KGV 50 % über dem Schnitt: Korrektur-Gefahr bei der Interactive Brokers-Aktie?

Ein Mann im Anzug führt an seinem Laptop Trades aus
Bild: geralt via Pixabay

Interactive Brokers (IBKR, WKN: A0MQY6) ist ein Broker, der voll auf Automatisierung setzt. Dadurch hat das Unternehmen einen Kostenvorteil, den es an seine Kunden in Form von niedrigen Kosten und einer Vielzahl an Funktionen weitergibt. Dieser Ansatz hat auch Amazon groß gemacht und Interactive Brokers möchte ihn im Brokeragebereich etablieren. Wir schauen uns jetzt genau an, wie sich die operative Entwicklung gestaltet und was das für die Interactive Brokers-Aktie bedeutet.

Während breite Marktindizes eine eher abwartende Haltung widerspiegeln, zeigt das Kundenverhalten bei Interactive Brokers eine deutliche Risikofreude. Getrieben von technologischer Marktvolatilität nutzten Anleger verstärkt Fremdkapital: Die Margin-Kredite der Kunden stiegen massiv um 67 % auf 108,5 Mrd. US-Dollar an. Parallel dazu verdoppelte sich das Handelsvolumen im Nacht-Handel (Overnight Trading) im Vergleich zum Vorjahr, in einigen Fällen sogar mehr als verdreifachte es sich – ein Indikator für den Drang aktiver Trader, rund um die Uhr auf Marktimpulse zu reagieren.

Die Provisionserlöse wuchsen überproportional

Dieses aktive Marktumfeld schlug sich unmittelbar in den Geschäftszahlen nieder. Der Nettoerlös erreichte mit einem Plus von knapp 28 % auf 1,9 Mrd. US-Dollar neue Rekordwerte. Treiber waren die Provisionserlöse mit einem Plus von 30 % auf 673 Mio. US-Dollar durch ein starkes Volumen bei Optionen (+17 %) und Aktien (+14 %). Aber auch der Nettozinsertrag stieg um 23 % auf 1,06 Mrd. US-Dollar und bleibt damit die wichtigste Ertragssäule.

Der wesentliche Wachstumstreiber war das ungebrochene Neukundenwachstum mit einem Plus von 34 % im Jahresvergleich auf 5,2 Mio. Konten. Dadurch stieg auch das uninvestierte Kundenguthaben auf die Rekordmarke von 182 Mrd. US-Dollar (+27 %). Als primärer Bremsklotz erwiesen sich hingegen die gefallenen US-Leitzinsen der letzten 12 Monate. Jede Zinssenkung um 25 Basispunkte belastet das jährliche Zinsergebnis der Gruppe im US-Dollar-Bereich mit rund 81 Mio. US-Dollar negativ.

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Die Bestrebung, die Plattform für Neukunden immer attraktiver zu machen, überwiegt jedoch. So ermöglicht IBKR als erster internationaler E-Broker seinen Kunden beispielsweise den direkten Marktzugang zur südkoreanischen Börse sowie zur dortigen 12-Stunden-Handelsplattform Nextrade.

Der Gewinn je Interactive Brokers-Aktie stieg stark

Die Vorsteuer-Marge verharrte mit beeindruckenden 77 % auf Vorjahresniveau. Positiv wirkte sich der Kursanstieg der eigenen Aktie auf die Mitarbeiter-Aktienpläne aus. Dadurch sank der effektive Steuersatz auf 14,7 % und der Gewinn je Aktie (EPS) wurde zusätzlich gestützt. Der Gewinn je Interactive Brokers-Aktie kletterte im Quartal um 35 % auf 0,69 US-Dollar und im Halbjahr um ebenfalls starke 30,3 % auf 1,29 US-Dollar.

Risiken bestehen vor allem in einem Zinssenkungszyklus sowie in abrupten Markteinbrüchen, die automatisierte Liquidierungen bei Margin-Kunden auslösen könnten. Die Bilanz von Interactive Brokers präsentiert sich jedoch unanfechtbar: Das Unternehmen hält keinerlei langfristige Schulden und verfügt über ein regulatorisches Überschusskapital (Excess Capital) von 10,3 Mrd. US-Dollar sowie ein Eigenkapital von 22,3 Mrd. US-Dollar.

Das Management investiert das Kapital vorrangig in organisches Wachstum, Marketing und Plattformtechnologie. Obwohl M&A-Angebote von Investmentbanken stark zugenommen haben, bleibt IBKR diszipliniert. Bisher wurde kein Zielunternehmen als attraktiv genug eingestuft. Dieser konservative Ansatz gefällt uns. Das Management geht sehr selektiv vor und erzielt die größte Rendite durch das Neukundenwachstum, indem es in die eigene Plattform investiert.

Die Bewertung der Interactive Brokers-Aktie scheint nach wie vor fair

Zukunftsweisend treibt IBKR zudem die KI-Integration voran: Über den IBKR Connector können Kunden KI-Chatbots (z. B. von OpenAI oder Anthropic) direkt mit ihrem Depot verbinden, um Analysen und Trades vorzubereiten (vorerst mit manueller Freigabe). Zudem ebnet die vorläufige US-Banklizenz (National Trust Bank Charter) den Weg, um ab Jahresende als Depotbank für Mutual Funds und ETFs zu agieren und damit völlig neue institutionelle Marktsegmente zu erschließen.

Das Wachstum von Interactive Brokers ist noch lange nicht vorbei. Die aktuelle Bewertung der Interactive Brokers-Aktie mit einem KGV von 36 ist höher als der Durchschnitt der letzten fünf Jahre (KGV von 24). Wir halten sie aber noch für fair, da das Unternehmen auch weiterhin Gewinnwachstumsraten von über 15 % p. a. erzielt.

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