechsel auf CEO-Ebene zu einer neuen Perspektive geführt. Der frühere und wenig kreativ-wirkende Josh Silvermann musste für Kruti Patel Goyal weichen. Nach einer miesen Kursperformance der Etsy-Aktie sind wir mit unserer Geduld am Ende und wollen schnell erste Zeichen der Besserung sehen.
Etsy-Aktie: Gibt es Turnaround-Zeichen?
Zum Glück liefert Goyal, zumindest zum Teil. Etsy konnte im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres 2026 das Warenvolumen (Gross Merchandise Volume, GMV) vom Marktplatz Etsy um 5,5 % im Jahresvergleich steigern. Durch die Verkäufe der ehemaligen House-of-Brands-Marken sank das Volumen nominell aber um 3,9 % auf 2,46 Mrd. US-Dollar. Beim Umsatz gelang ein Wachstum von 7,6 % auf 631 Mio. US-Dollar. Wobei der Service-Umsatz erneut mit 198,5 Mio. US-Dollar und einem Wachstum von 10,5 % im Jahresvergleich die Nadel spürbar stärker bewegte. Der Umsatz des Marktplatzes Etsy legte hingegen um 6,3 % auf 432,7 Mio. US-Dollar zu. Hier gab es aber immerhin ebenfalls Wachstum.
Beim Nettoergebnis glänzte Etsy hingegen mit einem Wert von 104,6 Mio. US-Dollar. Mit einer Nettomarge von 16,6 % nähern wir uns allmählich dem Onlinehändler mit einem Plattformgeschäft, den wir ursprünglich sehen wollten. Allerdings gibt es auch Punkte, die wir weiterhin negativ sehen und nicht unkommentiert lassen wollen.
Zu kurzfristig orientierte Strategie?
Besonders auffällig ist so beispielsweise, dass Etsy sein Wachstum erneut aufgrund einer Ausdehnung der Take-Rate erreicht hat. Mit einem Wert von 25,7 % nimmt Etsy den Händlern mittlerweile mehr als jeden vierten US-Dollar von ihrem Umsatz. Wir glauben, dass diese Strategie kurzfristiges Wachstum bringen mag. Aber langfristig vor allem der Qualität des Onlinehandelsplatzes schadet. Besonders konterkariert wird dabei der im Rahmen der Quartalszahlen erneut prominent platzierte Slogan „Keep Commerce Human“. Etsy ist auf einem guten Weg, es eher als Geschäft aufzuziehen und die Händler konsequent zu schröpfen.
Mit 5,6 Mio. aktiven Verkäufern und einem Plus von 3,3 % sehen wir zwar eine leichte Trendwende der zuvor rückläufigen Verkäufer. Wir haben aber in Vorjahren bedeutend höhere Verkäuferzahlen gesehen. Ja, auch wenn wir Etsy isoliert betrachten und nicht die Verkäufe der nicht mehr strategisch benötigten anderen Marken wie Elo7 und Depop betrachten. Insofern bleibt für den Moment festzuhalten, dass die Strategie von Etsy einige Schwächen aufweist. Viel weiter wird Etsy die Take-Rate nicht ausdehnen können.
Etsy kann zwar mit 122 US-Dollar je aktivem Käufer ein hohes Vermarktungspotenzial aufweisen. Doch bleibt auch hier die Frage bestehen, wie die Käufer reagieren, wenn Etsy konsequent die Take-Rate erhöht, die Händlerinnen und Händler mit steigenden Preisen reagieren. Gerade in Zeiten steigender Preise und hoher Lebenshaltungskosten wird die Wachstumsgeschichte der Etsy-Aktie damit nicht zum Selbstläufer.
Etsy-Aktie: Der Blick nach vorn
Das Management von Etsy verweist darauf, dass man gute Fortschritte bei der mobilen Strategie mache. Mobil allein ist unserer Ansicht nach aber kein innovativer Pfad für Wachstum, sondern eher ein Must-Have, das vor Jahren hätte ausgereift werden müssen. Auch hier rennt man dem Markt daher ein wenig hinterher. Alles in allem sehen wir unter der neuen CEO zwar Verbesserungen. Etsy muss aber schnell zeigen, dass die Trendwende gelingt. Ansonsten sehen wir eher einen Marktplatz, der an Bedeutung verliert, anstatt Momentum aufzunehmen. Wir bleiben mit Bezug auf die Etsy-Aktie weiterhin eher skeptisch.
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